FinanzBusiness

Tomorrow setzt wieder auf die Crowd

Die nachhaltige Neobank gibt Kleinanlegern erneut die Chance, sich an dem Fintech zu beteiligen. Allerdings ist das Investment nicht ohne Risiko. Ein möglicher Börsengang liegt, wie Geschäftsführer Michael Schweikart im Gespräch mit FinanzBusiness berichtet, zudem noch in weiter Ferne.

Michael Schweikart, Co-Founder von Tomorrow. | Foto: Tomorrow Bank

Um 12 Uhr wird die "Task Force Crowdfunding" ins Schwitzen kommen. Dann startet die Hamburger Tomorrow Bank ihre Finanzierungskampagne, bei der sich jeder Ottonormalverbraucher an dem Fintech beteiligen kann.

"Wir sind auf jeden Fall besser vorbereitet als beim letzten Mal: Damals sind unsere Server unter dem großen Ansturm zusammengebrochen. Die Warteliste ist diesmal auch noch deutlich länger, als bei der ersten Crowdinvesting-Kampagne", berichtet Geschäftsführer Michael Schweikart im Gespräch mit FinanzBusiness. Rund 5 Mio. Euro will man diesmal einsammeln. Dabei müssen mindestens 100 Euro und können maximal 25.000 Euro investiert werden.

Die Warteliste ist diesmal auch noch deutlich länger, als bei der ersten Crowdinvesting-Kampagne

Michael Schweikart, Co-Founder von Tomorrow

Vor ziemlich genau einem Jahr hatten die Hamburger die Crowd schon einmal um Geld gebeten - und sammelten in nur fünf Stunden 3 Mio. Euro von knapp 2000 Menschen ein.

Tomorrow Bank sammelt im Crowdinvesting drei Millionen Euro binnen fünf Stunden ein 

Seitdem hat das Fintech allerdings auch noch weitere 14 Mio. Euro von Wagniskapitalgebern bekommen, bei einer Bewertung von 70 Mio. Euro - und das obwohl Nutzer- und Transaktionszahlen nicht so rasant steigen wie bei der Konkurrenz von N26 oder Vivid Money und auch die im vergangenen Jahr angekündigte europäische Expansion noch auf sich warten lässt.

Neobank Tomorrow sammelt 14 Millionen Euro von Wagniskapital-Investoren ein 

Warum dann überhaupt die Crowd anzapfen, wenn man doch auch anderweitig an frisches Geld kommt?

"Das Crowdinvesting sehen wir als Ergänzung unserer Finanzierung und machen das vor allem, weil wir nach der ersten Kampagne immer wieder darauf angesprochen worden sind, ob es für die Community noch einmal eine solche Möglichkeit geben wird", erklärt Schweikart im Gespräch. Die Kampagne läuft - wie auch schon beim ersten Mal - über die Investmentplattform Wiwin.

Ein Stück vom Fintech-Glück

"Ein Teil von Tomorrow kann bald dir gehören", so das Versprechen der Neobank. Dafür sind die Gründer - wie schon vor einem Jahr - bereit, fünf Prozent der Anteile an Tomorrow abzugeben. Insgesamt werden dann also zehn Prozent der Crowd gehören, 49 Prozent sind jetzt im Besitz diverser Investoren, der Rest liegt bei den Gründern (37 Prozent) und Mitarbeitenden (sieben Prozent).

Tomorrow-Anteilseigner laut Crowdinvesting-Broschüre | Foto: Tomorrow Bank
Tomorrow-Anteilseigner laut Crowdinvesting-Broschüre | Foto: Tomorrow Bank
Allerdings bekommen die Crowdinvestoren dafür kein gesellschaftrechtliches Mitspracherecht, wie es etwa Aktionäre hätten. Tomorrow hat es also mit äußerst stillen Investoren zu tun, die einem nicht ins Geschäft rein reden. "Was die Stimmrechte angeht, werden wir durch die Crowd-Investoren weniger verwässert", gibt Schweikart zu. "Finanziell gesehen, geben wir aber genauso viel ab, wie beim Einstieg von Wagniskapitalgebern."

Was die Stimmrechte angeht, werden wir durch die Crowd-Investoren weniger verwässert. Finanziell gesehen, geben wir aber genauso viel ab, wie beim Einstieg von Wagniskapitalgebern.

Michael Schweikart, Co-Founder von Tomorrow

Die Neobank verspricht den Crowdinvestoren zudem eine stattliche Verzinsung von fünf Prozent - bei allerdings vollem hohem Risiko.

Denn das üppige Zinsversprechen ist an ein paar Bedingungen geknüpft: So ist das Investment ist über die gesamte Laufzeit gebunden und es gibt keine Garantie, dass die Rendite tatsächlich ausgezahlt wird. Geht der Emittent pleite, ist das Geld weg. Tomorrow selbst weist in seiner "Broschüre" zum Crowd-Investment bereits darauf hin, dass sich das Produkt daher weder zum schnellen Traden, noch als Altersvorsorge eignet.

Riskantes Investment

"Wir wollen hier sehr transparent sein und weisen ganz explizit daraufhin, dass es sich um Risikokapital handelt", sagt Schweikart dazu. "Im Vorfeld haben wir in drei Meet-ups, an denen jeder aus der Community teilnehmen konnte, genau erklärt, wie der digitale Genussschein konzipiert ist. Leider gibt es ja noch keine digitalen Aktien in Deutschland - mit diesem digitalen Genussschein haben wir uns aber ganz bewusst auch für einen flexiblen und innovativen Weg der Finanzierung entschieden", so der Tomorrow-Geschäftsführer.

Konkrete Pläne für einen Börsengang in naher Zukunft liegen derzeit nicht in der Schublade

Michael Schweikart, Co-Founder von Tomorrow

Geld bekommen die Crowdinvestoren bei einem Exit, also etwa beim Börsengang. Der liegt bei Tomorrow aber wohl noch in weiter Ferne. "Konkrete Pläne für einen Börsengang in naher Zukunft liegen derzeit nicht in der Schublade - wir konzentrieren uns auf uns selbst und arbeiten mit Hochdruck daran, profitabel zu werden."

Aufbau des Investmentprodukts

Das Geld soll jetzt vor allem die Produktentwicklung fließen, so ist das bereits Ende 2019 angekündigte Investmentprodukt nun auf der Zielgraden - auch wenn es immer noch an einem konkreten Launch-Termin fehlt.

Bislang bietet Tomorrow, die streng genommen keine Bank ist, vor allem Girokonten und eine Visakarte mit nachhaltigem Anspruch an. Banklizenz und die Kernbankensysteme kommen dabei vom Partner Solarisbank. "Investment soll die zweite Säule der Tomorrow Bank werden, dazu werden wir in Kürze unseren eigenen Tomorrow Fonds auflegen", erklärt Schweikart.

Der soll auch "grüner" sein als bei der Konkurrenz. "Als wir gestartet sind, gab es rund 350 nachhaltige Fonds, heute sind es schon rund 700 - aber die meisten davon sind nur dem Papier nach nachhaltig. Viele Konkurrenten agieren hier mit einem "Best-in-Class-Ansatz". Wir legen mehr als 100 Kriterien an, die Unternehmen, in die der Fonds investiert, erfüllen müssen. 43 davon sind harte Ausschlusskriterien."

Tomorrow wurde 2018 von Jakob Berndt, Inas Nureldin und Michael Schweikart gegründet und beschäftigt mittlerweile rund 90 Angestellte. Laut Angaben der Crowd-Investment-Broschüre lag das Transaktionsvolumen zuletzt bei 599,1 Mio. Euro. Die Neobank hat demnach derzeit rund 92.000 Kunden und verwaltet Kundeneinlagen von 243,2 Mio. Euro.

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