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Die Synergien aus der Fusion zwischen DZ Hyp und WL Bank sind größer als gedacht

Zum 100-jährigen Jubiläum wirft DZ-Hyp-Chef Georg Reutter einen Blick in den Rückspiegel: In einem Interview mit der Börsen-Zeitung berichtet er von den Nachwirkungen der Fusion mit der WL Bank und von Altlasten aus der Subprime-Krise.

Georg Reutter | Foto: DZ Hyp

Georg Reutter, Vorstandsvorsitzender der Pfandbriefbank DZ Hyp, blickt zufrieden auf die Fusion mit der WL Bank, die 2018 abgeschlossen wurde. Zudem seien die Problemportfolien aus der Subprime-Krise von 2007 deutlich abgebaut worden, berichtet er im Interview mit der Börsen-Zeitung anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Instituts.

Das signifikante Investment in Mortgage Backed Securities (MBS) im Vorfeld der US-Subprime-Krise erklärt Reutter mit einem "regelrechten Hype um das Investment Banking". "Die DZ Hyp hat in dieser Zeit versucht, ihre Zukunft auch im Real Estate Investment Banking zu finden. Das Haus hatte ein ganz ehrgeiziges Programm", kommentiert er das Engagement der DZ Hyp im Vorfeld der Subprime-Krise, die 2007 einsetzte.

Die Krise hat auch dazu geführt, dass die DZ Hyp über mehrere Jahre hinweg rote Zahlen schrieb – und dass sie sich auf alte Tugenden zurückbesonnen hat.

Georg Reutter, Vorstandsvorsitzender, DZ Hyp

Laut Reutter riss die Krise von 2007/08 ein großes Loch: "Das waren sicherlich besonders schwierige Jahre für die Bank. Die Krise hat auch dazu geführt, dass die DZ Hyp über mehrere Jahre hinweg rote Zahlen schrieb – und dass sie sich auf alte Tugenden zurückbesonnen hat", sagt er im Interview.

Die DZ Hyp habe die Portfolien in den Folgejahren jedoch "stabilisiert" - man habe die Problemportfolien nicht "in einer Panikreaktion vor die Tür geworfen". Aktuell bestünden noch 500 Mio. Euro der ursprünglich 5 Mrd. Euro-schweren Portfolien, sagt Reutter.

Staatsfinanzierungsportfolio rund 10 Mrd. Euro schwer

Das Staatsfinanzierungsportfolio belaufe sich auf etwa 10 Mrd. Euro. "Was notleidende Verbriefungen betrifft, bestehen keine besonderen Risiken mehr. Bei den Staatsfinanzierungen liegen unsere Engagements in Ländern Südeuropas noch bei 3 bis 4 Mrd. Euro. Diesen Bestand bauen wir sukzessive weiter ab", betont der Vorstandsvorsitzende weiter.

Heute können wir sogar feststellen, dass die Potenziale und Synergien im Zusammenhang mit der Fusion von DG Hyp und WL Bank deutlich unterschätzt wurde.

Georg Reutter, Vorstandsvorsitzender, DZ Hyp

Neben dem Immobilienboom des vergangenen Jahrzehnts konnte die DZ-Bank-Tochter zudem von der Fusion mit der WL Bank 2018 profitieren, sagt Reutter: "Nach dem Zusammenschluss der Muttergesellschaften DZ Bank und WGZ Bank im Jahr 2016 lag es aus wirtschaftlichen Gründen nahe, auch die Hypothekenbanktöchter zusammenzuführen. Es standen definierte Synergien in Aussicht, die wir inzwischen erreicht haben. Heute können wir sogar feststellen, dass die Potenziale und Synergien im Zusammenhang mit der Fusion von DG Hyp und WL Bank deutlich unterschätzt wurde."

Synergien bei Banksteuerung und Regulatorik deutlich

Die Synergien zeigten sich insbesondere in der Banksteuerung und Regulatorik. Es sei heutzutage ein erheblicher Aufwand nötig, um eine Bankbasis aufzubauen, die datentechnisch und regulatorisch die Anforderungen erfüllt. IT-Sicherheit und die Einhaltung der Compliance-Vorgaben müssen organisiert werden. "Ohne Fusion hätten wir das zweimal bewerkstelligen und doppelt investieren müssen", ist er überzeugt.

Vor der Fusion wurden die Synergien im niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich "im eingeschwungenen Zustand" verortet - diese seien retrospektiv betrachtet höher, sagt Reutter.

Bislang keine Ausfälle in der Corona-Krise

Reutter wagt zudem einen Blick in die Zukunft, angesichts der anhaltenden Corona-Krise. "Bislang sehen wir keine Ausfälle. Nach Jahren ohne Risikovorsorge beziehungsweise mit Nettoauflösungen haben wir 2020 erstmals wieder eine Risikovorsorge von rund 50 Mio. Euro gebildet", berichtet er. Davon entfielen jedoch nur rund 10 Mio. Euro auf Einzelwertberichtigungen, die restlichen rund 40 Mio. Euro seien Pauschalwertberichtigungen. "Das ist ein Puffer für Ausfälle, die auf uns zukommen könnten. Die Einzel-Risikovorsorge ist unverändert unauffällig", ist er überzeugt.

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