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Klimatest der EZB könnte an fehlenden Daten scheitern

Weil Kundendaten, die für den Test der EZB erforderlich sind, erst mit einem Jahr Verspätung zur Verfügung stehen werden, fordern die Banken nun, die Ergebnisse nicht zu veröffentlichen.

Kohlekraftwerk in Datteln | Foto: picture alliance / Johannes Gloeckner

Banken warnen davor, dass sie nicht rechtzeitig für die Klima-Stresstests im nächsten Jahr über die benötigten Kundendaten verfügen werden. Das geht aus einer von Bloomberg durchgeführten Umfrage unter 20 europäischen Großbanken hervor.

Im vergangenen Monat forderte die EZB die Banken auf, das Tempo zu erhöhen, mit dem sie Klima- und Umweltrisiken in ihrem Geschäft berücksichtigen. Sie ist besorgt darüber, dass Kreditgeber nicht auf die bevorstehenden Umwälzungen vorbereitet sein könnten, wenn extreme Wetterereignisse immer häufiger auftreten und Kohlenstoffemissionen immer teurer werden.

Mit Hilfe des Klima-Stresstests und einer grünen Vermögensquote sollen Banken deshalb belegen, dass sie während des Übergangs zu Green Finance zahlungsfähig bleiben. Bei den Vermögensverwaltern soll die Verordnung über die Offenlegung nachhaltiger Finanzen Greenwashing verhindern.

Daten erst 2023 vorhanden

Laut der Umfrage der Nachrichtenagentur wird die Branche aber kaum in der Lage sein wird, sich bis 2022 auf die neuen Anforderungen einzustellen, vor allem weil ein Großteil der für die Tests erforderlichen Kundendaten erst ein Jahr später zur Verfügung stehen wird. Daher fordern die Banken nun, dass die Ergebnisse nicht öffentlich gemacht werden.

Jo Lock, Finanztrainerin bei Fitch Ratings in London, berichtet vom steigenden Druck der Aufsichtsbehörden. Sie geht davon aus, dass "die Dinge mit einer Art Aufschlag oder Puffer oder einer nominalen Belastung des Kapitals beginnen", so Lock zu Bloomberg.

Dann könnten diese Belastungen an Aktionäre und Kunden weitergegeben werden, indem die Banken möglicherweise die Dividenden kürzen und höhere Gebühren von Kreditnehmer erheben, deren Klimarisiko zusätzliche Kapitalanforderungen auslösen. Auch die Finanzierungskosten der Banken könnten steigen.

Die EZB hat bereits deutlich gemacht, dass sie mit den bisherigen Fortschritten nicht zufrieden ist. Präsidentin Christine Lagarde sagte im Juli, eine "deutliche Mehrheit" der von der EZB beaufsichtigten Banken werde den Erwartungen nicht gerecht. Laut einer EZB-Umfrage entsprechen sogar in der Selbsteinschätzung der Banken 90  Prozent ihrer Klimaberichterstattung nicht voll den Erwartungen der Aufsicht.

Europäische Zentralbank erhöht Druck auf Banken wegen Klima-Stresstest 

Dass die Behörden nicht zimperlich mit dem Thema umgehen, zeigt das Beispiel der DWS.  Die Fondstochter der Deutschen Bank wehrt sich gegen den Vorwurf geschönter Behauptungen im Bereich ESG (Environmental Social Governance). Der Fall wird in Deutschland und in den USA untersucht.

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