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"Kauf und Verkauf von Bitcoin & Co. ist doch das, was der Kunde wirklich machen will", sagt Christoph Iwaniez

Unter den Neobanken hat der Bitcoin-Boom einen Namen: Bitwala. Im Januar 2021 schrieb das Fintech erstmals schwarze Zahlen. CFO Christoph Iwaniez erklärt im Gespräch mit FinanzBusiness, was hinter dem Boom steckt - und warum die Berliner nicht selbst in das Geschäft mit Verwahrlösungen einsteigen.

Christoph Iwaniez CFO Bitwala | Foto: Bitwala

Was zum Wochenauftakt wie ein neuer Bitcoin-Rekordserie aussah, hat sich bis zur Wochenmitte zu einer Korrektur entwickelt. Nach einer Rekordjagd und einem neuen Höchststand von 58.330 Dollar konsolidiert der Bitcoin-Kurs.

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Das kann daran liegen, dass Anleger Gewinne mitnehmen. Oder dass einige Investoren mit Verzögerung auf einen Tweet von Tesla-Chef Elon Musk reagierten, der am Samstag geschrieben hatte, die Preise von Bitcoin und Etherum (Ether) wirkten auf ihn hoch.

"Kauf und Verkauf von Bitcoin & Co. ist doch das, was der Kunde wirklich machen will", sagt Christoph Iwaniez, CFO von Bitwala im Gespräch mit FinanzBusiness zum aktuellen Auf und Ab bei der weltweit beliebtesten Kryptowährung. Für das Fintech aus Berlin ist der Bitcoin-Boom ein Segen - hat man dort doch genau auf den Kryptohandel gesetzt, um sich von anderen Neobanken abzuheben.

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Allerdings geht Bitwala dabei anders vor als etablierte Finanzinstitute, die sich derzeit noch eher zögerlich und dann vor allem über die Verwahrung von Kryptowerten an das Thema rantasten. "Die Verwahrlösungen von Kryptowerten, auf die sich gerade viele Banken stürzen, stellen letztendlich nur Infrastruktur zur Verfügung – und das zu sehr kleinen Margen", sagt der Bitwala-CFO. "Ein attraktives Geschäftsmodell ist das nicht.“

Die Verwahrlösungen von Kryptowerten (...) stellen letztendlich nur Infrastruktur zur Verfügung – und das zu sehr kleinen Margen. Ein attraktives Geschäftsmodell ist das nicht.

Christoph Iwaniez, CFO von Bitwala

Deshalb will Bitwala in absehbarer Zeit auch nicht selbst in das Geschäft mit den Verwahrlösungen einsteigen. Derzeit verwahrt eine Tochter der Solarisbank die Kryptowährungen für Bitwala. "Wir sehen uns vorne bei den Kunden, mit einer herausragenden User-Experience. Unser Anspruch ist, die Brücke zur Bitcoin-Welt und neuen dezentralen Finanzdienstleistungen zu bauen", sagt Iwaniez.

Im Jahr 2020 hat das Berliner Fintech 140.000 Neukunden gewonnen, insgesamt nutzen jetzt 200.000 Menschen in 32 europäischen Ländern die App. Zum Vergleich: Der deutsche Marktführer N26 hat rund sieben Millionen Kunden, allerdings sind dort nach eigenen Aussagen auch einige "Karteileichen" dabei. Und das britische Fintech Revolut, dass wie Bitwala auch den Handel von Kryptogeld ermöglicht,  hat in Deutschland bereits rund 350.000 Kunden. Dort peilt bis zum Ende kommenden Jahres in Deutschland, Österreich und der Schweiz 1,5 Millionen Kunden an.

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Neben den Branchengrößen muss sich Bitwala insofern nicht verstecken, weil man nun immerhin ein wichtiges Zwischenziel erreicht hat: Man ist seit Januar operativ profitabel – wenn man die Kosten für Einmalaufwendungen, Marketing und Kundenanmeldung beiseite läßt.

Laut Iwaniez kann Bitwala jetzt ohne weiteres Wachstum von dem leben, was monatlich verdient wird. Für 2021 hat das Fintech einen Umsatz von knapp zehn Millionen Euro im Blick. 2020 habe man die Erträge versechsfacht, sagt CEO Ben Jones im Handelsblatt.

Debtkart als Add-on

"Die Handel mit Bitcoin macht rund 80 Prozent unseres Umsatzes aus", erklärt der CFO im Gespräch mit FinanzBusiness. Auf Platz zwei liegt das Geschäft mit Ethereum, gefolgt von dem Bitcoin-Ertragskonto und der Debitkarte."

Mit der Karte allein sei zwar im Grunde kein Geld zu verdienen, "unterm Strich legen wir sogar noch drauf", so Iwaniez. "Die Karte haben wir nicht als Erlösbringer sondern als Mehrwert für den Kunden im Angebot", so Iwaniez.

Mit Bitcoins an den Kapitalmarkt

Bei anderen Anbietern können Kunden ihre Bitcoin nur halten - bei Bitwala verdienen sie auch am Halten - ohne Verkauf. Das Bitcoin-Ertragskonto setzt man in Deutschland exklusiv mit dem Fintech Celsius um. "Damit schlagen wir wieder eine Brücke für unsere Kunden, und zwar zum internationalen Kapitalmarkt", so Iwaniez. Weil Intermediäre auf der Blockchain wegfallen, profitiere der Kunde direkt davon, seine Bitcoins an den Kapitalmarkt zu geben, wo Investoren beispielsweise ihre Arbitrage-Geschäft damit unterlegen – und Zinsen zahlen.

Mit dem Ertragskonto verdienten Nutzer bei Bitwala seit dem Start im Sommer 2020 mindestens vier Prozent Ertrag, was sich inzwischen auf über 20 Bitcoin (ca. 850,000 Euro) summiert, die an die Kunden ausgezahlt wurden.

Männlich, 40, sicherheitsbewußt

Bei Bitwala hat man einen Nutzer im Sinn, der das unsichere Umfeld ausländischer Kryptobörsen scheut – und das Geld lieber auf ein voll reguliertes deutsches Konto überweist, um die Kryptowährung zu kaufen. "Die Kombination von Girokonto und Bitcoin-Handel ist dabei unser wichtigstes Unterscheidungskriterium zu Kryptobörsen, bei denen man erstmal Geld auf ein maltesisches Konto überweisen muss", so Iwaniez.

Der typische Bitwala-Kunde sei um die 40 Jahre alt, kommt aus der IT- oder Bankenbranche, hat schon Investmenterfahrung und sei "leider viel zu männlich", wie Iwaniez meint. "Es ist uns ein großes Anliegen, in Zukunft auch die Investment Gap zu schließen." Weil vor allem Männer in den Anfangstagen des Bitcoin in die Kryptowähurng investierten, profitierten sie nun auch überdurchschnittlich von den steigenden Kursen."

Es ist uns ein großes Anliegen, in Zukunft auch die Investment Gap zu schließen.

Christoph Iwaniez, CFO von Bitwala

"In Zukunft wollen wir unsere Marke ausbauen, daher auch weniger techy und nerdy aufstellen – und gezielt mehr auch Frauen anzusprechen", so Iwaniez. „Insgesamt sind unsere Kunden auch keine Profihändler oder Zocker, sondern verfolgen eher einen Buy-and-Hold-Ansatz."

Wachstum mit einem Payment-Profi

Im kommenden Jahr will man das Image der reinen "Krypto-Bank" ein Stück weit abstreifen. "Wir denken derzeit vor allem darüber nach, Kunden elektronische Wertpapiere oder Produkte, die Distributed-Ledger-Technologies (DLT) nutzen, verfügbar zu machen."

Das eigene Wachstum nutzt Bitwala – auch dank einer Finanzierungsrunde im November - gerade zur Professionalisierung in den eigenen Reihen. Dazu hat die Neobank im Januar Peter Lindgren als Interims-CTO von Klarna geholt.

"Peter wird interimistisch bei uns bleiben bis ein neuer langfristiger CTO gefunden ist und uns sehr stark helfen, Tech-Talente anzuziehen", sagt Iwaniez. Den Kampf um die besten Köpfe sieht der Bitwala-CFO gerade als eine der größten Herausforderungen an. "Es ist nicht einfach, in Deutschland die richtigen Talente für unsere nächsten Entwicklungsschritte zu finden. Auch deshalb denken wird gerade intensiv über einen zweiten Standort in Europa nach, der auch beim Ausbau des Teams helfen würde."

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