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83 Prozent der Großanleger setzen auf grüne Investitionen

So hoch lag der Wert seit dem Start der Nachhaltigkeitsstudie von Union Investment noch nie. Vorstand André Haagmann ist überzeugt: ”Bei den Investoren findet ein Sinneswandel statt.”

André Haagmann | Foto: Union Investment

Union Investment befragt seit 2010 Großanleger nach ihren Themen und Zielen bei grünen Investments, die Langzeitstudie zeigt, wie sehr sich der Markt verändert: In Deutschland berücksichtigen aktuell bereits 83 Prozent der institutionellen Investoren Nachhaltigkeitskriterien bei ihren Anlageentscheidungen - so viele wie nie. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Wert um fünf Prozentpunkte, im Vergleich zu 2018 sogar um 18 Prozentpunkte.

Nachhaltigkeit ist für sie nicht länger eine Pflichtübung, sondern unverzichtbarer Bestandteil der Kapitalanlage.

André Haagmann, Vorstand, Union Investment

Ausgelöst wurde die Entwicklung der Studie zufolge von mehreren Faktoren, wobei offenbar nicht nur reine Fakten im Vordergrund stehen – etwa die höhere Verbreitung nachhaltiger Investments. In einer Mitteilung erklärt André Haagmann, der im Vorstand von Union Investment für das Geschäft mit institutionellen Kunden zuständig ist: ”Bei den Investoren findet ein Sinneswandel statt. Nachhaltigkeit ist für sie nicht länger eine Pflichtübung, sondern unverzichtbarer Bestandteil der Kapitalanlage.”

Gut zwei Drittel sind zufrieden mit der Rendite

Erstmals sei der am häufigsten genannte Grund für die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien die eigene Überzeugung (21 Prozent) gewesen, nachdem im Vorjahr noch die Regulierung auf Platz eins gestanden habe.

”Die Nachhaltigkeitsaktivitäten sind somit häufiger intrinsisch als durch regulatorische Anforderungen (14 Prozent) motiviert”, heißt es. Zu welchen Ergebnissen die Nachhaltigkeitsstudie von Union Investment noch kommt:

  • 69 Prozent der befragten Großanleger – sie investieren nach wie vor auch konventionell - bescheinigen dem nachhaltigen Portfolio eine ähnliche und sogar bessere Renditeentwicklung. Lediglich fünf Prozent würden nachhaltige Portfolios im Hintertreffen sehen.
  • 68 Prozent stufen das nachhaltige Portfolio mit Blick auf Risiken als ebenbürtig oder besser ein (hier halten 6 Prozent das Gegenteil für richtig).
  • 58 Prozent betrachten die angebotenen Produkte und Lösungen als hilfreich, laut Mitteilung ist das ein Plus von sieben Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahreswert. Gleichzeitig können sich 7 Prozent der Umfrageteilnehmer vorstellen, aus nachhaltigen Kapitalanlagen wieder auszusteigen.
  • 85 Prozent gehen davon aus, dass das Volumen nachhaltiger Kapitalanlagen in den nächsten zwölf Monaten weiter zunimmt. Mehr als die Hälfte der Großanleger (52 Prozent) gab zudem an, einen aktiven Dialog zu ESG-Fragen mit den Emittenten ihrer Anlagen zu führen – ein Plus um 15 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.
  • 40 Prozent der Großanleger antwortete, ihnen gehe es bei der Bewertung nachhaltiger Kapitalanlagen in erster Linie um die Rendite - der große Rest interessiere sich indessen zuerst für die Nachhaltigkeitswirkung. Aus Sicht von Haagmann völlig klar: ”Viele Investoren haben die Erfahrung gemacht, dass sich Nachhaltigkeit positiv auf Risikomanagement und Rendite auswirken kann”, argumentiert er.
  • Zur Regulierungsfrage zeigte die Studie, dass Großanleger weiterhin mit Informationsdefiziten kämpfen. Der Befund: Bislang kenne nur knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) die sogenannte EU-Offenlegungsverordnung, davon 9 Prozent nur rudimentär.

203 institutionelle Investoren antworten

Für die diesjährige Untersuchung wurden nach Angaben von Union Investment in den Monaten Januar bis April 203 institutionelle Investoren in Deutschland befragt. Teilgenommen haben Versicherungen (Anteil: 12 Prozent), Großunternehmen (17 Prozent), Altersversorger/Pensionskassen (14 Prozent), Stiftungen/Kirchen (17 Prozent), Kreditinstitute (21 Prozent) und Kapitalverwaltungsgesellschaften (19 Prozent). Insgesamt verwalten sie ein Vermögen von rund fünf Billionen Euro.

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