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Geldinstitute wohl für Zinsschock gerüstet - Banken sollen Kapitalpläne prüfen

Die Bundesbank hat die Auswirkungen eines abrupten Zinsanstiegs von zwei Prozentpunkten für die hiesigen Banken und Sparkassen berechnet. Die EZB-Bankenaufsicht warnt vor den Folgen für Banken durch die Energiekrise.

Blick auf den Finanzplatz Frankfurt | Foto: picture alliance / greatif | Florian Gaul

Die deutschen Geldinstitute sind einer Analyse der Bundesbank zufolge weitgehend gut gerüstet für einen unerwartet kräftigen Zinsanstieg. Insgesamt würde die Mehrheit der Institute demnach kurzfristig nur geringe Rückgänge der Zinsmarge erleiden, heißt es im jetzt veröffentlichten Monatsbericht. Mittelfristig sollte eine Zinswende demnach die Zinsmarge deutscher Banken auf breiter Front spürbar positiv beeinflussen - auch weil steigende Marktzinsen nur unvollständig an Einleger weitergegeben werden dürften.

Positive Effekte bei allen Banken nach drei Jahren

Dennoch seien die kurzfristigen Auswirkungen auf die Zinsmarge der einzelnen Banken unterschiedlich. Während in der Analyse bei weniger als fünf Prozent der Kreditbanken und einem Drittel der Landesbanken im ersten Jahr sinkende Zinsmargen auftreten, verringern sich letztere bei drei Vierteln der Kreditgenossenschaften und zwei Dritteln der Sparkassen sowie etwa bei der Hälfte der restlichen Institute. ”Mittelfristig dürfte die Zinsmarge deutscher Institute von einer Zinserhöhung allerdings profitieren”, teilte die Bundesbank weiter mit. Bereits im zweiten Jahr nach der Zinserhöhung würden gut 90 Prozent und im dritten Jahr nahezu alle Institute positive Effekte aufweisen.

”Die EZB traut sich was”

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Die Bundesbank legte für ihre Berechnung das Szenario des sogenannten Baseler Zinsschocks zugrunde, das Aufseher regelmäßig zur Messung der Zinsänderungsrisiken von Banken verwenden. Dabei wird ein abrupter Zinsanstieg von zwei Prozentpunkten über alle Laufzeiten hinweg durchgespielt. Die Analyse ermittelt daraus die Veränderung der Zinsmarge eines Instituts jeweils im ersten, zweiten und dritten Jahr nach der Zinserhöhung.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im Juli die Zinswende eingeläutet und im September mit einer kräftigen Straffung ihrer Geldpolitik nachgelegt.

Deshalb fordern wir die Banken auf, ihre Kapitalprognosen unter schwerwiegenden, ungünstigen Szenarien zu überprüfen, und wir werden in Dialog mit ihnen treten.

Andrea Enria, Chef der EZB-Bankenaufsicht

Zudem hat Andrea Enria, Chef der EZB-Bankenaufsicht, die Finanzinstitute aufgefordert, angesichts des konjukturellen Abschwungs und der Energiekrise ihre Kapitalpläne auf den Prüfstand zu stellen. Die Geldhäuser seien gefordert, sich dabei auf ihr Engagement in Sektoren zu konzentrieren, die besonders abhängig von Energie und anfällig für Energieschocks seien, mahnte er auf einer Konferenz in Brüssel. ”Deshalb fordern wir die Banken auf, ihre Kapitalprognosen unter schwerwiegenden, ungünstigen Szenarien zu überprüfen, und wir werden in Dialog mit ihnen treten.”

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