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"Wir wollen keine Einlagen-Parkgarage sein", sagt Sabine Schmittroth

Die Vorständin der Commerzbank deutet im Interview mit dem Handelsblatt an, dass der derzeitige Freibetrag, bis zu dem keine Negativzinsen anfallen, nicht in Stein gemeißelt ist.

Sabine Schmittroth | Foto: Commerzbank

Sabine Schmittroth, die im Vorstand der Commerzbank unter anderem für das Privatkundengeschäft zuständig ist, hat im Interview mit dem Handelsblatt eine schärfere Gangart des Instituts bei der Weitergabe von Negativzinsen angedeutet.

An die breite Privatkundschaft werden wir keine Negativzinsen weitergeben. Aber die Frage ist, wo das Ende der Breite ist. Daher werden wir uns die Höhe der Freibeträge immer wieder anschauen.

Sabine Schmittroth, Vorständin der Commerzbank im Handelsblatt-Interview

"An die breite Privatkundschaft werden wir keine Negativzinsen weitergeben. Aber die Frage ist, wo das Ende der Breite ist. Daher werden wir uns die Höhe der Freibeträge immer wieder anschauen", sagte die Vorständin der Zeitung.

Absenkung auf 100.000 Euro

Die Commerzbank hatte die Höhe des Freibetrags, bis zu der keine Verwahrentgelte anfallen, zuletzt von 250.000 auf 100.000 Euro abgesenkt.

Andere Institute, wie die Sparda-Bank West oder auch Deutschlands größte Sparkasse, die Haspa in Hamburg, hatten die Grenze der Freibeträge zuletzt noch einmal deutlich nach unten korrigiert.

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Die Stadtsparkasse Düsseldorf wiederum kündigt Kunden mit hohen Guthaben, die keine Verwahrentgelte akzeptieren wollen, das Konto.

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"Die Entscheidung über die Freibeträge hängt von vielen Variablen ab, unter anderem von der Entwicklung des Zinsmarktes. Zudem versuchen wir wie alle Banken, dass sich Einlagen und Kredite die Balance halten", so Schmittroth im Interview.

Verärgerte Kunden

Die Vorständin räumte auch ein, dass "einige Kunden" die Commerzbank aus Verärgerung über Gebühren verlassen haben. Gleichwohl stellt Schmittroth in dem Interview klar: "Wir wollen keine Einlagen-Parkgarage sein, sondern die Hausbank für unsere Kunden."

Auf Wachstum stehen die Zeichen bei Deutschlands zweitgrößter Privatbank, die gerade ihre Restrukturierung angestoßen hat, ohnehin nicht. Die Vorständin bekräftigte Ankündigungen vom Februar, wonach das Institut mit dem Verlust von 1,7 Millionen der derzeit elf Millionen Privatkunden rechne. Unter anderem auch, weil die Commerzbank ihr Filialnetz bundesweit drastisch auf 450 eindampft. "Aber das ist eine Bruttozahl. Wir tun alles, um gleichzeitig neue Kunden zu gewinnen", sagte Schmittroth in dem Interview, ohne Details zu nennen.

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Schmittroth, die auch Arbeitsdirektorin der Commerzbank ist, bekräftigte ebenfalls, bis Mai eine Grundsatzeinigung über den im Zuge der Restrukturierung geplanten Abbau von 10.000 Vollzeitstellen zu erreichen: "Wir sind es den Mitarbeitern und den Aktionären schuldig, dass wir das hinbekommen."

Wenn eine Bank einen höheren Zinssatz bietet als der Marktdurchschnitt, gibt es ein höheres Risiko. Dieses Risiko tragen dann alle anderen Privatbanken. Solche Fälle schaden der Reputation des gesamten Bankensektors und haben mit fairem Wettbewerb nichts zu tun.

Sabine Schmittroth, Vorständin der Commerzbank im Handelsblatt-Interview

In dem Interview mit dem Handelsblatt äußerte die Commerzbank-Vorständin auch scharfe Kritik an dem Geschäftsgebahren der in Insolvenz befindlichen Bremer Greensill Bank, deren Sparer jetzt zum Großteil aus den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken entschädigt werden. "Wenn eine Bank einen höheren Zinssatz bietet als der Marktdurchschnitt, gibt es ein höheres Risiko. Dieses Risiko tragen dann alle anderen Privatbanken. Solche Fälle schaden der Reputation des gesamten Bankensektors und haben mit fairem Wettbewerb nichts zu tun", sagte Schmittroth.

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