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Die Uhr tickt für E-Ladesäulen ohne Kartenleseterminal

Ab 2023 müssen alle neu errichteten E-Ladesäulen mit Kartenleseterminals ausgestattet sein. Führt das zu einem Bauboom? FinanzBusiness hat sich umgehört.

Stecker eines Ladekabels steckt in einer Ladestation für Elektroautos | Foto: picture alliance/dpa | Carsten Koall

Die Automobilbranche dürfte den Atem angehalten haben, während bei Banken Erleichterung überwog. Seit Mitte September steht fest: Ab Juli 2023 muss es möglich sein, an neuen E-Ladesäulen mit Kredit- oder Debitkarte zu zahlen. Das bedeute für die Betreiber Kosten von 500 bis 1000 Euro, sagte Bernd Buchholz, Verkehrsminister Schleswig-Holstein (FDP) noch in der Bundesratssitzung.

Knackpunkt Baugenehmigungen

Eine Tatsache, die auch die Betreiber der Säulen umtreibt. Jetzt noch schnell bauen oder an alten Plänen festhalten? "Ich gehe davon aus, dass das in der Branche diskutiert wird.", sagt Heiko Willrett. Der Sprecher der EnBW Energie Baden-Württemberg, hält sich aber in Bezug auf die eigenen Pläne bedeckt. "Wir wollen aber generell bis zum Jahr 2025 auf 2500 Ladesäulen kommen. Aktuell haben wir über 600." Die Frage, ob es jetzt einen Bauboom im Haus gebe, stelle sich also nicht wirklich, man baue schon mit Hochdruck. Doch vieles hänge von Baugenehmigungen ab, deren Erhalt unterschiedlich lange dauere.

In anderen Bereichen laden wir gerne Apps runter.

Heiko Willrett, Sprecher der EnBW Energie Baden-Württemberg

Von Kartenterminals an den Säulen hält Willrett generell wenig. "Die sind hochgradig vandalismusgefährdet und dadurch wartungsanfällig." Mit Apps zu zahlen sei einfacher, aber für Kunden noch eine Hürde, da man es von der Tankstelle anders kenne. "In anderen Bereichen laden wir gerne Apps runter."

Nachrüstung auch ohne Pflicht empfehlenswert

Unterdessen gibt Markus Emmert beim Bundesverband eMobilität zu bedenken, dass in der Verordnung auch geregelt ist, dass nach März 2022 installierte Säulen schon entsprechend nachzurüsten sind. "Von daher ist die Zeit ein wesentlicher Faktor, da es ja nicht nur um den Bau, sondern auch um entsprechende Genehmigungen und Inbetriebnahme geht. Und bis zum März 2022 sind es nur noch fünf Monate", sagt er.

Emmert leitet beim Verband die Abteilung Organisation, BEM-Arbeitsgruppen und strategische Kooperationen. Viel wichtiger sei ihm jedoch eine andere Perspektive: Eine Ladesäule müsse einfach zu erreichen und zu bedienen sein. "Was wiederum bedeutet, dass auch ohne Nachrüstpflicht, eine Nachrüstung zu empfehlen ist, um die Attraktivität für den Ladepunkt zu erhöhen."

Wichtig ist deshalb laut Emmert auch die europäische Perspektive, denn mit der neuen Verordnung ermögliche man den Zugang für jeden Bürger, der sich in Europa bewegt ohne eine regionale Ausgrenzung, was die Attraktivität an den Ladepunkten und in Sachen eMobilität insgesamt deutlich erhöhen werde.

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