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DSW zielt auf schnelle Entschädigung der Wirecard-Anleger durch EY

Über ein niederländisches Klagevehikel stellen die Anlegerschützer Geschädigten aus dem Wirecard-Skandal einen schnelleren Vergleich mit den Wirtschaftsprüfern in Aussicht.

Bürogebäude von EY | Foto: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON

Die Anlegerschützer der DSW wollen mit einer eigens gegründeten Stiftung in den Niederlanden eine rasche Entschädigung der Wirecard-Anleger erreichen. Zusammen mit den Kanzleien Nieding und Barth aus Frankfurt und AKD Benelux Lawyers aus Amsterdam sei eine Stiftung nach niederländischem Recht ins Leben gerufen worden, teilte die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Frankfurt mit.

Dies eröffne die Option, neben EY Deutschland auch EY Global mit ins Visier zu nehmen, was nur konsequent sei, ”da EY Global bei der Beaufsichtigung von EY Deutschland versagt hat und daher ebenfalls für den Schaden der Anleger haftet. Es kann nicht sein, dass EY Global sich hier aus der Verantwortung stiehlt “, sagt Klaus Nieding von der Rechtsanwalts-AG Nieding und Barth.

EY prüfte die Bilanzen

Die Wirtschaftsprüfer von EY hatten jahrelang die Bilanzen des zusammengebrochenen Zahlungsabwicklers Wirecard ohne Einwände abgesegnet - und es dem Bezahldienstleister so ermöglicht, seine Erfolgs-”Story” zu untermauern, wie die Anwälte argumentieren. Ein von Wirecard-Sonderprüfer Martin Wambach verfasster Bericht habe deutlich gezeigt, dass tatsächlich grundsätzliche Prüfungsstandards vernachlässigt wurden.

Gegen drei der ehemaligen Bilanzprüfer hatte die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. (SdK) im vergangenen Jahr auch Strafanzeige gestellt. Einer der damaligen Prüfer, der mittlerweile als Leiter des Rechnungswesens der Deutschen Bank tätig war, ist wegen der Vorwürfe im Wirecard-Skandal sogar ”vorübergehend” von seinem Job zurückgetreten.

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EY hat die Vorwürfe der Aktionärsschützer und ihre Entschädigungsforderungen bislang stets zurückgewiesen.

Im München beginnt ein KapMuG-Verfahren

Im März leitete das Landgericht München bereits ein sogenanntes sogenanntes Kapitalanleger-Musterverfahren (KapMuG) gegen die langjährige Abschlussprüferin und den ehemaligen CEO Markus Braun ein.

Mit dem Beschluss wurden alle Schadenersatz-Klagen gegen die Wirtschaftsprüfer im Zusammenhang mit der Wirecard-Pleite in einem Musterverfahren gebündelt, das grundsätzliche Fragen klären soll. Das Verfahren wird direkt in der höheren Instanz, beim Bayerischen Obersten Landesgericht starten - das soll die Länge solcher Verfahren verkürzen.

So funktioniert die Musterfeststellungsklage

Der Haken an solchen Verfahren: Sie dauern oft sehr lange und die Kläger müssen auch nach einem Sieg vor Gericht ihre individuellen Schadensersatzanspruche noch selber verfolgen.

Die ’Stichting Wirecard Investors Claim’ verspricht hingegen eine schnellere Klärung. Es gehe nicht um 19, 15 oder zehn Jahre, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. ”Wir sind so im Bereich, drei vier Jahre.” Dabei werden die Prozesskosten finanziert, Anleger könnten sich so ohne eigene Kosten an dem Vorstoß beteiligen. Im Erfolgsfall müssten sie dann allerdings einen Anteil von 25 Prozent des Schadensersatzes abgeben.

Außerdem wird in dieser Klageform eine europäische Vergleichslösung für alle geschädigten Wirecard-Anleger angestrebt - ”auch und gerade mit EY Global”, wie Tüngler erklärt. Die Anlegerschützer wollen Klage einreichen, sollte EY nicht zu einer außergerichtlichen Einigung bereit sein.

Auch institutionelle Investoren klagen

Wirecard musste wegen eines Bilanzlochs von 1,9 Mrd. Euro im Juni 2020 Insolvenz anmelden. Der Kurs der im Dax notierten Aktie sackte ins Bodenlose ab. Laut DSW haben sich seit dem Insolvenzantrag mehr als 30.000 Geschädigte mit einer Schadensumme von 1,5 Mrd. Euro bei der Anlegerschutzvereinigung gemeldet. ”Wir sprechen auch über eine nennenswerte Zahl von institutionellen Investoren, die sich unserem Projekt ebenfalls anschließen wollen,” sagte Nieding.

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