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Ex-Commerzbank-Chef Blessing findet Inhalt für seine Börsenhülle

Das von ihm gegründete Übernahme-Vehikel European FinTech IPO Company (EFIC1) will die 2014 gegründete Azerion übernehmen. Die Bewertung liegt bei 1,3 Mrd. Euro.

Martin Blessing | Foto: picture alliance / Sven Simon | Malte Ossowski

Der ehemalige Commerzbank-Chef und UBS-Manager Martin Blessing ist auf der Suche nach einem Übernahmekandidaten für seine leere Unternehmenshülle (SPAC) fündig geworden. Das Übernahme-Vehikel European FinTech IPO Company (EFIC1) will die 2014 gegründete Azerion übernehmen.

Das niederländische Unternehmen, das sein Geld vor allem mit Werbeplatzierungen in Online-Spielen verdient, wird bei dem Börsengang mit 1,3 Mrd. Euro bewertet. "EFIC1 sollte mit einem schnell wachsenden, profitablen und technologiegesteuerten europäischen Champion verschmolzen werden", sagte Blessing, der bisher als Vorstandschef des SPAC fungiert.

Target war eigentlich ein Fintech

Eigentlich hatten sich die SPAC-Investoren um Blessing vorgenommen, ein Fintech aus Europa oder Israel zu schlucken. Sie hatten mit der an der Amsterdamer Börse Euronext gelisteten Special Purpose Acquisition Company (SPAC) im Frühjahr 382 Mio. Euro eingesammelt.

Azerion und seinen Eigentümern, allen voran den beiden Firmengründern Atilla Aytekin und Umut Akpinar, sollen im Zuge der Übernahme 405 Mio. Euro zufließen. Azerion will das Geld in weitere Übernahmen stecken. Die Alteigentümer halten nach der Verschmelzung mit EFIC1 55 Prozent der Anteile - wenn die Aktionäre von EFIC1 zustimmen.

Azerion erwirtschaftet 355 Mio. Euro Umsatz

Azerion erwartet nach mehreren Zukäufen in diesem Jahr einen Pro-forma-Umsatz von 355 Mio. Euro, 2022 soll er auf mehr als 450 Mio. Euro steigen. Den Löwenanteil macht Werbung in den Online-Spielen aus, gut ein Fünftel tragen die Spieler mit sogenannten "In-Game-Käufen" selbst bei, wenn sie im Spiel zusätzliche Fähigkeiten oder Inhalte hinzukaufen. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) von Azerion lag im vergangenen Jahr bei 26 Mio. Euro.

Special Purpose Acquisition Companies (SPACS) wie EFIC1 sind als Trend aus den USA nach Europa herübergeschwappt. Sie sammeln bei Investoren Geld ein, sind aber bei ihrem Börsengang zunächst nur ein leerer Firmenmantel. Anschließend haben die Initiatoren in der Regel 24 Monate Zeit, ein börsenreifes Unternehmen zu finden, das sie übernehmen, um den SPAC mit Leben zu füllen. 

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