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Wie der Trend Nachhaltigkeit dem Stromfresser Bitcoin schaden kann

Kryptowährungen steuern auf ein Imageproblem zu. Nicht nur, dass bei Erpressungen häufig die Zahlung in Form von Bitcoin & Co. gefordert wird. Der Stromverbrauch beim Schürfen ist riesig - das widerspricht den ESG-Zielen vieler Investoren.

Symbolbild | Foto: picture alliance / STRF/STAR MAX/IPx

Klimakiller Bitcoin: Bei der rasanten Talfahrt der Cyberdevise in den vergangenen Wochen standen immer wieder Umweltbedenken im Rampenlicht. Der Trend zur Nachhaltigkeit hat den Kryptosektor mittlerweile Milliarden Dollar  an Bewertung gekostet.

Vor allem das vorläufige Aus für Bitcoin als Zahlungsmittel bei Tesla, das Firmen-Chef und Krypto-Fan Elon Musk mit dem hohen Energieverbrauch beim Entstehen von Bitcoins begründete, setzte bei der dominierenden Kryptowährung eine Abwärtsspirale in Gang. Auch China begründete verschärfte Regeln für Kryptofirmen mit der starken Belastung für das Klima, was die Talfahrt des Bitcoin weiter anheizte. Die könnte Marktbeobachtern zufolge noch länger anhalten.

Das ist meiner Meinung nach eine absolute Kehrtwende für die Akzeptanz von Kryptowährungen.

Timo Emden, Analyst bei Emden Research

Gerade einmal ein Tweet und eine staatliche Erklärung hätten Bitcoin von trendig in schäbig verwandelt, sagt Deutsche Bank-Analystin Marion Laboure. Experten sehen den überraschenden Sinneswandel von Musk mittlerweile als "Game Changer" für die gesamte Branche an. "Das ist meiner Meinung nach eine absolute Kehrtwende für die Akzeptanz von Kryptowährungen", sagt etwa Analyst Timo Emden von Emden Research.

Im Mai fiel die Kryptowährung zeitweise auf 30.000 Dollar und verlor damit mehr als die Hälfte ihres Werts im Vergleich zum Rekordhoch von knapp 65.000 Dollar im April. Aktuell pendelt die Cyber-Devise um die Marke von 33.000 Dollar. Rutsche der Kurs unter die psychologisch wichtige 30.000er Marke, würden weitere Anleger das Handtuch werfen und bei Bitcoin aussteigen, prognostiziert Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi.

Nur sieben Wochen Teslas für Bitcoin

Einen Tesla mit Bitcoin kaufen? Das ging nur sieben Wochen lang, bevor Musk die Reißleine zog. Erst wenn das Schürfen der Währung mit Strom aus nachhaltigen Quellen erfolge, könne Bitcoin als Zahlungsmittel wieder akzeptiert werden, twitterte Musk. Die Umweltbelastung durch den hohen Energiebedarf war indes seit langer Zeit bekannt, wie Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com betont. Warum berief sich Musk bei seiner Kehrtwende also ausgerechnet auf das Klima?

Stromfressender Bitcoin

"Unternehmen verstehen, dass sie nicht nur ihren eigenen ökologischen Fußabdruck managen müssen, sondern auch den ihrer Lieferkette, wenn sie ihren Ruf und ihre Marktanteile bewahren wollen", erläutert Amanda O'Toole, Portfoliomanagerin bei Axa Investment Managers. Wenn selbst Elon Musk Bitcoin wegen des hohen Energieverbrauchs fallenlasse, werde das Folgen haben. "Ich denke, das ist etwas, das wir immer mehr sehen werden."

Um Bitcoin-Transaktionen abzuwickeln, braucht es gigantische Rechenkapazitäten für die Validierung und Verschlüsselung. Hierfür stellen sogenannte "Schürfer" Serverparks zur Verfügung, für deren Nutzung sie in neuen digitalen Münzen entlohnt werden. Die Energie hierfür liefern bislang meist Kraftwerke, in denen fossile Brennstoffe verfeuert werden. Ein Großteil der Bitcoins wurden bislang in China "geschürft", wo oft vergleichsweise billiger Kohle-Strom zum Einsatz kommt.

Katastrophale Folgen für die Umwelt

Die Universität von Surrey warnte unlängst vor den katastrophalen Folgen für die Umwelt durch die damit verbundenen Emissionen. "Während das Potenzial von Bitcoin klar ist, dürfen die Vorteile nicht den Schaden verdecken, den es für unseren Planeten verursachen könnte", konstatiert Professor Yu Xiong. Wenn nicht gegengesteuert werde, könne das sogenannte Bitcoin-Mining Chinas Pläne gefährden, bis 2060 kohlenstoffneutral zu sein. Die chinesische Regierung hat mittlerweile das Vorgehen gegen Kryptowährungen deutlich verschärft.

Das Schmuddel-Image von Bitcoin geht allerdings nicht nur auf die negativen Folgen für das Klima zurück. Die rein virtuelle Währung wird auch gerne bei Erpressungsversuchen gefordert, da der Empfänger hier anonym bleibt. Auch die Zahlung des Lösegeldes in Millionenhöhe an eine Hackergruppe, deren Angriff auf den Pipeline-Betreiber Colonial die Benzin-Versorgung an der US-Ostküste vor kurzem massiv beeinträchtigt hatte, fand in Bitcoin statt. US-Ermittler konnten mittlerweile aber nach eigenen Angaben den größten Teil des Geldes wieder sicherstellen.

Firmen, die bei Bitcoin & Co mitmischen, könnten damit für Anleger gleich doppelt gegen die immer wichtiger werdenden Nachhaltigkeits-Ziele verstoßen, die nicht nur die Umwelt, sondern auch soziale Aspekte und gute Unternehmensführung im Blick haben. Das auf ESG-Ratings spezialisierte Analysehaus Sustainalytics strafte Tesla jedenfalls ab, als der Elektroauto-Pionier im Februar 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoin investierte. Bei den Auto-Emissionen könne Tesla zwar punkten, sagte Sustainalytics-Manager Driss Lembachar. Nach dem Bitcoin-Kauf stufte die Agentur Tesla beim ESG-Rating dennoch wegen des Energieverbrauchs und der Treibhausgas-Emissionen herunter.

Ein völliger Verzicht sei aber auch keine Alternative.

Alain Kunz, Chef für digitale Anlageklassen bei der Bank Cler

Ein völliger Verzicht sei aber auch keine Alternative, sagt Alain Kunz, Chef für digitale Anlageklassen bei der Bank Cler, einer Tochter der Basler Kantonalbank (BKB). Daher sei es wichtiger, die Nutzung Erneuerbarer Energien beim "Schürfen" voranzutreiben. "Bitcoin bietet einen Mehrwert."

In El Salvador wird Bitcoin inzwischen als legales Zahlungsmittel anerkannt. "70 Prozent der Bevölkerung von El Salvador hat keine Bankbeziehung, womit Bitcoin für diese Leute die einzige Chance auf Hoffnung ist", betont Kunz. Auch in Brasilien und Panama gebe es Unterstützung. "Lateinamerikanische Politiker entdecken das Potenzial von Bitcoin als Wachstumstreiber für Wohlstand ihrer Bevölkerung."

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