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Deka fordert Rückzug von Wirecard-CEO, Gesellschaftsrechtler vorerst unbeeindruckt

Als erste große Fondsgesellschaft drängt die Deka auf die Ablösung von Markus Braun als CEO von Wirecard, wie die „Wirtschaftswoche“ meldet. Für Gesellschaftsrechtler kein unüblicher Vorgang.

Wirecard-CEO Markus Braun | Foto: Wirecard

Wirecard bleibt unter Druck – daran hat die Veröffentlichung des Berichts zur KPMG-Sonderprüfung vor einer Woche nichts geändert. In der Kritik steht vor allem CEO Markus Braun.

 „Wir fordern den Rücktritt von Markus Braun“, sagte Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Deka, im Gespräch mit der Wirtschaftswoche.

Speich verweist auf die Kursverluste an den Börsen – die mittlerweile bei mehr als 30 Prozent liegt. Er spricht von einem Vertrauensverlust am Kapitalmarkt und sieht Braun als Hauptverantwortlichen.

Dass er jetzt dessen Rücktritt fordert, begründet er zudem mit dem KPMG-Bericht von letzter Woche. Wie berichtet, ermittelten die Wirtschaftsprüfer von KPMG in den Wirecard-Büchern zwar keinen Korrekturbedarf, bemängelten jedoch die Dokumentation des Unternehmens und das gesamte Prüfprocedere im Untersuchungszeitraum.

Wir hätten nicht gedacht, dass so etwas bei einem Dax-Unternehmen möglich ist.

Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Deka

Bei der Deka sei man schockiert gewesen, erklärt Speich in der Wirtschaftswoche. „Wir hätten nicht gedacht, dass so etwas bei einem Dax-Unternehmen möglich ist.“

Die Pflichten der Aufseher

Wirecard hat auf eine Anfrage von FinanzBusiness dazu bislang nicht reagiert – was aus Sicht von Kim Lars Mehrbrey, Partner in der Kanzlei Hogan Lovells in Düsseldorf und Spezialist für gesellschaftsrechtliche Streitigkeiten, aber eher zum Business as usual gehört.

„Als Aufsichtsrat muss man sich nicht an jedem öffentlichen Meinungskampf beteiligen“, argumentiert der Jurist gegenüber FinanzBusiness. Im Übrigen sei es keine Seltenheit, dass Aktionäre vor der Hauptversammlung über den Weg der Medien schon mal ihre Position klarmachen. „Das gibt es immer wieder.“

Als Aufsichtsrat muss man sich nicht an jedem öffentlichen Meinungskampf beteiligen.

Kim Lars Mehrbrey, Partner der Kanzlei Hogan Lovells

Mehrbrey äußert sich nicht zum Fall Wirecard. Er erklärt lediglich, welche Aufgaben Aufsichtsräte ganz generell haben – aus Sicht des Gesetzgebers. „Sie sind dazu da, die Arbeit des Vorstands zu begleiten, sie kritisch und unabhängig zu prüfen, und sie können für Versäumnisse auch in Haftung genommen werden.“ Dem Vorstand genau auf die Finger zu schauen, wäre also in ihrem eigenen Interesse.

Rückendeckung vom Aufsichtsrat

Thomas Eichelmann, seit Anfang 2020 Aufsichtsratschef von Wirecard, hat trotz aller Kritik in den vergangenen Monaten an Markus Braun weiter festgehalten und sich in der Öffentlichkeit hinter ihn gestellt.

Zuletzt vergangenen Donnerstag (30. April), nachdem die KPMG-Ergebnisse die Runde gemacht hatten: "Eine Personaldebatte wäre im Moment in keinster Weise zum Wohl des Unternehmens“, sagte er zum Handelsblatt. „Eine Ablösung von Herrn Dr. Braun sehe ich heute nicht."

Vorstandsverträge laufen Ende 2020 aus

Personalfragen sind allerdings ohnehin auf dem Tisch: Laut Website laufen die Verträge mit den Wirecard-Vorständen zum Jahresende aus. Außerdem will Eichelmann bei der Hauptversammlung am 2. Juli vorschlagen, den Aufsichtsrat um zwei Personen zu erweitern. Namen nannte er noch nicht.

Aktuell setzt sich der Aufsichtsrat der Wirecard AG zusammen aus Thomas Eichelmann (Vorsitzer), Stefan Klestil (stv. Vorsitzer), Anastassia Lauterbach, Wulf Matthias sowie Vuyiswa V. M'Cwabeni. Die Nachfolge von Susana Quintana-Plaza soll Hauke Stars von der Deutschen Börse übernehmen.

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