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Bundesbank-Vorständin sieht Schlüsselrolle der Banken bei der Energiewende

Im Interview mit dem Handelsblatt erläutert Sabine Mauderer, wie sich die Bundesbank den Einsatz der Banken für die Transformation der Wirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit vorstellt. Auch bei der Finanzierung der Energiewende komme ihnen eine Schlüsselrolle zu

Sabine Mauderer | Foto: Deutsche Bundesbank

Aus Sicht von Bundesbank-Vorständin Sabine Mauderer verschärft der Krieg in der Ukraine noch die Notwendigkeit zur Energiewende. ”Energiesicherheit und Transformation sind für mich zwei Seiten einer Medaille. Die heutige Krise – mit der hohen Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen aus Russland – zeigt mehr denn je: Wir müssen umsteuern hin zu einer nachhaltigen Energiegewinnung”, sagt sie in einem Interview mit dem ”Handelsblatt”.

Die heutige Krise – mit der hohen Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen aus Russland – zeigt mehr denn je: Wir müssen umsteuern hin zu einer nachhaltigen Energiegewinnung.

Sabine Mauderer, Vorständin bei der Bundesbank

Sie rechnet damit, dass in der Europäischen Union (EU) bis 2030 zusätzliche Investitionen von 350 Mrd. Euro pro Jahr gebraucht werden, um den Umbau des Energiesystems zu finanzieren.

Bei der Finanzierung des Umbaus sieht sie Banken, den Kapitalmarkt, Pensionskassen, Versicherer sowie Philanthropen in der Pflicht. ”Der Finanzsektor muss die notwendigen Finanzmittel für die grüne Transformation mobilisieren. Wir beobachten, dass die Nachfrage nach entsprechend ausgerichteten Anlagen das Angebot bei Weitem übersteigt”, sagt sie im Interview mit der Zeitung.

Es geht auch darum, den heute karbonintensiven Unternehmen die Mittel für einen schrittweisen Übergang bereitzustellen.

Sabine Mauderer, Vorständin bei der Bundesbank

Bei der Unterstützung der Transformation in der Wirtschaft hin zu klimaneutraleren Strukturen gehe es aber nicht nur darum, das zu finanzieren, was ohnehin schon ESG-Kriterien genügt. ”Es geht auch darum, den heute karbonintensiven Unternehmen die Mittel für einen schrittweisen Übergang bereitzustellen”, sagte Mauderer.

Um Investoren Sicherheit zu geben, braucht es erstens: eine klare Definition nachhaltiger Aktivitäten, zweitens gute Daten. ”Und die erhält man durch international harmonisierte Offenlegungsanforderungen”, wie Mauderer betont. Und drittens Produktstandards, ”die von qualifizierten und unabhängigen Stellen überprüft werden können”, sagte sie. ”Damit stellen wir sicher, dass als nachhaltig bezeichnete Finanzprodukte tatsächlich einen positiven Beitrag zur Transformation leisten.”

Ein gutes Beispiel dafür seien die sogenannten Sustainability-linked Bonds (SLBs), bei denen die Finanzierungskonditionen an bestimmte Ziele gekoppelt sind. Werden die verfehlt, wird es für die Schuldner teurer. ”So schafft man die richtigen Anreize”, meint Mauderer.

Berlin Hyp emittiert als erste Bank weltweit einen Sustainability-Linked-Bond

Die Bundesbank selbst mache keine Klimapolitik, betont die Vorständin, berücksichtige das Thema aber bei der Aufsicht über die Risiken in den Bankbilanzen und mit Blick auf die Finanzstabilität. Zudem habe man eigene nicht-geldpolitische Portfolios, etwa für Pensionsverpflichtungen, bei denen Klimarisiken verstärkt berücksichtigt würden.

Diskussionen um Ankaufsprogramme

Bei den Anleihekäufen spielten Staatsanleihen mit 80 bis 95 Prozent die Hauptrolle. ”Hier wäre der Appell, die Staatshaushalte nachhaltiger auszurichten”, sagte Mauderer. Für die im Rahmen der Ankaufsprogramme im Euro-System angeschafften Unternehmensanleihen. habe der EZB-Rat im vergangenen Juli beschlossen, Klimarisiken stärker zu berücksichtigen.

Wie das genau aussehen soll? ”Darüber diskutieren wir noch”, gibt die Bundesbank-Vorständin zu. ”Es gab eine ganze Reihe an Beschlüssen, zum Beispiel, dass wir unsere ökonomischen Modelle im Hinblick auf die Klimarisiken ausbauen wollen.” Ein erster Schritt werde sein, den CO2-Fußabdruck der nicht-geldpolitischen Portfolios zu messen und zu veröffentlichen. ”Damit beginnt die Bundesbank in diesem Sommer”, kündigte Mauderer an.

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