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N26-Chef will bis zum Börsengang kein externes Kapital mehr aufnehmen

Valentin Stalf gab auf einer Veranstaltung ein Update zur aktuellen Entwicklung der Berliner Neobank - und erlaubte sich einen Seitenhieb gegen Frankfurt als Standort.

Valentin Stalf, Co-CEO von N26. | Foto: picture alliance / HANS KLAUS TECHT / APA / picturedesk.com

Valentin Stalf, Co-CEO von N26, gibt sich gern zugeknöpft, wenn es um Geschäftszahlen geht. Daher war es keine große Überraschung, dass er beim ”Handelsblatt” Bankengipfel keine Auskunft über die Anzahl von deutschen, zahlenden oder aktiven Kunden gab. Auch die absolute Höhe des Transaktions- oder Einlagenvolumens gab er nicht preis.

Transaktionsvolumen wohl fast verdoppelt

Dabei sei das Transaktionsvolumen ein ”wichtiges Standbein des Geschäftsmodells”, betonte Stalf. ”Wir wachsen überproportional, beim Transaktionsvolumen betrug das Wachstum der vergangenen zwölf Monate zwischen 50 und 100 Prozent.” Später im Interview wurde er dann doch konkreter: Das Transaktionsvolumen habe sich im vergangenen Jahr ”fast verdoppelt”. Damit sei er ”sehr zufrieden”.

Diese Entwicklung ist keineswegs garantiert, da die BaFin als Teil einer Disziplinarmaßnahme vergangenen Herbst das Wachstum der Neobank auf 50.000 bis 70.000 Neukunden pro Monat gedeckelt hatte. Zudem schickte die Aufsicht zwei Sonderbeauftragte ins Haus.

N26 wird jetzt von zwei Sonderbeauftragten der BaFin überwacht

N26 holt sich frisches Geld - und deckelt das Neugeschäft

Stalf bekräftigte, dass man sehr eng und konstruktiv mit der BaFin zusammenarbeite. Das Unternehmen sei auf die Behebung der regulatorischen Mängel fokussiert. ”Ich glaube, dass wir in naher Zukunft auch unbeschränkt ins Wachstum gehen können”, stellte Stalf in Aussicht.

Kein neues Funding bis zum Börsengang

Bei der Kundenanzahl ging der Co-CEO über die Info von ”sieben Millionen in 23 europäischen Ländern” nicht hinaus. Ein Drittel der Umsätze beziehe N26 aus Kontogebühren, ein Drittel aus dem Kreditgeschäft - das sich allerdings auf einen Überziehungsrahmen beschränke -, und ein Drittel aus sogenannten Interchange Fees, also Transaktionsgebühren aus Kartenzahlungen.

Ein wichtiges Ziel ist für Stalf die Unabhängigkeit von externem Funding. ”In den nächsten zwei Jahren gehen wir in Richtung Profitabilität. Wir sind schon lange profitabel pro Kunde”, sagte er selbstbewusst. Das bedeute im Umkehrschluss, dass N26 bis zum Börsengang, der wohl irgendwann in den nächsten zwei Jahren stattfinden soll, keine weitere Finanzierungsrunde plant. Gerade im aktuellen Rezessionsumfeld, in dem viele Fintechs und Start-ups Liquiditätsprobleme vermeldeten und teils mit Massenkündigungen reagierten, ist das ein ambitionierter Plan. Bei der letzten Finanzierungsrunde im Herbst 2021 hatte N26 rund 700 Mio. Euro eingesammelt.

N26 holt bei weiterer Finanzierungsrunde offenbar 700 Millionen Euro

Fokus auf Kernmärkte in Mitteleuropa

N26 will vor allem das Geschäft in Mitteleuropa ausbauen, die Skalierbarkeit sei dafür wichtig. Das umfasse neben Deutschland die Märkte Italien, Frankreich, Spanien und Österreich, das Heimatland Stalfs. Mittlerweile betrage in diesen Kernmärkten der Marktanteil in größeren Städten zwischen zwei und fünf Prozent. Im ländlichen Bereich seien sie aber schwächer unterwegs, gab er zu.

Während N26 immer wieder gern auf das kontinuierliche Wachstum pocht, musste das Unternehmen neben der BaFin-Rüge weitere Rückschläge akzeptieren. So zog es sich erst aus Großbritannien, später auch aus den USA vollständig zurück, nachdem zuvor große Expansionspläne verlautbart worden waren.

N26 zieht sich aus den USA zurück

”Wir sind nach Großbritannien expandiert, weil damals nicht absehbar war, dass UK aus der EU austritt. Nach dem Brexit hätten wir eine eigene Lizenz gebraucht, was eine Investition von 100 Mio. Euro bedeutet hätte. Das zahlt sich für diese Marktgröße nicht aus. Die Voraussetzungen haben sich komplett geändert”, erklärte Stalf.

Die USA hingegen seien ”immer noch ein spannender Markt”. Aber dort benötige man 100-prozentigen Fokus. ”Wir mussten uns überlegen, wie wir diesen Fokus auf USA und Europa verteilen. Im Nachhinein war es angesichts der Makro-Krise der absolut richtige Schritt, dort schnell rauszugehen.”

Produkterweiterung um Aktienhandel angekündigt

Auch das Thema Investments steht für Stalf und sein Unternehmen im Vordergrund. Bald bringe N26 ein eigenes Kryptoprodukt auf den Markt. Dafür versuche er, verschiedene europäische Regulatoren ”abzuholen”. Außerdem werde N26 künftig Aktienhandel anbieten. Man könne innerhalb der nächsten zwölf bis 18 Monate damit rechnen.

Vom Finanzplatz Frankfurt ist Stalf indes wenig überzeugt, wie er anklingen ließ. ”Frankfurt ist nicht gerade dafür bekannt, dass man dort so viele digitale Entwickler findet”, sagte Stalf auf die Frage, warum das Unternehmen einst Berlin als Sitz wählte. Klingt, als ob Frankfurt als zweite große Niederlassung in Deutschland auch in naher Zukunft eher nicht infrage kommt.

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