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Mark Branson sieht Gefahr für Banken durch schnell steigende Zinsen

Mit Turbulenzen rechnet der neue Chef der BaFin vor allem im Immobilienmarkt, sollte die Zinswende tatsächlich kommen. Zugleich stellt er klar: Die Aufarbeitung in Sachen Wirecard ist für die Behörde längst noch nicht abgeschlossen.

BaFin-Chef Mark Branson | Foto: BaFin / Maurice Kohl

Mark Branson, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat vor möglichen Folgen schnell steigender Zinsen gewarnt. Die derzeit niedrigen Zinsen gefährdeten Geschäftsmodelle von Finanzinstituten, sagte Branson in einem Interview mit der "Zeit".

Gleichzeitig gibt es ein anderes Szenario, das auch gefährlich sein kann: dass die Zinsen schnell steigen und die Märkte sich drehen.

Mark Branson, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht

"Gleichzeitig gibt es ein anderes Szenario, das auch gefährlich sein kann: dass die Zinsen schnell steigen und die Märkte sich drehen." Wenn ein Marktzyklus an sein Ende komme, gehe das erfahrungsgemäß schnell und könne turbulent sein.

Ein zentraler und für Banken wichtiger Markt, den das betreffen könnte, sei der Immobilienmarkt. Hier sehe er in Deutschland die Gefahr einer Blase. "Das Kreditwachstum im Wohnimmobilienbereich ist gerade extrem schnell trotz der Pandemie."

Niemand kommt aus der Wirecard-Geschichte heraus

Der frühere Chef der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma war im August an die Spitze der BaFin gewechselt. Als Konsequenz aus dem Bilanzskandal beim Zahlungsdienstleister Wirecard will der gebürtige Brite die Bonner Behörde grundlegend reformieren. Mit Blick auf Wirecard sagte Branson, es sei nicht akzeptabel, dass ein Skandal dieser Dimension so lange unentdeckt geblieben sei. "Sehr viele Institutionen hatten mit diesem Unternehmen zu tun, und niemand hat die Probleme gesehen. Die Aufsicht gehört dazu." Daraus müsse man lernen. "Niemand kommt gut aus dieser Geschichte heraus."

Aus heutiger Sicht gebe es Entscheidungen der BaFin zu Wirecard, die in die falsche Richtung gegangen seien. Dabei handele es sich um ein komplexes Thema, das nicht auf einzelne Fragen reduziert werden könne.

Fakt ist: Die BaFin wurde den eigenen Ansprüchen nicht gerecht.

Mark Branson, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht

"Wir können heute alle superschlau sagen, wie wir das damals gemacht hätten. Fakt ist: Die BaFin wurde den eigenen Ansprüchen nicht gerecht." Jetzt gehe es darum, die Aufsicht so auszurichten, dass sich so etwas nicht wiederhole. Er spüre Rückenwind bei der Erneuerung.

"Mir geht es darum, dass wir nicht starr in Zuständigkeiten und Hierarchien denken", betonte Branson. So arbeiteten beispielsweise bei der Überprüfung von Unternehmen mit komplexen oder neuartigen Geschäftsmodellen jetzt Teams aus verschiedenen Bereichen zusammen. Ein anderer Aspekt sei der Umgang mit Whistleblowern, für die eigens eine Hinweisgeberstelle aufgebaut worden sei. Dort meldeten sich ständig Leute. "Man muss versuchen, die wichtigen und richtigen Hinweise herauszufiltern."

Branson will auch auf Quereinsteiger setzen

Branson erklärte zudem, im BaFin-Team seien Quereinsteiger willkommen. "Wir können auch von Bankern, Wirtschaftsanwälten, Wirtschaftsprüfern, Beratern profitieren", sagte der Behördenchef. "Auch von Leuten, die vielleicht ein bisschen weniger studiert haben, aber viel Berufserfahrung mitbringen."

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