FinanzBusiness

Österreichs EZB-Ratsmitglied Holzmann für großen Zinsschritt um 0,5 Prozentpunkte

Er steht damit im Widerspruch zu Aussagen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde, die zuvor eher kleine Zinsschritte um 0,25 Prozentpunkte signalisiert hatte. Er sieht einen größeren Zinssprung als nötiges starkes Signal.

Robert Holzmann. | Foto: picture alliance / ROLAND SCHLAGER / APA / picturedesk.com | ROLAND SCHLAGER

Das österreichische Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), Robert Holzmann, hat sich in der allgemein erwarteten Zinswende im Juli für einen großen Zinsschritt um 0,5 Prozentpunkte ausgesprochen. Holzmann widersprach damit Aussagen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde, die zuvor eher kleine Zinsschritte um 0,25 Prozentpunkte signalisiert hatte. Eine Zinserhöhung um 0,50 Punkte im Juli wäre ”angemessen”, sagte Holzmann, der auch Gouverneur der Notenbank von Österreich ist, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

EZB beendet Negativzinsen eventuell bis Ende September

EZB-Präsidentin Lagarde hatte am Montag in einem Beitrag auf der Internetseite der Notenbank trotz der hohen Inflation eine eher vorsichtige Zinswende in Aussicht gestellt. ”Ausgehend von den derzeitigen Aussichten werden wir wahrscheinlich in der Lage sein, die negativen Zinssätze bis zum Ende des dritten Quartals zu beenden”, hieß es in dem Beitrag. Am Markt wurde die Aussagen als Hinweis auf kleine Zinsschritte gedeutet.

Alles andere würde Gefahr laufen, als schwach wahrgenommen zu werden.

Robert Holzmann, österreichisches Ratsmitglied der EZB


Holzmann, der zu den Verfechtern einer eher strafferen Geldpolitik zählt, sagte hingegen: ”Ein größerer Zinsschritt zu Beginn unseres Zinserhöhungszyklus wäre sinnvoll.” Er würde den Märkten signalisieren, ”dass wir die Notwendigkeit zum Handeln erkannt haben”. Holzmann sagte weiter: ”Alles andere würde Gefahr laufen, als schwach wahrgenommen zu werden.”

”Ich schätze es, dass sie sich zu Wort meldet und erkennt, dass die Zeit für eine Anhebung gekommen ist, aber ich hätte mir eine klare Kommunikation darüber gewünscht, wie wir zu neutralen Zinssätzen kommen”, kommentierte Holzmann die Aussagen von Lagarde.

Zuvor andere Aussagen von Francois Villeroy de Gallhau

Anders als Holzmann äußerte sich Francois Villeroy de Gallhau, der Präsident der französischen Notenbank. Eine Erhöhung um 0,5 Punkte sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht Konsens im EZB-Rat, sagte Villeroy de Gallhau auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos dem Nachrichtensender Bloomberg TV. Die Zinsanhebungen würden graduell ausfallen. Das spricht für Schritte um 0,25 Punkte.

Die US-Notenbank Fed hat ihren Leitzins schon zweimal angehoben, zuletzt um 0,5 Punkte. Auch andere Zentralbanken wie die Bank of Canada, die Notenbank Neuseelands und die Bank of England haben ihre Leitzinsen zuletzt deutlich angehoben.

Mehr von FinanzBusiness

Digitalisierung sorgt für neue Verbündete

Auf der Handelsblatt-Tagung „Zukunft Retail Banking 2022“ berichten Marion Höllinger, Philipp Gossow und Thomas Schauffler über ihren Blick auf das Filialgeschäft. An das Ende der Bankfiliale glauben sie nicht, aber an eine Weiterentwicklung.

Unicredit prüft den Ausstieg aus Russland

Die italienische Großbank will ihre russische Tochtergesellschaft dem Vernehmen nach verkaufen - hält sich aber auch eine Rückkauf-Option offen, für den Fall, dass sich die Lage in Russland wieder stabilisiert.

Genossen bringen Wallet auf den Weg

Die genossenschaftlichen Banken wollen ihrer Kundschaft den Handel mit und das Verwahren von Krypto-Assets grundsätzlich ermöglichen, dies hat der Verband entschieden. Der IT-Dienstleister Atruvia und die DZ Bank arbeiten an einem entsprechenden Produkt. Es soll im nächsten Jahr auf den Markt kommen.

Lesen Sie auch

Mehr dazu

Neueste Nachrichten