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EZB hebt Leitzins auf höchsten Wert seit der Bargeldeinführung

In ihrem zweiten Zinsschritt in kurzer Folge hebt die EZB ihre Hauptrefinanzierungssatz um 0,75 Prozentpunkte auf insgesamt 1,25 Prozent.

Regenwolken über der EZB in Frankfurt | Foto: picture alliance / greatif | Florian Gaul

(Aktualisiert um Zitate von Lagarde)

Die Europäische Zentralbank (EZB) hebt im Kampf gegen die ausufernde Inflation ihre Leitzinsen so stark an wie noch nie seit Einführung des Euro-Bargelds im Jahr 2002. Die Währungshüter um EZB-Chefin Christine Lagarde beschlossen am Donnerstag, den sogenannten Hauptrefinanzierungssatz um 0,75 Prozentpunkte auf nunmehr 1,25 Prozent anzuheben. Der Einlagensatz wurde ebenfalls um 0,75 Prozentpunkte auf künftig 0,75 Prozent erhöht. Dies ist bereits der zweite Straffungsschritt in Folge. Im Juli hatte die EZB die Zinswende eingeleitet und die Schlüsselsätze erstmals seit 2011 nach oben gesetzt.

Europäische Zentralbank erhöht Leitzinsen um 50 Basispunkte

Damit endete in vielen Banken auch das Zeitalter des Negativzins. Viele Institute haben bereits entsprechende Verwahrentgelte für hohe Einlagen aufgehoben oder planen dies in Kürze - nur 20 Prozent halten bislang hartnäckig daran fest .

Das Zeitalter der Negativzinsen geht zu Ende

Fast 20 Prozent der Banken bleiben beim Verwahrentgelt hartnäckig

Hinter dem aktuellen und für die EZB bisher beispiellosen Jumbo-Schritt steht die ausufernde Inflation im Euro-Raum. Inzwischen erfasst die vor allem durch den Energiepreisschub infolge des Ukraine-Kriegs angefachte Inflation immer weitere Bereiche der Wirtschaft. Auch ohne die oft schwankenden Energie- und Lebensmittelpreise war die Teuerung zuletzt kräftig gestiegen. Dies hat den Druck auf die Währungshüter noch einmal deutlich erhöht.

Im August war die Inflation in der Eurozone auf ein neues Rekordniveau von 9,1 Prozent geklettert. Und ein Nachlassen der Teuerung ist derzeit nicht in Sicht. Die Inflationsrate liegt damit inzwischen mehr als vier Mal so hoch wie das Stabilitätsziel der Währungshüter. Die EZB erachtet zwei Prozent Teuerung als Optimalwert für die Wirtschaft.

Lagard: Kreditvergabe der Banken an Unternehmen bleibt stark

”Die Marktzinsen sind in Erwartung einer weiteren Normalisierung der Geldpolitik als Reaktion auf die Inflationsaussichten gestiegen. Die Kreditvergabe an Unternehmen hat sich in den letzten Monaten verteuert, und die Kreditzinsen für private Haushalte sind nun auf dem höchsten Stand seit mehr als fünf Jahren”, analysiert EZB-Präsidentin Christine Lagarde die aktuelle Situation bei der Bekanntgabe des Zinsschritts.

Die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen ist bisher stark geblieben, was zum Teil auf die Notwendigkeit zurückzuführen ist, hohe Produktionskosten und den Aufbau von Lagerbeständen zu finanzieren.

Christine Lagarde, Präsidentin der EZB

”Was das Volumen betrifft, so ist die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen bisher stark geblieben, was zum Teil auf die Notwendigkeit zurückzuführen ist, hohe Produktionskosten und den Aufbau von Lagerbeständen zu finanzieren”, sagt sie. Allerdings sei die Vergabe von Hypothekenkrediten an private Haushalte aufgrund der strengeren Kreditrichtlinien, der steigenden Kreditkosten und des schwachen Verbrauchervertrauens rückläufig.

Mit dem aktuellen Zins-Schritt werde der Übergang von den ”derzeit sehr akkommodierend hohen Leitzinsen zu einem Niveau vorgezogen, das eine rechtzeitige Rückkehr der Inflation zu unserem mittelfristigen Ziel von zwei Prozent unterstützt”.

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