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EZB und ESRB stellen Banken des Euroraums schlechtes Klima-Zeugnis aus

Die Europäische Zentralbank und der Europäische Ausschuss für Systemrisiken kritisieren den langsamen Abbau von Krediten an klimaschädliche Unternehmen. Mehr als 20 Prozent der potenziellen klimabezogenen Kreditverluste lägen bei nur fünf Prozent der Banken.

Das Hochhaus der EZB in Frankfurt | Foto: picture alliance / Daniel Kubirski | Daniel Kubirski

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat vor den Gefahren von Klimaschocks für die Stabilität des Finanzsystems gewarnt. Plötzliche Kurskorrekturen an den Börsen infolge einer Neubewertung von Klimarisiken könnten Investmentfonds und Versicherer treffen, Firmen in Schieflage geraten lassen und zu Kreditverlusten bei den Banken führen, wie aus einer jetzt veröffentlichten Untersuchung der EZB und des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken (ESRB) hervorgeht.

Den Banken im Euroraum stellte der Bericht auf Grundlage von Messungen ein eher dürftiges Zeugnis aus, was die Verringerung ihrer Kreditengagements in klimaschädliche Unternehmen betrifft.

Diese Messungen deuten darauf hin, dass in den letzten Jahren keine bedeutsame Verringerung der Emissionsintensität in den Kredit-Portfolios der Banken im Euroraum stattgefunden hat.

Aus dem Bericht von EZB und ESRB

”Diese Messungen deuten darauf hin, dass in den letzten Jahren keine bedeutsame Verringerung der Emissionsintensität in den Kredit-Portfolios der Banken im Euro-Raum stattgefunden hat”, heißt es im Bericht. Auch blieben die Gefahren klimabezogener Kreditverluste im Bankensektor weiterhin konzentriert. Mehr als 20 Prozent der potenziellen Verluste lägen bei nur fünf Prozent der Banken im Währungsraum.

EZB-Bankenaufsicht kritisiert einige Institute für Umgang mit Klima- und Umweltrisiken

Die EZB, die seit Herbst 2014 für die Aufsicht über die großem Banken in der Eurozone zuständig ist, hat die Institute in der Vergangenheit immer wieder dazu aufgefordert, Klimarisiken anzugehen und ihr Risikomanagement zu verbessern.

EZB-Klima-Stresstest: 20 Prozent der Banken berücksichtigen Klimarisiken bei der Kreditvergabe

Dem Bericht zufolge pflanzen sich Klimaschocks in der Finanzindustrie wie Wellen fort, die mit der Zeit immer weitere Bereiche erfassen. Am Anfang stehen danach geänderte Markterwartungen, was abrupte Kurskorrekturen zunächst bei Aktien auslöse und dann auch auf Unternehmensanleihen übergreife. Allmählich komme zum Marktrisiko das Kreditrisiko hinzu.

Investmentfonds und Versicherer seien zuerst betroffen - noch vor den Banken, heißt es im Bericht. ”Mit der Zeit sind alle Teile des Finanzsystems von dem klimabezogenen Risiko erfasst.”

Klimaschock könnte zu hohen Verlusten führen

Sollte der Übergang zu einer grüneren Wirtschaft ungeordnet erfolgen und beispielsweise der CO2- Preis plötzlich und erheblich steigen, könnten laut Bericht Börsenverluste bei Versicherern und Investmentfonds kurzfristig bei drei beziehungsweise 25 Prozent ihrer stressgetesteten Vermögenswerte liegen.

Solche Marktdynamiken schaukelten sich hoch. Sollte es zu plötzlichen Klimaschocks kommen, könnten Vermögenswerte schnell sinken und auch Notverkäufe auslöst werden. Manche Vermögenswerte würden dann als ”heiße Kartoffel” gehandelt. Der Studie zufolge würde ein schrittweises ”Grünerwerden” der Bankbilanzen dazu beitragen, derartige Risiken zu beseitigen.

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