FinanzBusiness

Vorstand der Deutschen Bank setzt mit Boni-Verzicht ein Zeichen

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing und der gesamte Vorstand der Bank verzichten auf Teile ihrer Boni. Damit wollen sie Verantwortung übernehmen im Fall der kritisierten Whatsapp-Nutzung von Mitarbeitern zu geschäftlichen Zwecken.

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing | Foto: picture alliance/dpa | Arne Dedert

Die zehn Mitglieder des Vorstands der Deutschen Bank wollen Insidern zufolge auf jeweils 75.000 Euro aus ihren Boni verzichten, um damit Verantwortung für die unerlaubte Nutzung von Kurznachrichtendiensten in der Bank zu übernehmen.

Zwei Insider sagten der Nachrichtenagentur Reuters, damit wollten die Manager ein Zeichen setzen und eine Unternehmenskultur stärken, in der Mitarbeiter externe Kurznachrichtendienste wie WhatsApp nicht mehr verwenden.

Wie die ”Financial Times” berichtet, sind die 75.000 Euro, auf die der Deutsche Bank-Chef verzichtet, aber eine überschaubare Summe. Sie entsprechen 1,4 Prozent des Bonus von 5,2 Mio. Euro, der Teil einer Gesamtvergütung von 8,8 Mio. Euro war. Unter den Führungskräften muss Rebecca Short, Chief Transformation Officer der Bank, mit einem Verzicht von drei Prozent ihres Bonus den größten Verlust hinnehmen.

Aufseher untersuchen die Nutzung

Auch die deutsche BaFin hatte wegen der Nutzung des Nachrichtendienstes bei der Deutschen Bank genauer hingeschaut. Das Institut selbst hatte die Kontrolle ihrer Mitarbeiter nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe bereits verschärft: Sie hat eine interne Untersuchung eingeleitet, nachdem die Nutzung privater E-Mails durch den ehemaligen DWS-Chef Asoka Wöhrmann in die Kritik geraten war. Zudem wurden Mitarbeiter daran erinnert, dass sie geschäftsbezogene Whatsapp-Nachrichten nicht löschen sollten.

Deutsche Bank will größere Kontrolle bei Mitarbeiter-WhatsApps

BaFin hat Fragen zur Whatsapp-Nutzung der Deutsche-Bank-Mitarbeiter

Darüber stolperte Asoka Wöhrmann

Die Deutsche Bank ist außerdem eines von mehreren Finanzinstituten, gegen die die US-Aufsichtsbehörden wegen der Nutzung von persönlichen Messaging-Anwendungen, darunter Whatsapp, durch ihre Mitarbeiter ermitteln. So hatten Mitarbeiter der Banken die eigentlich geforderten detaillierten Aufzeichnungen von Gesprächen umgangen.

Ein Warnschuss dürfte für die Banken der Fall von JP Morgan Chase gewesen sein. Das Institut hatte im Dezember 200 Mio. Dollar an die US-Behörden gezahlt, weil die Bank es versäumt hatte, Aufzeichnungen über die Kommunikation ihrer Mitarbeiter auf persönlichen Geräten zu führen.

Mehr von FinanzBusiness

Digitalisierung sorgt für neue Verbündete

Auf der Handelsblatt-Tagung „Zukunft Retail Banking 2022“ berichten Marion Höllinger, Philipp Gossow und Thomas Schauffler über ihren Blick auf das Filialgeschäft. An das Ende der Bankfiliale glauben sie nicht, aber an eine Weiterentwicklung.

Unicredit prüft den Ausstieg aus Russland

Die italienische Großbank will ihre russische Tochtergesellschaft dem Vernehmen nach verkaufen - hält sich aber auch eine Rückkauf-Option offen, für den Fall, dass sich die Lage in Russland wieder stabilisiert.

Genossen bringen Wallet auf den Weg

Die genossenschaftlichen Banken wollen ihrer Kundschaft den Handel mit und das Verwahren von Krypto-Assets grundsätzlich ermöglichen, dies hat der Verband entschieden. Der IT-Dienstleister Atruvia und die DZ Bank arbeiten an einem entsprechenden Produkt. Es soll im nächsten Jahr auf den Markt kommen.

Lesen Sie auch

Mehr dazu

Neueste Nachrichten