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Unternehmen zögern bei Bankkrediten, Banken bei der Vergabe

Die Nachfrage nach Firmenkrediten ist Ende 2020 deutlich gesunken. KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib spricht in ihrer aktuellen Analyse schon von einem neuen Rekordtief. Parallel steigen die Kredithürden.

KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib | Foto: KfW

Der zweite Lockdown im Herbst vergangenen Jahren bedeutete für viele Unternehmen neue, teils massive Einbußen – an ihre Bank wenden sich trotzdem nur vergleichsweise wenige: Laut KfW-ifo-Kredithürde brach das Interesse an Bankfinanzierungen im 4. Quartal 2020 geradezu ein.

Der Anteil der Mittelständler, der Kreditverhandlungen mit Banken führte, reduzierte sich der KfW zufolge um rund acht Prozentpunkte auf 22,1 Prozent. Bei Großunternehmen sei der Rückgang mit fast elf Prozentpunkten sogar noch ausgeprägter gewesen. "In dieser Größenklasse suchten zuletzt noch 28,7 Prozent den Weg zu ihrer Bank", so die KfW-Analyse. "Das sind die jeweils niedrigsten beobachteten Werte seit Beginn der Befragungen im Jahr 2017."

Der Hauptgrund ... dürfte eine ausgeprägte Investitionszurückhaltung der Unternehmen aufgrund der Unsicherheit über den weiteren Pandemieverlauf sein.

Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW, in Mitteilung

Zurückhaltung bei Investitionen

Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW, spricht von einem neuen Rekordtief und erklärt die Corona-Krise zum Auslöser.

"Der Hauptgrund ... dürfte eine ausgeprägte Investitionszurückhaltung der Unternehmen aufgrund der Unsicherheit über den weiteren Pandemieverlauf sein", sagt sie. Das sei aus Unternehmenssicht verständlich, habe aber für die Gesamtwirtschaft mittelfristig schwere Folgen, "weil so der Rückstau bei wichtigen strukturellen Themen wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit immer größer wird".

Zusätzlich bremsend auf die Nachfrage nach Finanzierungen wirken laut Köhler-Geib sowohl die Staatshilfen als auch die Tatsache, dass – anders als im ersten Lockdown – manche Wirtschaftszweige kaum Einschränkungen ausgesetzt waren. Als Beispiel nennt sie das Verarbeitende Gewerbe.

"Meiner Einschätzung nach dürfte es darüber hinaus auch eine Rolle spielen, dass einige Unternehmen zusätzliche Verschuldungslasten zur Kompensation von Umsatzverlusten mit anhaltender Krise nicht mehr tragen können oder wollen", argumentiert sie.

Meiner Einschätzung nach dürfte es darüber hinaus auch eine Rolle spielen, dass einige Unternehmen zusätzliche Verschuldungslasten zur Kompensation von Umsatzverlusten mit anhaltender Krise nicht mehr tragen können oder wollen.

Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW, in Mitteilung

Kredithürden wachsen weiter

Eine Ursache für die Zurückhaltung dürfte allerdings auch bei den Banken zu suchen sein, wie die KfW-Analyse zeigt:

  • Für Unternehmen, die Kreditfinanzierungen suchten, würden die Schwierigkeiten zunehmen, heißt es. Die KfW-ifo-Kredithürde für den Mittelstand sei im Schlussquartal 2020 zwar nur geringfügig um 0,4 Prozentpunkte gestiegen, aber immerhin zum sechsten Mal in Folge - sie liegt jetzt bei 22,1 Prozent.
  • Besonders restriktiv verhielten sich die Banken bei Kreditanfragen mittelständischer Dienstleister (29,5 Prozent; Vorquartal: 26,4 Prozent); Kleine und mittelständische Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes meldeten indessen Entspannung (16 Prozent; Vorquartal: 20,5 Prozent).
  • Auch großen Unternehmen begegneten Banken wieder skeptisch, so die KfW: Der Anteil der Firmen, die von Kreditproblemen berichteten, stieg im vierten Quartal auf 19,6 Prozent – im Sommerquartal 2020, von Juli bis September, lag der Wert bei 14,7 Prozent.

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