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LBBW-Chef warnt vor weiter hochschießender Inflation

Rainer Neske glaubt nicht, dass sich das Zinsumfeld in Europa auf absehbare Zeit verändern wird. Die Inflation sei dabei "sehr viel gefährlicher, als wir wahrscheinlich im Moment denken", so der Landesbank-Chef. 

LBBW-Chef Rainer Neske | Foto: LBBW

LBBW-Chef Rainer Neske warnt vor einer gefährlichen Preis-Spirale in Deutschland, die die Inflation noch weiter in die Höhe treiben würde. "Es ist akzeptiert, dass man deutlich höhere Lohnabschlüsse braucht, weil die Preise, nicht nur in der Energie, auch in der Miete, auch im täglichen Leben deutlich angezogen haben", sagte Neske am Mittwochabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW).

Dies sei in den Branchen zu sehen, die derzeit in Verhandlungen stünden. Es sei eine große Gefahr, dass dieser Kreislauf anfängt zu laufen. "Wenn er einmal läuft, dann ist er sehr schwer zu bändigen," sagte Neske.

Es ist akzeptiert, dass man deutlich höhere Lohnabschlüsse braucht, weil die Preise, nicht nur in der Energie, auch in der Miete, auch im täglichen Leben deutlich angezogen haben.

Rainer Neske, Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)

Der Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) glaubt zwar nicht, dass die Inflation durch die Decke gehen wird. "Aber es wird sehr viel gefährlicher, als wir wahrscheinlich im Moment denken", schätzt er.

Die Inflationsrate in Deutschland war zuletzt auf 4,1 Prozent hochgeschnellt - das höchste Niveau seit 1993. Für den Oktober wird eine Rate von 4,4 Prozent erwartet. Das Statistische Bundesamt will dazu noch an diesem Donnerstag eine erste Schätzung veröffentlichen.

Wir werden kein großartig verändertes Zinsumfeld auf absehbare Zeit in Europa haben.

Rainer Neske, Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)

Angesichts der hochschießenden Teuerung richtet Neske den Blick auf die Währungshüter. "Wir können nur appellieren, dass die Notenbanken weltweit, in diesem Dilemma, in dem sie jetzt sind, rechtzeitig dämpfend auf diese Entwicklung eingehen."

Er erwarte aber nicht, dass die Zinsen im Euro-Raum deutlich nach oben gehen. "Wir werden kein großartig verändertes Zinsumfeld auf absehbare Zeit in Europa haben." Das sei eine gute Nachricht für diejenigen, die Kredite nachfragen. "Das ist eine supergute Nachricht für Finanzminister, es ist eine sehr schlechte Nachricht für Sparer."

LBBW schielt auf die Berlin Hyp

Neske bestätigte zudem, dass die LBBW an der Berliner Immobilienbank Berlin Hyp interessiert sei. Die LBBW halte das für ein interessantes Geschäft, sagte der LBBW-Chef. "Dieser Prüfprozess läuft jetzt, in dieser Phase sind wir drin, und das gucken wir uns ganz aktiv an."

Die Sparkassen wollen ihren Berliner Immobilienfinanzierer innerhalb des öffentlich-rechtlichen Bankensektors verkaufen - nicht aber an einen privaten Investor. Darüber hinaus verhandelt die LBBW derzeit den Austausch von Geschäftsfeldern mit der Helaba. "Da sind wir in sehr konstruktiven Gesprächen", sagte Neske.

Die beiden Landesbanken wollen angesichts des Kostendrucks und des harten Wettbewerbs Teile des Sparkassengeschäfts bündeln.

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