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Konjunkturelle Bremsspuren durch Lieferengpässe und Materialknappheit

Schlechte Nachrichten für die Banken und Sparkassen: Die deutsche Wirtschaft erholt sich langsamer als erhofft. Laut Bundesbank wird das Wirtschaftswachstum auch im Herbst noch das Vorkrisenniveau vom Schlussquartal 2019 verfehlen.

Ortsausgangsschild Aufschwung | Foto: picture alliance / blickwinkel/McPHOTO/M. Weber | McPHOTO/M. Weber

Die Erholung der deutschen Wirtschaft vom Corona-Tief wird nach Einschätzung der Bundesbank länger dauern als noch im Frühjahr erhofft. Die Wirtschaftsleistung werde "wohl auch im Herbst ihr Vorkrisenniveau vom Schlussquartal 2019 noch verfehlen", schreibt die Bundesbank in ihrem Monatsbericht Oktober.

"Im Jahr 2021 insgesamt dürfte das BIP deutlich weniger zulegen als in der Juni-Projektion der Bundesbank erwartet." Im Juni hatte die Notenbank für das laufende Jahr einen Zuwachs des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,7 Prozent vorausgesagt.

Auch aus der EZB kommt ein kritischer Ausblick zur Konjunkturerwartung: Laut Ratsmitglied Pablo Hernandez de Cos wird die EZB angesichts der anhaltenden Lieferengpässe ihre Konjunkturerwartungen an die spanische Wirtschaft für 2021 wohl herunterschrauben. Auch die steigenden Energiepreise und andere jüngste Entwicklungen dürften demnach eine deutliche Revision nach unten beim Ausblick erforderlich machen, sagte der spanische Notenbankchef.

Im September hatten die Volkswirte der Europäischen Zentralbank (EZB) für 2021 einen Zuwachs beim BIP im Euroraum von 5,0 Prozent unterstellt. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte zugleich die Erwartung geäußert, dass Ende des Jahres das Vorkrisenniveau übertroffen werde.

Der kräftige Schwung im Dienstleistungssektor dürfte erheblich nachlassen. (...) Das Verarbeitende Gewerbe dürfte weiter unter den Lieferschwierigkeiten leiden.

Aus dem Monatsbericht Oktober der Bundesbank

Die EZB entscheidet am Donnerstag wieder über den Leitzins, wobei noch keine aktualisierten Konjunkturprognosen veröffentlicht werden. Diese stehen erst zur Sitzung Mitte Dezember an, bei der auch über die Zukunft des Corona-Notprogramms PEPP entschieden werden soll. Dieses soll bis mindestens Ende März 2022 laufen. Viele Experten gehen davon aus, dass die EZB ihre Anleihenkäufe danach nicht komplett einstellt, sondern ihr aktuell kleineres Kaufprogramm APP in der einen oder anderen Form weiterführen wird.

Matrialengpässe und lahmer Dienstleistungssektor

Lieferengpässe und Materialknappheit bremsen laut Bundesbank den Aufschwung der Exportnation Deutschland. "Im laufenden Quartal wird die gesamtwirtschaftliche Aktivität voraussichtlich deutlich schwächer zulegen", schreiben die Volkswirte der Bundesbank in dem Monatsbericht. "Der kräftige Schwung im Dienstleistungssektor dürfte erheblich nachlassen. (...) Das Verarbeitende Gewerbe dürfte weiter unter den Lieferschwierigkeiten leiden."

Lieferengpässe verhindern Konjunkturerholung

Im dritten Quartal profitierte beispielsweise das Gastgewerbe vom Zurückdrehen der Corona-Einschränkungen. "Die deutsche Wirtschaft erholte sich im Sommer 2021 weiter", bekräftigte die Bundesbank. "Die wirtschaftliche Aktivität dürfte noch leicht stärker gestiegen sein als im Frühjahr." Dass Lieferengpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten die Produktion in der Industrie dämpften, habe ein noch stärkeres Wirtschaftswachstum im Sommer verhindert.

Nach dem Einbruch der Wirtschaftsleistung im Corona-Lockdown zu Jahresbeginn (minus 2,0 Prozent) hatte das BIP in Deutschland im Zeitraum April bis einschließlich Juni 2021 zum Vorquartal zum 1,6 Prozent zugelegt.

Nachdem bis zur Jahresmitte die Konjunkturindikatoren mehrheitlich eine Erholung aus dem Corona-Tief andeuteten, hatte bereits die Umfrage des ZEW im September eine Abschwächung der Stimmung unter Finanzinstituten signalisiert. 

ZEW-Konjunkturerwartungen sinken viertes Mal in Folge

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