FinanzBusiness

Banken setzen angesichts Corona intern und extern auf digitale Kommunikation

Santander hatte im März in Deutschland 220.000 virtuelle Besprechungen. Allgemein gilt: Schutz von Mitarbeitern und Kunden hat in den Banken höchste Priorität

Terminal 1 des Frankfurter Flughafens während der Corona-Krise: Statt Flug- werden mehrheitlich Zugverbindungen auf der Anzeigetafel gezeigt. | Foto: picture-alliance Boris Roessler

(Aktualisiert und ergänzt Anzahl virtueller Besprechungen im zweiten Absatz)

Das Corona-Virus beeinflusst seit Wochen das Privat- und Geschäftsleben. Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf die Mobilität der Menschen, insbesondere auf Dienstreisen? FinanzBusiness hat sich bei in Deutschland tätigen Banken umgehört.
 

Die Santander Consumer AG, eine Tochter der spanischen Banco Santander S.A. hat allein im März eigenen Angaben zufolge in Deutschland knapp 220.000 virtuelle Besprechungen organisiert. Für April erwartet die Bank einen Anstieg auf rund 300.000 Meetings.

Dienstreisen-Anteil sinkt um fast 100%

„Der Anteil an Dienstreisen ist im April um fast 100% zurückgegangen. Nahezu alle Mitarbeiter nutzen – unabhängig von geplanten Dienstreisen oder für die tägliche Arbeit – derzeit Videokonferenzen für Meetings“, erklärt René Hartmann, Leiter Communications bei Santander in Mönchengladbach. Damit sei man den Empfehlungen der Bundesregierung gefolgt und habe die Dienstreisen seit Ende Februar nahezu vollständig gestoppt.

„Der Schutz unserer Mitarbeiter und Kunden hat für uns höchste Priorität“, erklärt Hartmann.

Fokus auf neue Arbeitsweisen und digitale Tools

Generell hätten die Mitarbeiter von Santander bereits in der Vergangenheit verstärkt auf virtuelle Meetings gesetzt, da schon vor dieser Ausnahmesituation ein Fokus auf neue Arbeitsweisen und digitale Tools gelegt worden sei, um mehr Alternativen zu Dienstreisen zu bieten.

So sei im vergangenen Jahr die Initiative New Ways of Working ins Leben gerufen worden. Deren Ziel sei, das Arbeitsumfeld der Mitarbeiter attraktiver zu machen und innovative, flexible Methoden des Arbeitens zu etablieren. Damit hätten sie bisher sehr gute Erfahrungen gesammelt.

Wie sich die Zahl der Dienstreisen nach der Corona-Krise entwickeln werde, dazu wollte der Sprecher keine Prognose abgeben.

Verzicht auf Dienstreisen und externe Events

Sebastian Göb, Pressesprecher bei der ING, erklärt mit Verweis auf die behördlichen Auflagen und Empfehlungen: „Alle Mitarbeiter der ING in Deutschland sind aktuell angehalten, auf Dienstreisen zu verzichten. Das gilt auch für Reisen zwischen den Standorten in Deutschland sowie von und zu den globalen ING Standorten, ebenso wie für externe Events und Meetings.“

Für ING als weltweit aufgestellte Digitalbank seien virtuelle Meetings mit Kunden und Kollegen kein Neuland, sondern seit Jahren geübte Praxis, so der Sprecher weiter.

Einer der wichtigsten Vorteile ist sicherlich die Zeitersparnis, gleichzeitig schonen wir damit natürlich die Umwelt.

Sebastian Göb, Pressesprecher, ING

„Einer der wichtigsten Vorteile ist sicherlich die Zeitersparnis, gleichzeitig schonen wir damit natürlich die Umwelt.“ Insgesamt sei ING auch in der Vor-Corona-Zeit darauf bedacht gewesen, dienstliche Reisen auf das Minimum zu reduzieren, und stattdessen virtuelle Möglichkeiten des Austauschs in Anspruch zu nehmen.

„Nichtsdestotrotz freuen wir uns auch, wenn wir mittelfristig wieder etwas mehr den direkten persönlichen Austausch pflegen können – schrittweise und gemäß behördlicher Empfehlungen versteht sich“, so Göb.

Die HypoVereinsbank (HVB), eine Tochter der italienischen UniCredit, erklärt auf Anfrage: Da Nachhaltigkeit ein zentrales Element unserer Geschäftsstrategie ist, und wir kontinuierlich an der Reduzierung unseres ökologischen Fußabdrucks arbeiten, haben wir unsere Dienstreisen bereits in den letzten Jahren zum Teil durch Telefonkonferenzen und Video-Calls ersetzt.“ Zum Schutz von Mitarbeitern und Kunden hätten sie in der Corona-Krise Dienstreisen komplett eingestellt.

Positive Resonanz wirkt auf Post-Corona-Zeit nach

Parallel dazu seien digitale Lösungen massiv verstärkt worden, um weiterhin die Kunden bedienen zu können. „Wir machen sehr positive Erfahrungen damit, was uns unsere Kunden auch widerspiegeln“, so die Auskunft der HVB. Zum Ausblick hieß es. „Diese positiven Erfahrungen werden sicherlich auch in der Post Corona-Zeit in einen angemessenen Mix von digitalen Angeboten und persönlichem Kontakt mit einfließen.“

CO2-Fußabdruck minimieren

Die SEB AB Frankfurt Branch, die zum Jahresbeginn 2018 ihre wesentlichen Geschäftsaktivitäten von der SEB AG auf eine Zweigniederlassung der Skandinaviska Enskilda Banken AB, Stockholm (SEB AB) übertragen hatte, und in Deutschland Standorte in Frankfurt und München hat, erklärt, dass die meisten Dienstreisen mit den Auto gemacht werden und seit der Corona-Krise keine mehr stattfänden.

„Nur in ganz seltenen business-kritischen Fällen und nur mit Genehmigung sei dies der Fall, erklärt Pamela Hecking, Head of Communications, der SEB AB Frankfurt Branch. Bereits vor der Corona-Krise hätten sie mehr und mehr auf Videokonferenzen und Skype-Meetings gesetzt, „um unseren CO2-Fußabdruck zu minimieren“, sagt Hecking.

Erfahrungen bei der NordLB "insgesamt positiv"

Die Norddeutsche Landesbank Girozentrale (NordLB) hat eigenen Angaben zufolge „sehr schnell auf die Corona-Pandemie reagiert und Besprechungen frühzeitig nur noch als Telefonkonferenzen durchgeführt."

"Die Erfahrungen sind insgesamt positiv", erklärt Mario Gruppe, stellvertretender Pressesprecher, der NordLB in Hannover. Er kann sich durchaus vorstellen, dass durch die gesammelten Erfahrungen künftig verstärkt auf die Möglichkeit einer Telefon- oder Videokonferenz zurückgegriffen werde.

Gleichwohl bleibt der direkte und persönliche Kontakt zu Kunden und Geschäftspartnern aber wichtig

Mario Gruppe, Stellvertretender Pressesprecher, NordLB

„Gleichwohl bleibt der direkte und persönliche Kontakt zu Kunden und Geschäftspartnern aber wichtig“, so Gruppe. Er könne aus Sicht der NordLB nur bedingt durch "virtuelle" Dienstreisen ersetzt werden. Von daher werde es auch künftig den unmittelbaren und persönlichen Austausch geben - und damit auch Dienstreisen. Die Vorteile „virtueller“ Dienstreisen in Form von Telefon- und Videokonferenzen lägen in erster Linie in der Zeit- und Kostenersparnis.

KfW evaluiert im Mai, ob Dienstreiseverbot gelockert wird

Bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erklärte die stellvertretende Pressesprecherin Sybille Bauernfeind: Die gesamten Dienstreisen sind seit Mitte März bis 1. Juni eingestellt.“ Sie seien durch Telkos , Video- und Webkonferenzen ersetzt worden. Es gebe lediglich notbedingte Rückführungen von Mitarbeitern hauptsächlich aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Inwieweit sich die Corona-Krise auf die Anzahl künftiger Dienstreisen auswirken werde, dazu könne sie zum derzeitigen Zeitpunkt keine Prognose abgeben. Im Mai werde geschaut, inwieweit das die Dienstreiseverbot gelockert werden könnte.

Nicht alle Themen lassen sich virtuell klären

Ähnlich sieht es bei der Commerzbank AG aus. Dort sind nach Angaben von Angela Hütter, Corporate Communications - Personal und Technologie, seit März Dienstreisen im In- und Ausland untersagt und es ist offen, wann sich dies wieder ändert. Beim virtuellen Informationsaustausch hätten sie sehr positive Erfahrungen gemacht. „Jedoch leidet die non-verbale Kommunikation, wenn Konferenzen ausschließlich telefonisch stattfinden. Und nicht alle Themen lassen sich virtuell klären“, so Hütter.

Mehr Einsatz digitaler Medien auch nach Corona-Zeit

Zudem habe die aktuelle Situation dazu beigetragen, dass die Belegschaft noch intensiver neue Medien, veränderte Zusammenarbeitsformen und Kommunikationsformate genutzt hätte und diese als selbstverständlicher empfänden.

“Wir erwarten, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch in der Zeit nach Corona mehr mit den digitalen Medien arbeiten. Ob das allerdings zusätzlich erfolgt oder die Anzahl der Dienstreisen nachhaltig reduziert, können wir aktuell nicht vorhersagen“, erklärt Hütter.

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