FinanzBusiness

Embedded-Finance-Dienstleistungen haben besonders im E-Commerce großes Potenzial

Eine Studie der Solarisbank zeigt das Potenzial der Finanzdienstleistungen durch Nicht-Banken auf. Ernst Ellmer, Deutschland-CEO der Beratung Zühlke, ordnet die Entwicklung für FinanzBusiness ein. Er sieht Potenzial - auch für Banken.

Ernst Ellmer, CEO der Zühlke Engineering GmbH | Foto: Zühlke Engineering GmbH

Knapp zwei Drittel der Deutschen können sich die Nutzung einer integrierten Finanzdienstleistung bei einem E-Commerce-Anbieter vorstellen. Mehr als ein Viertel ist bereit, ein Girokonto bei Amazon zu eröffnen. Das sind Ergebnisse einer von der Solarisbank und dem Handelsblatt Research Institute erarbeiteten Studie.

"E-Commerce ist aus unserer Sicht einer der wichtigsten Kanäle, über den Finanzdienstleister ihre Angebote im Kontext von passenden Produkten platzieren können", bestätigt Ernst Ellmer FinanzBusiness. Er ist CEO der Zühlke Engineering GmbH, der deutschen Tochtergesellschaft der international tätigen Beratung Zühlke Group.

In der Studie der Solarisbank wurden 21 E-Commerce-Anbieter hinsichtlich der Kundenzufriedenheit und -Interaktionsrate analysiert sowie eine repräsentative Bevölkerungsumfrage durchgeführt.

Die Private-Equity-Gesellschaft Lightyear Capital schätzt, dass der Markt für Embedded Finance von gegenwärtig rund 22,5 Mrd. Euro bis zum Jahr 2025 auf etwa 230 Mrd. Euro weltweit anwachsen wird. Der Finanzinvestor Bain Capital schätzt zudem den allein in den USA erreichbaren Umsatz mit Embedded Finance bis zum Jahr 2030 auf rund 3,6 Billionen Euro.

Eine Chance - auch für die Banken

Eigentlich eine klassische Konkurrenzsituation für Banken. Doch Ellmer sieht Potenzial: "Embedded Finance kann für Banken eine große Chance sein, wenn sie sich richtig positionieren. So können sie beispielsweise eine wichtige Rolle in der Zahlungsabwicklung spielen und sind aufgrund ihrer Erfahrung und Größe potenziell sehr interessante Partner im Bereich Finanzierung und Leasing." Allerdings müsste dafür das Thema Open Banking konsequent umgesetzt und Schnittstellen geschaffen werden.

Embedded Finance kann für Banken eine große Chance sein, wenn sie sich richtig positionieren.

Ernst Ellmer, CEO, Zühlke Engineering

"Erste vielversprechende Ansätze in dieser Richtung sieht man beim Multibanking, wo Banken selbst aber auch Versicherungen beginnen, Dienstleistungen anderer Finanzdienstleister in ihr eigenes Produktangebot einzubinden. Aber auch die aktuellen Initiativen rund um Request to Pay spielen hier eine wichtige Rolle", erläutert Ellmer auf Nachfrage von FinanzBusiness.

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Asien und Amerika bilden Speerspitze

Weltweit gelten China und die USA als Vorreiter, weiß auch Ellmer: "Wenn man neugierig auf eine mögliche nahe Zukunft von Embedded Finance ist, lohnt sich ein Blick ins Ausland – insbesondere nach Asien: Bezahlung per Chat-App, Finanzierung direkt vom Betreiber einer E-Commerce Plattform oder ein digitales Wallet für die Fahrer eines Online-Vermittlers sind Dienstleistungen, die hier schon länger etabliert sind."

Konkrete Firmenbeispiele will er nicht nennen, aber Marktbeobachter stufen beispielsweise die chinesische Kommunikationsplattform Wechat und die kanadische E-Commerce-Plattform Shopify als erfolgsversprechend ein.

Aber auch in Deutschland gebe es interessante Entwicklungen, führt Ellmer aus. Er nennt als Beispiel Vergleichsportale für Versicherungen, die auch direkt einen Abschluss ermöglichen.

Embedded Financial Services werden sich immer stärker etablieren – sowohl im B2C als auch im B2B.

Ernst Ellmer, CEO, Zühlke Engineering

"Embedded Financial Services werden sich immer stärker etablieren – sowohl im B2C als auch im B2B", prognostiziert Ellmer. Die große Chance von Embedded-Finance-Produkten bestehe darin, den Bedarf der Kunden dort zu bedienen, wo er entsteht.

Allerdings sieht er nicht nur Vorteile für die Kunden, sondern Gewinne für alle Seiten: "Für die Kunden ist das in erster Linie komfortabel, die Finanzdienstleister erhalten einen neuen Vertriebskanal und die Plattformanbieter profitieren von einem breiteren Angebot."

Das Risiko des Monopolisten

Jörg Diewald, CCO der Solarisbank, führt die Vorteile für die Anbieter im Detail aus: "Neue Umsatzmöglichkeiten zu niedrigen Grenzkosten, Vertiefung der Kundenbeziehung und eine Vielzahl von Datenpunkten zur Verbesserung des Kundenerlebnisses. Ein zentraler Erfolgsfaktor für die Anbieter ist zweifellos eine nahtlose technische Integration. Nur so kann eine reibungslose Customer Journey ermöglicht werden", erklärt er in der Mitteilung.

Anteil der Marktkapitalisierung der 500 größten Banken, Zahlungsanbieter und Fintechs | Foto: Anteil der Marktkapitalisierung der 500 größten Banken, Zahlungsanbieter und Fintechs
Anteil der Marktkapitalisierung der 500 größten Banken, Zahlungsanbieter und Fintechs | Foto: Anteil der Marktkapitalisierung der 500 größten Banken, Zahlungsanbieter und Fintechs
Die Kooperation mit Samsung und dem daraus resultierenden Samsung Pay Angebot war ein erster Fingerzeig der Solarisbank im vergangenen Jahr. Weitere Kunden fernab vom Fintech-Segment sollen folgen, stellte Diewald 2020 im Gespräch mit FinanzBusiness in Aussicht.

Für Jörg Diewald war Samsung Pay nur der Anfang 

Ellmer warnt allerdings auch vor ungewollten Monopolstellungen und den damit verbundenen Begleiterscheinungen. "Hier haben vor allem die Plattformanbieter eine Verantwortung, den Kunden verschiedene Angebote vorzulegen und darauf zu achten, dass auch neue, innovative Marktteilnehmer einen Zugang erhalten", sagt er. Im Kontext von sensiblen, personenbezogenen Daten sei auch die sichere Verarbeitung im Rahmen der DSGVO ein wichtiger Aspekt.

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