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"Die realisierten Renditen beim Crowdinvesting sind vermutlich nicht hoch genug, um die Ausfälle zu decken", sagt Lars Hornuf

Die Neobank Tomorrow hat mit ihrer jüngsten Crowdinvesting-Kampagne für Aufsehen gesorgt - vor allem wegen technischer Probleme. Der in Bremen lehrende Professor sagt FinanzBusiness aber: Das ist das geringste Problem an dieser Finanzierungsform.

Lars Hornuf, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt auf Finanzdienstleistungen und Finanztechnologie an der Universität Bremen. | Foto: Lars Hornuf

Crowdinvesting als Finanzierungs- und Investmentinstrument gibt es bereits seit 2011. "Die Entwicklung von Crowdinvesting verlief seit 2011 vor allem im Bereich der Start-up-Finanzierungen schleppend. Erst später kamen dann immer mehr Immobilien-Crowdinvestings auf Projektbasis hinzu", sagt Lars Hornuf, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt auf Finanzdienstleistungen und Finanztechnologie an der Universität Bremen, im Gespräch mit FinanzBusiness.

Hornuf hat zum Thema Crowdinvesting geforscht und publiziert. In einer Studie von 2016 kam er zu dem Ergebnis, dass Investoren bei gleichmäßiger und vollständiger Diversifizierung über alle Crowdinvesting-Projekte hinweg eine Rendite von minus 23,2 Prozent bis Ende 2015 erzielten. Dabei war fraglich, ob die meisten Start-ups überhaupt einen Exit machen, zu dem die Investoren ihre Anteile dann verkaufen konnten - der Gewinn muss ja auch realisiert werden.

Relativ zu den Ausfällen sind die realisierten Renditen vor allem im Start-up-Bereich vermutlich nicht hoch genug, um die Ausfälle zu decken.

Lars Hornuf, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bremen

"Relativ zu den Ausfällen sind die realisierten Renditen vor allem im Start-up-Bereich vermutlich nicht hoch genug, um die Ausfälle zu decken", sagt Hornuf. Er stelle sich die Frage, ob mit den aktuellen Finanzierungsverträgen überhaupt eine marktübliche Rendite erzielt werden kann. "Ich bezweifle, dass die Renditen beim Crowdinvesting auf risikoadjustierter Ebene so hoch sind, dass sie mit einem Marktportfolio am Aktienmarkt mithalten können", sagt Hornuf.

Ich bezweifle, dass die Renditen beim Crowdinvesting auf risikoadjustierter Ebene so hoch sind, dass sie mit einem Marktportfolio am Aktienmarkt mithalten können.

Lars Hornuf, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bremen

Asymmetrische Renditeerwartungen

Die Hamburger Neobank Tomorrow hat jüngst über diese Finanzierungsform acht Mio. Euro von mehr als 6000 Investoren eingesammelt, bei einer Unternehmensbewertung von 70 Mio. Euro.

6413 Menschen holen sich ein Stück von Tomorrow

Ein Blick in das Informationsblatt zur Kampagne zeigt, dass Tomorrow jeweils im "optimistischen" und "mittleren" Szenario und im Falle einer Haltedauer von fünf Jahren nach Abzug der Kosten eine jährliche Rendite in Höhe von 4,56 Prozent verspricht.

Im pessimistischen und Stressszenario - in beiden Fällen wird Insolvenz angenommen, im pessimistischen Fall allerdings mit Teiltilgung aus der Insolvenzmasse - droht hingegen eine Rendite von minus 16,74 Prozent beziehungsweise der Totalverlust.

Zudem wird die Höhe des Risikos deutlich: Auf einer Skala von "1" (niedriges Risiko) bis "7" (hohes Risiko) ist Tomorrow mit einer "6" bewertet - da drängt sich die Frage auf, welches Risiko dann eine "7" darstellt. "Vielleicht der direkte Kauf aus einer Insolvenz heraus", mutmaßt Hornuf.

Nicht nur finanzielle Motive dahinter

Doch den Anlegern des Crowdinvestings geht es nach Einschätzung Hornufs meist auch um andere Motive neben dem finanziellen. "Manche möchten auch einfach etwas Gutes tun, soziale und nachhaltige Projekte unterstützen, oder einfach nur unterhalten werden", sagt der Professor.

Das Venture-Capital-Modell funktioniert bei Crowdinvesting bislang nicht. Dafür muss eine extremere Beteiligung am Upside-Potenzial in den Verträgen festgeschrieben werden.

Lars Hornuf

Insgesamt hat sich die Vision, dass Crowdinvestings den Markt für Start-up-Finanzierungen grundlegend revolutionieren, bislang nicht verwirklicht. "Wenn es einen eindeutigen Überflieger gibt, sind auch Banken und Angel-Investoren mit einer Finanzierung zur Stelle. Das Venture-Capital-Modell funktioniert bei CI bislang nicht. Dafür muss eine extremere Beteiligung am Upside-Potenzial in den Verträgen festgeschrieben werden", erklärt Hornuf.

Dafür müssten sich Investoren wahrscheinlich am klassischen Eigenkapital des Unternehmens beteiligen, am besten über Aktien - die Aktiengesellschaft ist jedoch häufig zu teuer für Start-ups, merkt er an. Für junge und private Unternehmen böten sich auch GmbH-Anteile an, diese sind allerdings nicht fungibel und müssen über einen Notar übertragen werden, was mit Kosten und Zeitaufwand verbunden ist.

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