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Wirecard kündigt 730 Angestellten und den Vorständen

Der insolvente Zahlungsdienstleister kündigt dem Großteil seiner Mitarbeiter. 570 Beschäftigte behalten aber vorerst ihren Arbeitsplatz.

Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress

Der Insolvenzverwalter der Wirecard AG, Michael Jaffé, hat auf Basis des am Dienstag (25. August) eröffneten Insolvenzverfahrens bekannt gegeben, dass 730 Angestellten gekündigt wird. Auch die Vorstände des Unternehmens werden nicht weiter beschäftigt.

Nach Insolvenzanmeldung waren noch Susanne Steidel und Alexander von Knoop im Board. Ex-CEO Markus Braun sitzt in Haft, Asien-Vorstand Jan Marsalek befindet sich auf der Flucht. Gegen vier andere Manager wird unter anderem wegen Betrugs ermittelt.

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Mitarbeiter der Wirecard Bank AG nicht betroffen

570 Mitarbeiter behalten vorerst ihre Jobs, davon 350 in den insolventen Gesellschaften der AG, sowie rund 220 in der nicht insolventen Wirecard Bank AG.

Mit den üblichen Restrukturierungs- und Kostenanpassungsmaßnahmen ist es daher nicht getan, denn eine so massive Verlustsituation ist im eröffneten Insolvenzverfahren unter Vollkosten nicht darstellbar.

Insolvenzverwalter der Wirecard AG Michael Jaffé

"Die wirtschaftliche Lage der Wirecard AG war und ist angesichts der fehlenden Liquidität und der bekannten skandalösen Begleitumstände äußerst schwierig. Mit den üblichen Restrukturierungs- und Kostenanpassungsmaßnahmen ist es daher nicht getan, denn eine so massive Verlustsituation ist im eröffneten Insolvenzverfahren unter Vollkosten nicht darstellbar", sagte Insolvenzverwalter Jaffé in einer Mitteilung.

Restrukturierung des Konzerns

Als Grund für die Kündigungswelle heißt es in der Mitteilung: "Die Cash-Burn-Rate bei Insolvenzantragstellung war enorm, so dass dringender Handlungsbedarf besteht. Das Unternehmen hatte Ressourcen für ein nur vermeintliches Wachstum aufgebaut und mit dem Erwerb zahlreicher Gesellschaften, deren Integration nicht oder nur schleppend betrieben wurde, erhebliche Überkapazitäten geschaffen."

Diese Faktoren führten zu hohen Verlusten und zu einem erheblichen Missverhältnis zwischen den vorhandenen und den tatsächlich benötigten Ressourcen im Konzern.

Acquiring- und Issuing-Geschäft soll erhalten werden

Mit den beschlossenen Restrukturierungen wolle man versuchen, die Verwertung des Kerngeschäfts der Wirecard AG, also das Acquiring- und Issuing-Geschäft, aufrecht zu erhalten. Immobilienmiet- und Leasingverträge würden jedoch gekündigt.

Kevin Voss von der Gewerkschaft Verdi sagte, etwa 600 bis 700 der 1500 am Stammsitz Aschheim bei München beschäftigten Mitarbeiter habe am Montagabend die Mail erreicht, nach der sie unwiderruflich freigestellt wurden. "Ich habe so ein Verhalten von Arbeitgebern nur sehr selten erlebt. Bei allem, was passiert ist - es ist absolut daneben, wie hier mit Menschen umgegangen wird", sagte er.

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Am Dienstag hatte das Amtsgericht München das Insolvenzverfahren gegen die Wirecard AG sowie sechs ihrer Konzerntöchter eröffnet. Gläubiger können Forderungen hierzu nun auch zur Insolvenztabelle anmelden. Eine erste Gläubigerversammlung ist für den 18. November in München terminiert.

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