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Banken lassen immer noch viel Geld in die Kohleindustrie fließen

Trotz selbstgesteckter Nachhaltigkeitsziele finanzieren Geldinstitute immer noch in großem Ausmaß die Kohleindustrie. Von Deutschland aus sind vor allem Deutsche Bank und Commerzbank noch besonders engagiert. 

Das Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe | Foto: picture alliance / photothek | Florian Gaertner

Trotz der Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel haben Banken in den vergangenen drei Jahren einer Studie zufolge weltweit über 1,5 Billionen Dollar an Finanzierungen in die Kohleindustrie fließen lassen. Zu diesem Ergebnis kommt die Umweltorganisation Urgewald.

Von Januar 2019 bis November 2021 vergaben Geldhäuser Kredite über 363 Mrd. Dollar an die globale Kohlebranche und übten für sie sogenannte Underwriting-Mandate bei Platzierungen über 1,2 Billionen Dollar aus. Die Studie überprüfte dabei die Finanzierungen für Unternehmen, die im Kohle-Bergbau, im Kohle-Handel, im Transport oder in der Nutzung von Kohle tätig sind. Ausgewertet wurde der Zeitraum Januar 2019 bis November 2021.

Zehn Länder verantworten den Großteil der Finanzierungen

Die Zahlen hat die Umweltorganisation gemeinsam mit 26 internationalen Partnerorganisationen veröffentlicht. Sie stammen aus der globalen Datenbank "Global Coal Exit List" (GCEL), die von Urgewald gepflegt wird.

Für einen Großteil der Kohleinvestitionen (85 Prozent ) sind demnach nur acht Länder verantwortlich - darunter auch Deutschland. Hierzulande gaben im Untersuchungszeitraum zehn Finanzinstitute zusammen 8,9 Mrd. US-Dollar in Form von Krediten an die globale Kohleindustrie.

Davon entfielen allein 68 Prozent auf die zwei größten deutschen Institute: 3,4 Mrd. Dollar auf die Deutsche Bank und 2,7 Mrd. Dollar auf die Commerzbank - obwohl beide Institute ebenfalls Mitglieder der Net Zero Banking Alliance sind. Zählt man Kredite und Underwriting zusammen, belegt die Deutsche Bank im internationalen Ranking sogar Platz 40 - von 705.

Commerzbank hat Kohleportfolio bereits verkleinert

Die Commerzbank wies darauf hin, dass sie ihr Kohleportfolio bereits in den vergangenen zwei Jahren um die Hälfte reduziert habe. 2021 habe es noch bei 1 Mrd. Euro gelegen. Ziel sei, den Kohleausstieg bis 2030 zu forcieren. Bei der dafür notwendigen Transformation begleite die Commerzbank ihre Kunden. Den Rahmen dafür setze eine verschärfte Richtlinie der Bank zu fossilen Brennstoffen.

Commerzbank zieht beim Thema Kohleausstieg die Daumenschrauben an 

Die Deutsche Bank erklärte, auf CO2-intensive Sektoren entfalle nur ein kleiner Teil des Kreditbuchs. Auf Basis öffentlich zugänglicher Daten mache die Deutsche Bank im Bereich fossile Brennstoffe weniger Kredit- und Emissionsgeschäft als die globalen Wettbewerber.

Wir sind auf einem guten Weg, unser bereits auf Ende 2023 vorgezogenes Ziel von 200 Mrd. Euro an ESG-Finanzierungen und -Investitionen noch früher als geplant zu erreichen.

Statement der Deutschen Bank

"Wir sind auf einem guten Weg, unser bereits auf Ende 2023 vorgezogenes Ziel von 200 Mrd. Euro an ESG-Finanzierungen und -Investitionen noch früher als geplant zu erreichen", erklärte Deutschlands größtes Institut.

Transformation anschieben

Die Verringerung des Kohleverbrauchs ist ein zentraler Bestandteil der globalen Anstrengungen, klimaerwärmende Treibhausgase zu reduzieren und die Emissionen bis Mitte des Jahrhunderts auf netto Null zu senken. Weltweit haben sich Regierungen, Unternehmen und Finanzinstitute dazu verpflichtet entsprechende Schritte zu ergreifen. Der Kohlesektor ist für annähernd die Hälfte aller globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Finanzinstitute argumentieren gerne, dass sie der Branche bei der Transformation beistehen wollen.

Katrin Ganswindt, Leiterin Finanzresearch bei Urgewald.

"Finanzinstitute argumentieren gerne, dass sie der Branche bei der Transformation beistehen wollen", erklärte Katrin Ganswindt, Leiterin Finanzresearch bei Urgewald. Aber die Realität sei, dass nahezu keines der Kohleunternehmen einen sinnvollen Transformationspfad beschreite. "Sie haben ja auch keinen Anreiz sich zu ändern, wenn die Finanzbranche sie weiterhin mit Blankochecks unterstützt."

Die weltweit größten Kreditgeber sind die japanischen Banken Mizuho Financial und Mitsubishi UFJ Financial. Mizuho erklärte zu der Studie, der Bericht spiegele nicht die aktuelle Situation wider.

Blackrock investiert in Kohlefirmen

Der Studie zufolge waren im November 2021 zudem weltweit 469 Mrd. Dollar in Aktien und Anleihen von expandierenden Kohlefirmen investiert. Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock sei mit einem Volumen von 34 Milliarden Dollar der führender Investor in solche Unternehmen.

Blackrock wollte sich dazu nicht äußern. Blackrock-Chef Larry Fink hatte im Januar in seinem jährlichen Brief an die Konzerne, an denen seine Gesellschaft beteiligt ist, geschrieben, der Abzug von Kapital aus ganzen Branchen werde die Welt nicht zum Netto-Null-Ziel führen.

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