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Celsius-Insolvenz wird für Kunden zur Zitterpartie

Nach Einschätzung von Rechtsanwälten stehen die Chancen der Gläubiger der US-Krypto-Lending-Firma Celsius Network derzeit schlecht, ihr Geld schnell zurück zu bekommen. Das gilt auch für die Nuri-Kunden, die das ”Ertragskonto” nutzten.

Bitcoin-Symbol auf einer Münze (Symbolbild) | Foto: picture alliance / NurPhoto | Jakub Porzycki

Den Kunden der insolventen Kryptobank Celsius stehen harte Zeiten bevor. Experten zufolge müssen sie sich auf Jahre der Ungewissheit einstellen, bevor klar wird, wie, wann und ob sie überhaupt ihr Geld wiedersehen.

”Es wird zahlreiche Prozesse geben”, prognostiziert Insolvenz-Experte Daniel Gwen von der Kanzlei Robes & Grey. Celsius war für einen Kommentar zunächst nicht zu erreichen. Wegen der Komplexität des Falls werde es allein mindestens sechs Monate dauern, um einen Plan für eine Rückkehr aus der Insolvenz aufzustellen, prognostiziert Stephen Gannon, Partner in der Kanzlei Davis Wright Tremaine. ”Das wird ein 3D-Schachspiel.”

Zwar schlitterten in den vergangenen Jahren bereits mehrfach große Kryptofirmen wie die Handelsplattform Mt. Gox im Jahr 2014 in die Pleite. Es gebe aber kaum Präzedenzfälle zum Umgang mit Kunden von Kryptobanken, sagt James Van Horn, Partner bei der Kanzlei Barnes & Thornburg. ”Im besten Fall ist es unbekannt, wie das Insolvenzrecht und die Gerichte Kryptowährungsfirmen behandeln.”

Ist Celsius eine Bank?

Dem US-Gläubigerschutzparagraphen ”Chapter 11” zufolge erhalten zunächst die Geber besicherter Kredite ihr Geld. An zweiter Stelle folgen Gläubiger unbesicherter Kredite und zuletzt Anteilseigner. ”Gläubiger unbesicherter Kredite haben kein Anrecht auf irgendwelche Mittel”, betont Van Horn. ”Sie erhalten manchmal nur einen sehr kleinen Betrag.”

Celsius habe seine Kunden bereits gewarnt, sie als Gläubiger unbesicherter Kredite zu klassifizieren, sagte der auf Kryptowährungen spezialisierte US-Anwalt Max Dilendorf. Er erwartet eine Klagewelle von Kunden. Es werde interessant, wie Celsius seine Entscheidung begründe, diese als Gläubiger unbesicherter Kredite zu klassifizieren.

Krypto-Lending-Plattform Celsius meldet Insolvenz an

Kryptobanken agieren zwar wie traditionelle Geldhäuser. Allerdings sind sie kaum reguliert und sind auch nicht Teil von Einlagensicherungsfonds, wie sie in zahlreichen Ländern existieren. Diese springen bis zu einem gewissen Betrag ein, sollte ein Institut pleitegehen.

Zweistellige Zinsen lockten die Kunden

Als Folge der Kursturbulenzen bei Bitcoin hatte Celsius Mitte Juni die Konten seiner Kunden eingefroren. In seinem Insolvenz-Antrag hatte das Unternehmen ein 1,2 Mrd. Dollar großes Loch in seiner Bilanz öffentlich gemacht. Die Zahl der Gläubiger bezifferte es auf mehr als 100.000. Zu möglichen Rückzahlungen machte Celsius keine Angaben.

Während der Pandemie erlebten Kryptobanken einen Boom. Sie lockten Anleger mit zweistelligen Zinsen für Einlagen in Cyber-Devisen. Hedgefonds wiederum liehen sich von Firmen wie Celsius Kryptogeld gegen hohe Zinsen, um ihrerseits mit Internet-Währungen zu spekulieren oder in Finanzdienstleister aus dem Krypto-Sektor zu investieren. Auch das Berliner Fintech Nuri (früher: Bitwala) bot Kunden ein sogenanntes Ertragskonto an, über das Bitcoin an den Partner Celsius ausgeliehen werden könnten.

Mit dem Kursverfall von Bitcoin & Co gingen dort allerdings einige der riskanteren Wetten nicht mehr auf - woraufhin Celsius schon im Juni die Konten der Nuri-Kunden eingefroren hat, damit diese ihre Einlagen nicht mehr abziehen konnten.

Pause für das Bitcoin-Ertragskonto bei Nuri

Zum Insolvenz-Antrag von Celsius erklärte Nuri zuletzt, man sei mit den betroffenen Kunden in direktem Kontakt, um alle Fragen zu Celsius und der aktuellen Situation zu beantworten. Einzelne Gläubiger könnten nun keine Forderungen mehr gegen Celsius geltend machen, sondern müssten auf das formelle Restrukturierungsverfahren warten.

Celsius ist derzeit nicht der einzige US-Krypto-Anbieter, der in Schieflage geraten ist. So konnte etwa der Hedgefonds Three Arrows seine Kredite nicht mehr bedienen und trieb so den Celsius-Rivalen Voyager Digital ebenfalls in die Insolvenz.

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