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US-Großbank JP Morgan nimmt verstärkt deutschen Mittelstand ins Visier

Der Leiter des Mittelstandsgeschäfts in Deutschland, Bernhard Brinker, hat 2021 Banker von der Deutschen Bank, ING und Lazard abgeworben, um sein Team auszubauen.

Bernhard Brinker | Foto: J.P. Morgan

Der US-Bankenprimus JP Morgan nimmt in seinem Deutschland-Geschäft verstärkt die mittelständische Wirtschaft ins Visier. Im Zuge der Mittelstandsoffensive, die vom Leiter des mittelständischen Firmenkundengeschäfts Bernhard Brinker vorangetrieben wird, haben die Amerikaner bereits eine Grundlage von etwa 75 Kunden aufgebaut und ihre Mitarbeiterzahl im vergangenen Jahr auf 15 bis 20 verdoppelt.

”Es gibt reichlich Spielraum für uns, um das Geschäft weiter auszubauen”, erläuterte Brinker. ”Jetzt, da wir die Basis geschaffen haben, sind wir gut positioniert, um das Geschäft mittelfristig zu verzehnfachen.” Seit Brinker vor drei Jahren mit dem Vorstoß begann, hat JP Morgan Banker der Deutschen Bank, ING und Lazard anziehen können.

Christine Schmitz wechselt von der ING zu JP Morgan

”Die Produktteams sind wie Musikinstrumente, wir sind die Dirigenten”

Jetzt, da wir die Basis geschaffen haben, sind wir gut positioniert, um das Geschäft mittelfristig zu verzehnfachen.

Bernhard Brinker, Leiter des mittelständischen Firmenkundengeschäfts bei JP Morgan

”Wir stellen weiter ein”, sagte Brinker. Das Team deckt auch die Schweiz und Österreich ab. JP Morgan, die aus Sicht der globalen Bankenregulierer weltweit systemrelevanteste Bank, hat vor allem größere mittelständische Unternehmen im Fokus mit Jahresumsätzen von 250 Millionen bis zwei Milliarden Euro und internationaler Ausrichtung. Das Geldhaus, das seine Europa-Geschäfte aus Frankfurt steuert, ist in den vergangenen Jahren zu einer der größten Beratungsbanken in Deutschland aufgestiegen.

Nach Daten von Dealogic lag der Marktanteil der Bank im Geschäft mit Übernahmen und Fusionen für deutsche Unternehmen im Zeitraum 2016 bis 2021 im Schnitt bei 14 Prozent. Das entspricht einer Verdoppelung des Anteils im Vergleich zum vorangegangenen Sechsjahreszeitraum.

Konkurrenz für Commerzbank, Deutsche Bank und HVB

Brinker kam 2019 von der Hypovereinsbank zu JP Morgan, um dort das Mittelstandsgeschäft aufzubauen. Im FinanzBusiness-Interview hatte Brinker im Sommer 2021 unter anderem die Problematik bei der Unternehmensnachfolge im deutschen Mittelstand als aktuelle Herausforderung in der Beratung ausgemacht: ” Fast zwei Drittel planen eine Nachfolgelösung innerhalb der nächsten zwei bis fünf Jahre. Dabei würden nur 30 Prozent an Externe verkaufen, einige denken zum Beispiel über eine stärkere Beteiligung durch das Management nach”, sagte er.

”Nachfolgeregelungen sind keine Schwarz-Weiß-Angelegenheit”, sagt Bernhard Brinker

Für die heimischen Platzhirsche im Geschäft mit mittelständischen Unternehmen - Commerzbank, Deutsche Bank und die UniCredit-Tochter Hypovereinsbank - ist die Mittelstandsoffensive der Amerikaner eine Herausforderung. Der Markt ist ohnehin bereits hart umkämpft.

Jan Kupfer, Firmenkunden-Vorstand bei der Hypovereinsbank, teilte mit, dass sich auch die Unicredit-Tochter personell verstärkt habe, um insbesondere im breiten Mittelstand zu wachsen. Der Wettbewerber Deutsche Bank erklärte, kein anderes Institut habe eine ähnlich große Bedeutung für den Mittelstand. Die Commerzbank teilte mit, ihre Verankerung im deutschen Mittelstand sei unverändert stark.

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