FinanzBusiness

BaFin sieht für deutsche Banken keine Evergrande-Gefahr

Die Aufseher schätzen das Exposure der deutschen Finanzinstitute so gering ein, dass sie keine Notwendigkeit für einen Stresstest sehen.

Schriftzug der Evergrande Group in Shenzhen | Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Miyuki Yoshioka

Die Finanzaufsicht BaFin sieht derzeit keine Veranlassung für eine vertiefte Prüfung deutscher Banken wegen der Krise des zweitgrößten chinesischen Immobilienentwicklers Evergrande.

"Im vorliegenden Fall schätzt die BaFin das Exposure der deutschen Finanzwirtschaft auf Basis der ihr aus dem aufsichtlichen Meldewesen vorliegenden Informationen aktuell als so gering ein, dass sie diesbezüglich von den unter ihrer Aufsicht stehenden Instituten bislang keinen Stresstest angefordert hat", heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Reginald Hanke.

Im vorliegenden Fall schätzt die BaFin das Exposure der deutschen Finanzwirtschaft (...) als so gering ein, dass sie diesbezüglich von den unter ihrer Aufsicht stehenden Instituten bislang keinen Stresstest angefordert hat.

Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Reginald Hanke

Im Kern würde es bei einem solchen Test darum gehen, zu klären, wie groß die Gefahr wäre, dass Banken Kreditausfälle verkraften müssten, sollte sich die Evergrande-Krise weiter zuspitzen.

Der Konzern hat Schulden von umgerechnet mehr als 300 Milliarden Dollar (rund 256 Milliarden Euro) angehäuft. Anleger befürchten einen Zahlungsausfall. Evergrande muss Geld auftreiben, um Banken, Zulieferer und Anleihegläubiger fristgerecht zu bezahlen. Der Konzern ist so groß, dass einige Marktteilnehmer eine "Ansteckungsgefahr" für die chinesische Wirtschaft und darüber hinaus befürchten.

Evergrande besorgt auch deutsche Wirtschaft 

Die BaFin behalte "die Situation aufgrund der dynamischen Entwicklung um die Evergrande Group in Bezug auf mögliche Auswirkungen auf die deutsche Finanzwirtschaft ganz genau im Blick", teilte das Ministerium mit.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Gerald Ullrich äußerte sich skeptisch: "Man kann nur hoffen, dass die BaFin mit dieser Unbesorgtheit richtig liegt und nach den Skandalen der letzten Jahre zum Beispiel bei Wirecard mit ihrer Prognose dieses Mal richtig liegt."

Im Fall von Wirecard war weder der BaFin noch den Wirtschaftsprüfern von EY der mutmaßlich über Jahre laufende Milliardenbetrug des inzwischen insolventen Zahlungsdienstleisters aufgefallen.

Kreditversicherer Atradius gelassen


Auch beim zweitgrößten deutschen Kreditversicherer überwiegt derzeit Gelassenheit: "Die aktuelle Schieflage von Evergrande dürfte nicht zu einer weltweiten Wirtschaftskrise wie 2008 bei der Lehman-Pleite führen", schrieb Michael Karrenberg, Regional Director Risk Services Germany, Central, North, East Europe & Russia/CIS bei Atradius, in einer Einschätzung am Mittwoch. Erste Anzeichen deuteten bereits darauf hin, dass die Regierung in Beijing Maßnahmen ergreife, um die wirtschaftliche Lage zu stabilisieren und eine Kettenreaktion abzuwenden.

Mehr von FinanzBusiness

Betongold und Emotionen: Das schwierige Geschäft von Wertfaktor

Der Teilverkauf von Immobilien ist ein neues Geschäftsmodell und kein einfaches. Darauf reagiert ein Anbieter jetzt mit einem Kundenbeirat. Aber das Geschäft wächst - das Hamburger Startup Wertfaktor konnte eine weitere Volksbank als Partner gewinnen. FinanzBusiness hörte sich um.

Fast 40 Prozent der Deutschen verhandeln nie ihr Gehalt

Dabei zahlt sich eine Gehaltsverhandlung meistens aus - 42 Prozent der Studienteilnehmer gaben eine höhere Gehaltsabrechnung an. Die Rechnung geht auch für Bankangestellte auf. Im Gegenzug hat jeder vierte Deutsche allerdings noch nie eine Lohnsteigerung erzielt.

"Das Modell der Universalbank steht unter Druck", sagt Max Flötotto

Zwar fanden die Berater von McKinsey heraus, dass die Banken bislang gut durch die Covid-19-Pandemie gekommen sind, gleichwohl an Profitabilität eingebüßt haben. FinanzBusiness fragte bei Max Flötotto, Senior Partner und Leiter der deutschen Banking Practice der Beratungsgesellschaft nach.

Lesen Sie auch

Mehr dazu

Neueste Nachrichten

Finanzjob