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Bafin lehnt pauschales Verbot des Payment for Orderflow ab

In einer Studie kommen die Aufseher zu einem differenzierten Bild der umstritten Gebührenmodells. ”Vor einem Verbot des Payment for Order Flow müsse man über ”weniger restriktive regulatorische Maßnahmen” nachdenken, fordert Exekutivdirektor Thorsten Pötzsch.

Thorsten Pötzsch, Exekutivdirektor der BaFin | Foto: Bernd Roselieb / BaFin

Die deutsche Finanzaufsicht hat sich näher mit der sogenannten Payment for Orderflow (PFOF) beschäftigt. Kritiker der Gebührenmodells vermuten, dass Broker beim PFOF Aufträge dorthin schicken, wo die höchste Rückvergütung winkt - und nicht dorthin, wo es die besten Kurse für die Kunden gibt. Daher wird auf EU-Ebene sogar über ein Verbot diskutiert.

In ihrer Analyse kommt die BaFin zu einer etwas differenzierteren Bwertung des Modells, als die Kollegen in anderen europäischen Aufsichtsbehörden.

Ihre Schlussfolgerung: Für Kundenaufträge mit kleineren Volumina ist die Ausführung über PFOF-gewährende Handelsplätze überwiegend vorteilhaft. ”Sofern Transaktionskosten berücksichtigt wurden, waren die Ergebnisse für Kunden mehrheitlich besser als an den Referenzmärkten”, schreibt die BaFin in einer Mitteilung. Bei höheren Transaktionsvolumen und niedrigerer Liquidität an den Referenzmärkten zum Zeitpunkt der Auftragsausführung gingen diese Vorteile jedoch verloren.

Zwar teilt die BaFin bereits im vergangen Jahr die Bedenken der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA), zu möglichen Interessenskonflikten aufseiten des Brokers grundsätzlich.

Aber: Auch die BaFin hatte im vergangene Jahr vor den Zero-Brokern gewarnt, deren Gebührenmodelle nicht so günstig für Anleger seien, wie es auf den ersten Blick erscheine. Zudem kritisieren die Aufseher in Deutschland und in der EU den Gamification-Effekt der Apps, der zum Zocken mit Aktien verleite.

Brüssel will Geschäftsmodell der Zero-Broker deckeln

Ein generelles Verbot, wie es die Europäische Kommission derzeit anstrebt, lehnt sie nun allerdings ab. ”Vor einem Verbot von Payment for Order Flow sollten wir Aufseher die Auswirkungen umfassend analysieren und über weniger restriktive regulatorische Maßnahmen nachdenken“, fordert Thorsten Pötzsch, Exekutivdirektor Wertpapieraufsicht der BaFin.

Die BaFin sehe Risiken, die mit Payment for Order Flow einhergehen - aber auch die Vorteile – zum Beispiel die Reduktion der Transaktionskosten. Der Worst Case, dass ein übereiltes Verbot nur den Handel für Privatkunden verteuere, ansonsten aber nichts bewirke, müsse schon aus Verbraucherschutzgründen ausgeschlossen werden, machte Pötzsch deutlich.

Vor einem Verbot von Payment for Order Flow sollten wir Aufseher die Auswirkungen umfassend analysieren und über weniger restriktive regulatorische Maßnahmen nachdenken.

Thorsten Pötzsch, Exekutivdirektor Wertpapieraufsicht der BaFin

Anderer europäischer Aufsichtsbehörden waren in ihren Studien zu ausländischen Aktien zu dem Schluss gekommen, dass die Ausführung von Wertpapieraufträgen bei denen das Gebührenmodell zu Einsatz kommt, für Privatkunden überwiegend nachteilig ist.

Anders als sie hat die BaFin – entsprechend dem MiFID-II-Maßstab des Gesamtentgeltes – in ihrer Studie aber auch handelsplatzbezogene Transaktionsentgelte berücksichtigt. Durch den Fokus auf deutsche Aktien decke die Studie der BaFin mit knapp 30 Prozent der Transaktionen zudem einen größeren Teil des Aktienhandels an den betrachteten ´PFOF-Handelsplätzen“ ab, als die Studien anderer europäischer Aufsichtsbehörden, so die Behörde.

Die differenzierte Haltung der deutschen Aufseher passt zum derzeitigen Tenor aus Berlin: Ein pauschales Nein zu dem Gebührenmodell lehnt man dort ab.

Signale aus Berlin stützen Geschäftsmodell der Zerobroker

Im Gespräch mit FinanzBusiness betonte Florian Toncar, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium vor Kurzem das Finanzministerium sei davon überzeugt, dass das Bezahlmodell große Chancen mit sich bringt und den Wettbewerb enorm belebt hat. ”Ein pauschales Verbot des Payment-for-Orderflow hielte ich für einen ganz fatalen Fehler”, sagte Toncar.

Ein Verbot würde Europas Entwicklung im Bereich Fintechs und Kapitalmärkte deutlich zurückwerfen. ”Wenn wir in Europa trotzdem eine Diskussion über Vergütungen für Handelsplätze führen wollen, dann bitte aber auch über die Rabatte, die große Handelsteilnehmer von den Börsen bekommen. Wenn wir das Fass aufmachen, dann machen wir es ganz auf”, sagte Toncar.

”Ein pauschales Verbot des Payment-for-Orderflow hielte ich für einen ganz fatalen Fehler”, sagt Florian Toncar

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