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Bei Payment for Orderflow zeichnet sich in Brüssel ein Kompromiss ab

Demnach hat die Berichterstatterin der EU-Parlaments, Danuta Hübner, in einer neuen Kommentierung das Wort ”Verbot” durch ”Regulierung” ersetzt.

Das EU-Parlament in Straßburg. | Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Dwi Anoraganingrum/Geisler-Fotop

Ende vergangenen Jahres ging ein Raunen durch die Brokerage-Szene. Denn es bestätigte sich, was schon gerüchteweise durchgedrungen war: Die EU-Kommission schlug eine Vereinheitlichung der europäischen Finanz- und Kapitalmärkte vor. Darin enthalten auch ein PFOF-Verbot, das im Vorfeld bereits durchgesickert war. PFOF steht für ”Payment for Orderflow”. Dabei ging es um mögliche Interessenkonflikte bei diesen Rückvergütungen. So zumindest die Auffassung der Kommission.

Geschäftsmodell der Neobroker wäre gefährdet

Experten sehen das Geschäftsmodell der europäischen Online-Broker gefährdet, sollte der Bann kommen. Denn damit würde die wichtigste Ertragsquelle deutscher Fintechs wie etwa Trade Republic oder Scalable Capital versiegen. Deren Geschäftsmodell basiert in hohem Maße auf der Gebühr. Die kostenfreien Angebote der Neobroker sind oft nur möglich, weil sie Kunden an die mit ihnen verbundenen Marktplätze gegen eine Provision weiterreichen.

Brüssel will Geschäftsmodell der Zero-Broker deckeln

Doch nun zeichnet sich ein Silberstreif für die Online-Broker ab. Wie die ”Börsen-Zeitung” berichtet, existiert mittlerweile ein zweiter Entwurf der Berichterstatterin des EU-Parlaments, Danuta Hübner. Er beleuchtet nach der Mifid-Seite nun auch stärker den Punkt Mifir, insbesondere den Anlegerschutz, damit auch den PFOF.

Ihr Vorschlag: Die Kommissionsüberschrift von ”ban” in ”regulating” umschreiben. Wie die BÖZ berichtet, sehe die EU-Kommission das Thema eher entspannt. Ihr gehe es vor allem um ein vernünftiges Consolidated Tape.

Kommission will ”Consolidated Tape”

Was sich dahinter verbirgt: Den Brüsseler Plänen zufolge soll ein neues Vergleichsregister Investoren in die Lage versetzen, die für sie günstigsten Transaktionen zu erkennen. Bislang gibt es sowohl für Privatanleger als auch für Banken und Vermögensverwalter keine solche transparente Vergleichsmöglichkeit, auch ”Consolidated Tape” genannt.

Das Consolidated Tape wird allem Anschein nach kommen, aber eher in abgespeckter Form - nur mit Nachhandelsdaten statt Vorhandelsdaten. Das EU-Parlament will den gemeinsamen Datenträger auf Aktien auf andere Finanzinstrumente wie Derivate ausweiten. Denkbar ist in der politischen Brüsseler Szene, dass die Kommission das Thema PFOF-Verbot entspannter sieht, wenn es einen gemeinsamen Datenträger geben wird.

Bafin lehnt pauschales Verbot des Payment for Orderflow ab

Der zweite Entwurf von Hübner sorgt womöglich für etwas Aufatmen bei den Betroffenen. Die Bundesregierung und die Aufsichtsbehörde BaFin hatten bereits ihre Skepsis gegenüber einem Verbot zum Ausdruck gebracht. Im September wird nun das EU-Parlament das Für und Wider eines Verbots debattieren.

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