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Wirtschaftsinstitute erwarten starken Einbruch des Bruttoinlandsprodukts

Im Rahmen ihrer Gemeinschaftsprognose erwarten das RWI in Essen, DIW in Berlin, Ifo-Institut in München, IfW in Kiel und IWH in Halle zudem erhebliche Auswirkungen eines möglichen Gaslieferstopps.

Blick auf Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1 und der Übernahmestation der Ferngasleitung OPAL. | Foto: picture alliance/dpa | Stefan Sauer

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute warnen vor einer schweren Rezession und der höchsten Inflation seit Bestehen der Bundesrepublik im Falle eines Stopps russischer Gaslieferungen. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr bei normaler Versorgung um 2,7 Prozent zulegen, heißt es in ihrer Frühjahrsprognose für die Bundesregierung. Im Herbstgutachten waren noch 4,8 Prozent veranschlagt worden.

Die Erholung von der Corona-Krise wird infolge des Kriegs in der Ukraine gedämpft, behält aber die Oberhand.

Stefan Kooths, Vizepräsident und Konjunkturchef des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW)

”Die Erholung von der Corona-Krise wird infolge des Kriegs in der Ukraine gedämpft, behält aber die Oberhand”, sagte der Vizepräsident und Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Stefan Kooths. ”Für 2023 wurde die Vorhersage dagegen von 1,9 auf 3,1 Prozent angehoben.

Gaslieferstopp würde Wachstum bei 1,9 Prozent ausbremsen

Bei einem sofortigen Stopp russischer Gaslieferungen sieht das Konjunkturbild allerdings sehr viel düsterer aus. Dann dürfte die Wirtschaft in diesem Jahr nur um 1,9 Prozent zulegen, 2023 sogar um 2,2 Prozent schrumpfen. ”Bei einem Stopp der Gaslieferungen droht der deutschen Wirtschaft eine scharfe Rezession”, warnte Kooths. In beiden Jahren stünden dann insgesamt 220 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung im Feuer.

Wirtschaftspolitisch käme es dann darauf an, marktfähige Produktionsstrukturen zu stützen, ohne den Strukturwandel aufzuhalten.

Stefan Kooths, Vizepräsident und Konjunkturchef des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW)

”Wirtschaftspolitisch käme es dann darauf an, marktfähige Produktionsstrukturen zu stützen, ohne den Strukturwandel aufzuhalten”, sagte Kooths. Hilfen für private Haushalte zum Abfedern hoher Energiepreise sollte die Politik sehr zielgerichtet dosieren. ”Werden solche Hilfen auf breiter Front ausgereicht, treibt das zusätzlich die Inflation und torpediert den wichtigen Lenkungseffekt höherer Energiepreise”, warnte der Ökonom. Das verschärfe wiederum die Probleme einkommensschwacher Haushalte.

Inflation könnte im Jahresschnitt 6,1 Prozent erreichen

Für die Verbraucher haben die Ökonomen vorerst keine guten Nachrichten parat. Demnach werden die Preise in diesem Jahr mit durchschnittlich 6,1 Prozent so stark anziehen wie seit 40 Jahren nicht mehr. ”Im Falle eines Lieferstopps für russische Energie würden sogar 7,3 Prozent erreicht, der höchste Wert seit Bestehen der Bundesrepublik”, so die Prognose.

Auch im kommenden Jahr dürfte die Rate mit 2,8 - oder 5,0 Prozent im Falle eines Lieferstopps - deutlich über dem Durchschnitt seit der Wiedervereinigung liegen.

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