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Evergrande besorgt auch deutsche Wirtschaft

Anleger fürchten einen Zusammenbruch des Immobilienkonzerns Evergrande, der Schulden von mehr als 300 Mrd. Dollar aufgehäuft hat. China ist der zweitwichtigste Absatzmarkt für deutsche Waren und Dienstleistungen nach den USA.

Fußgänger vor einem Immobilienprojekt von Evergrande, dem Evergrande city plaza, in Beijing | Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Andy Wong

Die deutsche Wirtschaft blickt mit Sorge auf die Krise um den zweitgrößten chinesischen Immobilienentwickler Evergrande.

Die Gefahr einer Überhitzung des chinesischen Immobilienmarktes ist nicht von der Hand zu weisen.

Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK)

"Die Gefahr einer Überhitzung des chinesischen Immobilienmarktes ist nicht von der Hand zu weisen", sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

Volker Treier, Außenwirtschaftschef, DIHK | Foto: DIHK
Volker Treier, Außenwirtschaftschef, DIHK | Foto: DIHK

Die deutschen Unternehmen sind besorgt, dass dort eine Blase platzten könnte.

Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK)

"Die deutschen Unternehmen sind besorgt, dass dort eine Blase platzten könnte." Sie wären davon zwar nicht direkt betroffen, indirekt aber schon. "Der Konsum in China könnte dann leiden oder der Bau als wichtiger Konjunkturmotor ausfallen", sagte Treier.

"Das könnte dann auf den Konsum durchschlagen und den Absatz höherpreisiger Produkte wie etwa deutsche Autos dämpfen." China ist der zweitwichtigste Absatzmarkt für Produkte "Made in Germany" nach den USA: 2020 wurden Waren im Wert von rund 96 Mrd. Euro dorthin verkauft.
 

Anleger fürchten einen Zusammenbruch des Immobilienkonzerns Evergrande, der unter einem Schuldenberg von mehr als 300 Mrd. Dollar (rund 254 Mrd. Euro) ächzt. Zudem gibt es die Sorge, dass eine Insolvenz Schockwellen durch das chinesische Bankensystem jagt. "Aktuell gehen wir aber davon aus, dass die Regierung in Peking gezielt Luft aus der Immobilienblase lässt - etwa durch die Verteuerung von Krediten", sagte Treier. Man erwarte daher bislang eine "weichen Landung".

Das sieht der Chefökonom des Mercator-Instituts für China-Studien (Merics), Max Zenglein, ganz ähnlich. Er rechne nicht damit, dass der Immobilienmarkt in der Volksrepublik kollabiere oder es dort zu einer Finanzkrise komme. "Das wäre eine Katastrophe", sagte der China-Experte.

Gefahr von Zahlungsausfällen bei Anleihen

Die Folgen für Deutschland dürften sich auf Zahlungsausfälle bei Anleihen sowie die Auswirkungen einer möglichen Zerschlagung des Konzerns beschränken. "Für Deutschland sollte der Fall aber als gutes Beispiel dafür dienen, welche Risiken im chinesischen Finanzsystem schlummern", sagte Zenglein. "Investoren haben ja neuerdings immer mehr Möglichkeiten, direkt auf dem Markt zu agieren."

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