FinanzBusiness

Zwischen Faxgeräten und Remote-Service: Wo es bei den deutschen Banken im Homeoffice noch hakt

Der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Beratungsgesellschaft Cofinpro erläutert im Gespräch mit FinanzBusiness, wie und warum Banken gestärkt aus der Krise hervorgehen können. Filial- und Personalabbau werden allerdings weiter andauern - sich vielleicht sogar verstärken.

Gerald Prior, Vorstandsvorsitzender von Cofinpro | Foto: Cofinpro

Während bestimmte Branchen, darunter Tourismus und Gastronomie, unter der Corona-Krise massiv leiden, herrscht im Bankengewerbe derzeit alles andere als Stillstand. Gleichwohl stellt sich die Frage, wie sehr die durch das Virus ausgelösten Verwerfungen in der Realwirtschaft auf das Finanzgewerbe durchschlagen.

Für Gerald Prior, den Vorstandsvorsitzenden der Frankfurter Beratungsgruppe Cofinpro AG, gibt es Hinweise, dass die Bankenbranche insgesamt aus der Krise gestärkt hervorgehen könnte.

Funktionierender Shutdown gibt Mut

Laut Prior zeigt die Corona-Krise sowohl positive als auch negative Aspekte auf, aus denen die Branche lernen kann. So wurden Veränderungen beispielsweise in Richtung mehr Beratung auf digitalen Kanälen exogen herbeigeführt. Es zeige sich, dass diese Wege tatsächlich auch funktionieren. "Das gibt Mut", sagt Prior.

In den vergangenen Tagen war bekannt geworden, dass bei den beiden größten deutschen Banken rund 90.000 Mitarbeiter von Zuhause arbeiten. Davon entfallen zwei Drittel auf die Deutsche Bank AG und circa 30.000 auf die Commerzbank AG. Das entspricht laut dem Vorstandsvorsitzenden Martin Zielke 73 Prozent der Belegschaft. Branchenweit wird außerdem zu großen Teilen auf Dienstreisen und externe Events verzichtet.

Krise zeigt Verbesserungsmöglichkeiten auf

Gleichzeitig hat die Krise laut Prior aufgezeigt, wo noch Lücken und Probleme bestehen. Hier sieht er vor allem Beratungsbedarf bei der Automatisierung, dem Ausbau von Remote-Services, der Modernisierung der Kunden-Schnittstelle und der intelligenten Umsetzung von regulatorischen Vorgaben.

"Viele Banken sind digitaler als wir denken, denn Banking ist ein digitales Geschäft", sagt Prior. Doch die Unternehmenskulturen seien immer noch in weiten Teilen sehr veraltet: "Die Nutzung von Faxgeräten ist keine Seltenheit", schmunzelt Prior.

Emotionales Bekenntnis zu klassischen Instituten

Besonders positive Effekte wird die Krise laut Prior auf die etablierten Finanzinstitute haben, diese würden emotional gestärkt: "Kunden merken in der Krise, auf wen sie sich verlassen können und entscheiden sich im Zweifel dann eher für die geschäftliche Beziehung zur 'oldschool' Bank als zum neuartigen Fintech."

Kunden merken in der Krise, auf wen sie sich verlassen können und entscheiden sich im Zweifel dann eher für die geschäftliche Beziehung zur 'oldschool' Bank als zum neuartigen Fintech

Gerald Prior

Prior geht allerdings nicht davon aus, dass der Trend, Personal und Filialen abzubauen, sich umkehrt. Im Gegenteil: "Der Abbau wird sich noch verstärken, da man gesehen hat, dass es auch mit weniger funktioniert."

Der Abbau wird sich noch verstärken, da man gesehen hat, dass es auch mit weniger funktioniert

Gerald Prior

Die Unternehmensberatung Cofinpro wurde 2007 gegründet und hat 185 Mitarbeiter an neun Standorten in Deutschland. Zu ihren Kunden im Projektgeschäft gehören Landesbanken genauso wie Großbanken und große private Institute. Der Beratungsbedarf sei überall zu sehen und werde auch nachgefragt.

Mehr von FinanzBusiness

Betongold und Emotionen: Das schwierige Geschäft von Wertfaktor

Der Teilverkauf von Immobilien ist ein neues Geschäftsmodell und kein einfaches. Darauf reagiert ein Anbieter jetzt mit einem Kundenbeirat. Aber das Geschäft wächst - das Hamburger Startup Wertfaktor konnte eine weitere Volksbank als Partner gewinnen. FinanzBusiness hörte sich um.

Lesen Sie auch

Mehr dazu

Neueste Nachrichten

Finanzjob