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Corona treibt die Banken in die Cloud

Die Banken drängen in die Cloud - doch dabei schauen sie genau hin, wo die Nutzung großer US-Anbieter möglich ist - und wann sie lieber auf private oder hybride Lösungen setzen, wie eine Lünendonk-Studie zeigt.

Smartphone mit Wolke im Display, Symbolfoto Cloud-Speicher | Foto: picture alliance/chromorange

Die Deutsche Börse tut es, die Deutsche Bank hat es angekündigt und die Sparkassen auch - sie alle wollen 2020 in die Cloud. Einzelfälle sind das nicht: Das zeigt eine Trendstudie von Lündendonk, die der Frage nachgegangen ist, wo die Banken und Versicherungen in Sachen Cloud-Services im "Corona-Jahr" stehen.

Die Antwort: Über 70 Prozent nutzten in diesem Jahr bereits die Cloud – wenn auch in sehr unterschiedlichem Umfang. "Aber es zeigt sich immer mehr, dass frühere Vorbehalte wie Informationssicherheit, IT-Security oder hohe Komplexität in der Providersteuerung mit zunehmender Reife der Cloud-Provider und ihrer Services immer mehr verschwinden", schreibt Mario Zillmann, Partner bei Lünendonk & Hossenfelder in einer gemeinsam mit KPMG erstellten Studie. Grundlage des Papiers sind Experten- und Hintergrundgespräche mit zwölf CIOs und Digital- und IT-Managern.

Corona hebt die Cloud auf die Vorstands-Agenda

Auch die Corona-Pandemie verändert die Ausgangssituation: Weil die Digitalisierung nun eine höhere "Management Attention" hat. Entsprechend sagen mache Studienteilnehmer auch einen schnellen Siegeszug der Cloud voraus: "Die digitale Transformation ohne den Einsatz der Cloud wird nicht funktionieren und ich gehe davon aus, dass sich in maximal fünf Jahren Cloud-Angebote im Banking komplett durchgesetzt haben“, sagt Matthias Kreft, Abteilungsleiter IT der DZ Bank im Rahmen der Studie.

Die digitale Transformation ohne den Einsatz der Cloud wird nicht funktionieren und ich gehe davon aus, dass sich in maximal fünf Jahren Cloud-Angebote im Banking komplett durchgesetzt haben.

Matthias Kreft, Abteilungsleiter IT der DZ Bank

Die neue Bereitschaft drückt sich auch in steigenden Budgets aus: 43 Prozent der Banken und Versicherungen wollen im Jahr 2021 laut einer anderen Lünendonk-Studie ihre Budgets für IT-Strategie und IT-Architektur um bis zu fünf Prozent erhöhen, sogar weitere 25 Prozent der Unternehmen haben vor, diese Investitionen um mehr als fünf Prozent zu erhöhen.

Den Befragten geht es bei ihren Cloud-Investitionen nicht so sehr um Kostenreduzierungen, sondern eher um Digitale Effizienz, also die Optimierung von Geschäftsprozessen (78 Prozent) sowie die Verbesserung der Beziehung zum Kunden, etwa durch den Einsatz von Apps (47 Prozent).

Hyperscaler werden salonfähig

Bislang war die Vorsicht, mit denen gerade Banken den sogenannten "Hyperscalern", also den drei führenden Public-Cloud-Anbieter Amazon Web Services, Google Cloud und Microsoft Azure begegneten groß  auch weil vonseiten der Aufsicht Bedenken gegen die US-Giganten angemeldet wurden.

In der Lündendonk-Studie bekommen die drei alledings gute Noten von den Experten, vor allem was ihre Fach- und Technologieexpertise sowie die Erfüllung der aufsichtsrechtlichen Vorgaben angeht. Im Hinblick auf Softwareentwicklung, Automatisierung, Cyber Security, Data Analytics und künstliche Intelligenz wollen Banken und Versicherungen von der Innovationskraft der Hyperscaler profitieren.

Dort, wo es passt, stellen wir als Bank auf Cloud um – aber ohne Druck und mit hoher Risikoabwägung. Zwei Drittel unserer ITSysteme sind aktuell aber bereits ‚cloud ready‘.

Studienteilnehmer aus dem Bankensektor.

Allerdings gehen Banken und Versicherungen ihre Cloud Journey weiterher unter dem Eindruck massiver Regulierung sehr risikoorientiert an. "Dort, wo es passt, stellen wir als Bank auf Cloud um – aber ohne Druck und mit hoher Risikoabwägung. Zwei Drittel unserer ITSysteme sind aktuell aber bereits ‚cloud ready‘, sagt ein Studienteilnehmer aus dem Bankensektor.

Public, privat oder hybrid

Den Hypercalern wie Google traut man dort, wo es um Commodity-Anwendungen geht, die keine hochsensiblen Geschäfts- und Kundendaten enthalten (z. B. Trading-Anwendungen, Data Analytics, Collaboration) am ehsten über den Weg. Auch für die Entwicklung digitaler Produkte werden die Public-Cloud-Plattformen als gute Option angesehen.

Bei geschäftskritische Anwendungen entscheiden sich die IT-Manager aber lieber für lieber für die Private Cloud oder eine hybride Lösung.

Wichtig für die IT-Manager: In jedem Fall sollten Cloud-Strategien eine Multi-Provider-Ansatz sowie Exit-Strategien für den Fall, dass Hyperscaler bestimmte Cloud-Services abschalten, enthalten.

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