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Studie: Banken untergraben eigene Klimaziele

Insbesondere den großen US-Banken fällt es offenbar schwer, ihre Selbstverpflichtungen einzuhalten. Rund 740 Mrd. Dollar fließen laut einer Studie aus den Kassen der 30 größten börsennotierten Finanzkonzerne weiter in fossile Energien.

Schornsteine an der Shell Rheinland Raffinerie in Köln Godorf. | Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Die 30 größten börsennotierten Finanzkonzerne der Welt investieren nach Analyse der britischen Initiative Influencemap nach wie vor immense Summen in Öl, Gas und Kohle. In den Jahren 2020 und 2021 beliefen sich die Gesamtinvestitionen dieser 30 Unternehmen in fossile Energieprojekte und Dienstleistungen für die Energiebranche auf 740 Mrd. Dollar, wie Influencemap mitteilte.

Dazu gehört beispielsweise die Erschließung neuer Ölquellen und Gasfelder. Darüber hinaus halten die Vermögensverwaltungsgesellschaften der Finanzbranche laut Influencemap Anteile von gut 222 Mrd. Dollar an Energieunternehmen.

Hauptquelle der Studie sind die Veröffentlichungen der Unternehmen selbst und öffentlich verfügbare Informationen für den Kapitalmarkt und die Finanzaufsicht. Unter den Top 30 der globalen Finanzunternehmen sind zwei deutsche Unternehmen - die Allianz auf Platz 9 und die Deutsche Bank auf Platz 23.

Angeführt wird die Liste von den US-Firmen J.P. Morgan, Bank of America und Wells Fargo. Kriterien der Reihenfolge waren unter anderem Umsätze, Nettogewinne, Börsenwert und verwaltetes Vermögen. Nicht untersucht wurden mangels Transparenz staatliche Finanzkonzerne wie große chinesischen Banken.

Vor allem US-Banken in der Kritik

Von den 740 Mrd. Dollar Krediten und anderen Geldern erhielten demnach 145 Mrd. fünf große Öl- und Gaskonzerne in den USA und Europa: Exxon Mobil, Shell, Chevron, BP und Total.

Die Initiative wirft der Finanzbranche vor, mit ihren Investitionen gegen die zum großen Teil selbst erklärten Klimaziele zu verstoßen. Eine Hauptzielscheibe dieser Kritik sind US-Banken. Im Gegensatz dazu heben die Autoren wegen ihrer ambitionierteren Klimaziele zumindest bedingt positiv die Allianz hervor, gemeinsam mit den französischen Konzernen Axa und BNP Paribas.

”Diese globalen Finanzinstitutionen haben erheblichen wirtschaftlichen und politischen Einfluss, und sie verzögern Maßnahmen, die für die Bewältigung der Klimakrise unerlässlich sind”, sagt Eden Coates, die Autorin des Berichts.”Wenn sie es ernst meinen, ihre Netto-Null-Ziele zu erreichen, sollten sie konkrete und umsetzbare kurzfristige Ziele für alle Aspekte ihrer Geschäftstätigkeit festlegen.”

Dabei haben sich viele Banken zu einem ”Netto-Null”-Ziel bis 2050 verpflichtet, und mehrere haben versprochen, ihre direkten Treibhausgasemissionen sowie die ihrer Kunden zu reduzieren, um den Anstieg der globalen Temperaturen gegenüber dem vorindustriellen Niveau auf unter 1,5 Grad Celsius zu beschränken.

Influencemap ist ein spendenfinanziertes Londoner Institut, das die Investitionen des Finanzsektors in fossile Energien beobachtet und analysiert.

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