FinanzBusiness

"Jetzt ist nicht die Zeit für zögerliche Trippelschritte", sagt Helmut Schleweis

Der Präsident des Sparkassenverbands kritisiert die EZB als zu zögerlich: Er drängt auf eine schnelle Zinsanhebung um 50 Basispunkte. Genossenschaftsbanken fordern noch mehr.

Helmut Schleweis | Foto: DSGV

Im Juli will die Europäische Zentralbank (EZB) zum ersten Mal seit 2011 den Leitzins anheben. In Aussicht stellt sie eine Erhöhung um 0,25 Prozent. Ein weiterer und größerer Zinsschritt soll dann im Herbst folgen.

EZB kündigt Zinserhöhung für Juli an

Den Bankenverbände geht das nicht schnell genug, sie drängen nun auf Nachbesserungen. Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), hält die geplante Anhebung um 25 Basispunkte für zu zögerlich.

”Mit einem entschlosseneren Schritt um 50 Punkte wäre das leidige Thema der Negativzinsen endlich erledigt“, betont er. Aus seiner Sicht wäre die EZB gut beraten, insgesamt entschiedener aufzutreten, vor allem mit Blick auf die steigende Inflation.

Europas Währungshüter dürfen keine Zweifel zulassen an ihrem Ziel der Geldwertstabilität und am Inflationsziel von zwei Prozent.

Helmut Schleweis, Präsident, DSGV

”Europas Währungshüter dürfen keine Zweifel zulassen an ihrem Ziel der Geldwertstabilität und am Inflationsziel von zwei Prozent. Jetzt ist nicht die Zeit für zögerliche Trippelschritte”, argumentiert der DSGV-Präsident. ”Denn je höher die Inflationserwartungen wachsen, desto größer wird die Gefahr, in eine Spirale von steigenden Preisen und entsprechend höheren Lohnforderungen zu geraten.“

Auch Bankenverband fordert Anhebung um 50 Basispunkte

Eine schnelle Anhebung um 50 Basispunkte ist auch beim Bundesverband deutscher Banken (BdB) das Hauptthema. In einem ersten Statement nach der Zinsentscheidung kritisiert BdB- Hauptgeschäftsführer Christian Ossig, die EZB reagiere auf die Preissteigerungen nach wie vor zu langsam. ”Das fundamental geänderte Preisumfeld rechtfertigt einen negativen Leitzins bis in den Herbst hinein nicht mehr.”

Die EZB sollte deshalb im Juli, noch vor der Sommerpause, ihre Negativzinspolitik mit einer Leitzinserhöhung um 50 Basispunkte in einem Schritt beenden, fordert Ossig. ”Das wäre ein deutliches und dringend notwendiges Signal an Verbraucher, Unternehmen und Tarifparteien” – um den Anstieg der Inflationserwartungen zu bremsen.

Plus 0,75 Prozent bis zum Jahresende?

Andreas Bley, den Chefvolkswirt des Bundesverbands Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), hofft darauf, dass die EZB sogar noch höher geht als 50 Basispunkte – hält es anderseits für vertretbar, wenn dieses Ziel erst Ende 2022 erreicht wird.

Der Leitzins muss spürbar steigen, gleichzeitig muss die EZB den hohen wirtschaftlichen Unsicherheiten Rechnung tragen.

Andreas Bley, Chefvolkswirt, BVR

”Auf jeder der kommenden Ratssitzungen sollte ein kleiner Zinsschritt folgen, der Leitzins somit bis Jahresende auf 0,75 Prozent erhöht werden”, lautet seine Empfehlung. ”Der Leitzins muss spürbar steigen, gleichzeitig muss die EZB den hohen wirtschaftlichen Unsicherheiten Rechnung tragen.”

Der Sommer soll es zeigen

Iris Bethge-Krauß vom Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) und Florian Rentsch, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Sparda-Banken, äußern sich – was die konkreten Zinsziele angeht – zwar vorsichtiger, deutlich werden sie dennoch.

Der Zeitplan der EZB, die Negativzinsen erst im September zu beenden, ist gerade aufgrund der unfassbaren Inflation nicht objektiv erklärbar.

Florian Rentsch, Vorstandsvorsitzender, Verband der Sparda-Banken

Vor allem Florian Rentsch kritisiert, die EZB habe ihren Kernauftrag, Preisstabilität zu gewährleisten, in den vergangenen Jahren nicht nur massiv verletzt, sondern trage ”massive Verantwortung an der massiven Inflation und an der Gefahr einer Lohn-Preisspirale”. Nur schnelle Gegenmaßnahmen könnten noch helfen. ”Der Zeitplan der EZB, die Negativzinsen erst im September zu beenden, ist gerade aufgrund der unfassbaren Inflation nicht objektiv erklärbar”, kritisiert Rentsch.

So sieht man es offenbar auch beim VÖB, die erste Reaktion klingt fast gleich. Bethge-Krauß stellt als Hauptgeschäftsführerin klar: ”Wir erwarten einen verlässlichen Ausstiegsplan und über den Sommer konkrete Zinsschritte raus aus der expansiven Geldpolitik.“ Es werde höchste Zeit.

Mehr von FinanzBusiness

Neue Klarna-Bewertung fällt mager aus

Die Zeiten für das schwedische Fintech könnten sich ändern. Eine neue Finanzierungsrunde kommt zu einer dramatisch veränderten Bewertung des so hochgelobten Einhorns.

Streik der Geldboten hat begonnen

Nach einem Aufruf der Gewerkschaft Verdi haben Geldboten in Hessen die Arbeit niedergelegt. Banken sehen sich gut auf den Streik vorbereitet.

Miriam Breh wechselt in die Beraterbranche

Nach acht Jahren geht Breh bei VR Smart Finanz von Bord – bleibt aber beim Thema Kommunikation. Für die Beratungsboutique Asset übernimmt sie Mandate für global agierender Finanzdienstleister.

Lesen Sie auch

Mehr dazu