FinanzBusiness

Bayerische Genossen erheben schwere Vorwürfe gegen N26

Der Präsident des Bayerischen Genossenschaftsverbands Jürgen Gros schreibt einen Brandbrief an den neuen BaFin-Chef Mark Branson. Betrüger sind zumeist Kunden bei der Neobank, heißt es darin.

Jürgen Gros, der Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern. | Foto: Genossenschaftsverband Bayern

Der Präsident des Bayerischen Genossenschaftsverbands hat schwere Vorwürfe gegen N26 erhoben. Betrüger, die Kunden bayerischer Volks- und Raiffeisenbanbanken schädigten, haben überproportional häufig ein Konto bei N26, ist der Tenor eines Brandbriefs, den Jürgen Gros an den BaFin-Präsidenten Mark Branson schickte.

Insbesondere mit Blick auf die geschädigten Kundinnen und Kunden ist es nicht länger hinnehmbar, dass N26 die eigenen Strukturen und Sicherheitsstandards nicht verbessert.

Jürgen Gros, Präsident des Bayerischen Genossenschaftsverbandes in einem Brief an BaFin-Präsident Mark Branson

"Insbesondere mit Blick auf die geschädigten Kundinnen und Kunden ist es nicht länger hinnehmbar, dass N26 die eigenen Strukturen und Sicherheitsstandards nicht verbessert", zitiert die Süddeutsche Zeitung aus dem Schreiben. Der Bayerische Genossenschaftsverband wollte FinanzBusiness den Brief nicht zugänglich machen. Über welche Indiskretionen innerhalb des Verbandes er an die Öffentlichkeit gelangte, ist unklar.

Laut dem Bericht der Süddeutschen Zeitung sind Kunden jedes dritten genossenschaftlichen Instituts in Bayern in diesem Jahr bereits Opfer von Betrügern geworden, die ihr Konto bei N26 geführt hätten. Das wären 74 Institute. Dem Genossenschaftsverband Bayern gehören laut eigenen Angaben 222 Volksbanken und Raiffeisenbanken an.

Das oben geschilderte Ausmaß dürfte bundesweit betrachtet und andere Bankengruppen einbezogen um ein Vielfaches höher ausfallen.

Jürgen Gros, Präsident des Bayerischen Genossenschaftsverbandes in einem Brief an BaFin-Präsident Mark Branson

Die Banken des Verbands hätten laut dem Bericht seit Jahresbeginn mehr als 400 Betrugsdelikte gemeldet. Die Spanne reiche bis zu Beträgen von 130.000 Euro, der Gesamtschaden gehe in die Millionen. "Das oben geschilderte Ausmaß dürfte bundesweit betrachtet und andere Bankengruppen einbezogen um ein Vielfaches höher ausfallen", schreibt Gros an Branson.

Es handelt sich nicht um Einzelfälle, sondern es besteht ein flächendeckendes, systematisches Problem.

Jürgen Gros, Präsident des Bayerischen Genossenschaftsverbandes in einem Brief an BaFin-Präsident Mark Branson

"Es handelt sich nicht um Einzelfälle, sondern es besteht ein flächendeckendes, systematisches Problem. Es liegt ein erhebliches Verbraucherschutzproblem vor, eine große Zahl von Kundinnen und Kunden ist betroffen", zitiert die Süddeutsche Zeitung aus dem Brief von Gros an Branson.

Die BaFin hat N26 bereits im Frühjahr einen Sonderbeauftragten ins Haus geschickt. Dabei ging es um Mängel bei der Prävention und Geldwäsche.

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Wegen verspäteter Geldwäschemeldungen verhängten die Aufseher im Sommer auch eine Rekordstrafe von 4,25 Mio. Euro.

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Zudem erwägt die Bonner Behörde Medienberichten zufolge, das Neugeschäft von N26 zu deckeln.

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Neu sind die Vorwürfe gegen die Berliner Neobank nicht. Aus Daten aus Daten von der beim Zoll angesiedelten, Financial Investigation Unit (FIU), geht hervor, dass sich die Verdachtsfälle gegen N26 häufen.

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Investoren schreckt das derweil nicht ab. Sie pumpten in der jüngsten Finanzierungsrunde weitere 700 Mio. Euro in das Fintech. Es kommt somit auf eine Bewertung von rund 8 Mrd. Euro, was in etwa der Marktkapitalisierung der Commerzbank entspricht.

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