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Beim Digitalen Euro ist allen die Privatsphäre am wichtigsten

Das ist das übereinstimmende Ergebnis einer EZB-Umfrage unter Privat- und Geschäftsleuten. Die Nutzer haben auch konkrete Vorstellungen zu möglichen Service-Leistungen und technischen Tools.

EZB-Direktor Fabio Panetta | Foto: picture alliance / FOTOGRAMMA | Luigi Mistrulli

Für die diskutierte digitale Variante des Euro legen die Bürger im gemeinsamen Währungsraum großen Wert auf den Schutz ihrer Privatsphäre. Das ist das zentrale Ergebnis einer Umfrage unter Privat- und Geschäftsleuten, die die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch in Frankfurt veröffentlichte.

Demnach ist für 43 Prozent der rund 8200 Befragten der Themenbereich Privatsphäre und Datenschutz am wichtigsten. Es folgen die Aspekte Sicherheit (18 Prozent), die Möglichkeit zur Zahlungsabwicklung im gesamten Währungsraum (11 Prozent), der Kostenfaktor (9 Prozent) und die Möglichkeit zur Offline-Nutzung unabhängig vom Internet (8 Prozent).

Der Datenschutz ist auch für Marktteilnehmer, die mit Zahlungen beruflich zu tun haben, insbesondere Händler und andere Unternehmen, das wichtigste Merkmal eines digitalen Euro.

Wir werden unser Bestes tun, um sicherzustellen, dass ein digitaler Euro die Erwartungen der Bürger erfüllt, die in der öffentlichen Konsultation hervorgehoben wurden.

Fabio Panetta, EZB-Direktor

"Ein digitaler Euro kann nur erfolgreich sein, wenn er den Bedürfnissen der Europäer entspricht", erklärte EZB-Direktor Fabio Panetta. "Wir werden unser Bestes tun, um sicherzustellen, dass ein digitaler Euro die Erwartungen der Bürger erfüllt, die in der öffentlichen Konsultation hervorgehoben wurden."

Wenn es um den digitalen Euro geht, unterstützen die Befragten Anforderungen zur Vermeidung illegaler Aktivitäten. Wert auf vollständige Anonymität legen deutlich weniger Befragte.

Befragte wünschen sich Zusatzleistungen

Mehr als zwei Drittel der Befragten erkennen an, wie wichtig es ist, dass Intermediäre innovative Dienstleistungen anbieten, die den Zugang zu einem digitalen Euro ermöglichen, und geben an, dass dieser in bestehende Bank- und Zahlungssysteme integriert werden sollte. Sie möchten, dass zusätzlich zu den grundlegenden digitalen Euro-Zahlungen weitere Dienstleistungen angeboten werden.

Etwa ein Viertel der Befragten ist der Ansicht, dass ein digitaler Euro grenzüberschreitende Zahlungen schneller und billiger machen sollte. Sie wollen, dass der digitale Euro auch außerhalb des Euroraums genutzt werden kann, wenn auch mit Einschränkungen.

Nutzer schlagen auch technische Mittel vor

Die EZB erhielt viele technische Vorschläge von den Befragten. Laut einem Viertel der Befragten würden Endnutzerlösungen mit (Smart-)Cards oder einem sicheren Element in Smartphones bevorzugt werden, um bargeldähnliche Funktionen zu ermöglichen.

Fast die Hälfte erwähnt die Notwendigkeit von Haltelimits, gestaffelten Vergütungen oder einer Kombination aus beidem, um die Menge der im Umlauf befindlichen digitalen Euro zu steuern. Ein ähnlicher Anteil der professionellen Befragten stimmt dem zu.

Entscheidung kommt Mitte 2021

Die Umfrage der EZB wurde von Mitte Oktober bis Mitte Januar durchgeführt. Sie ist Teil von Überlegungen der Notenbank, eine digitale Variante des Euro einzuführen.

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Hintergrund ist der rasante Aufstieg anderer Digitalwährungen wie Bitcoin oder Ether. Im Gegensatz zu solchen privatwirtschaftlichen Kryptowährungen würde ein digitaler Euro von der EZB herausgegeben. Die Notenbank will Mitte 2021 eine Entscheidung treffen, ob das Vorhaben weiter verfolgt werden soll.

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