FinanzBusiness

Darknet-Händler werden angeklagt

Im April 2019 gelang Ermittlern ein Schlag gegen den zweitgrößten Online-Marktplatz für illegale Waren im Darknet. Nun werden die drei Hintermänner von "Wallstreet Market" angeklagt.

Drogenkauf im Darknet-Shop Foto: picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa

Bis 2019 war die Darknet-Plattform "Wallstreet Market" ein riesiger Handelsplatz für Drogen, gefälschte Dokumente, ausgespähte Daten und Schadsoftware. Bis die Ermittler zuschlugen und die Betreiber der Seite festsetzten.

Nun ist Anklage gegen die drei Männer aus Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg erhoben worden, wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Montag (22.6.) mitteilte.

Den Beschuldigten wird vorgeworfen den Online-Marktplatz aufgebaut und betrieben zu haben. Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) wirft ihnen zudem bandenmäßigen unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor. Zwei der Angeklagten müssen sich auch wegen Untreue verantworten.

Die drei mutmaßlichen Täter waren im April 2019 festgenommen worden, wobei die Ermittler Bargeldbeträge in Höhe von über 550.000 Euro, Bitcoins in vierstelliger Höhe sowie Schmuck, teure Sportwagen und weitere Vermögensgegenstände sicherstellten.

Gute Geschäfte mit Provisionen

Nach Angaben der Strafverfolger verdienten die Beschuldigten von März 2016 bis April 2019 ihr Geld vor allem mit den Provisionen und Verkaufsgebühren, die sie auf "Wallstreet Market" erhoben.

Über die treuhänderisch von ihnen verwalteten Zahlungskonten, sogenannte Wallets, sollen sie dabei Zugriff auf umgerechnet etwa 36 Mio. Euro erlangt haben, aus denen sie sich Provisionen von 2 bis 5,5 Prozent ausgezahlt haben sollen.

Nach Angaben der Strafverfolger waren auf dem Online-Marktplatz zuletzt mehr als 63.000 Verkaufsangebote eingestellt und 6200 Verkäufer registriert. Zudem gab es knapp 1,1 Millionen Kundenkonten. Für die Bezahlung verwendeten die Nutzer die Kryptowährungen Bitcoin und Monero. Anfang Mai 2019 wurde die Webpräsenz von "Wallstreet Market" vom Netz genommen.

Vorbereitungen für den "Exit-Scam"

Ein 33-Jähriger aus Bad Vilbel hatte sich aber offenbar im März aus dem Geschäft zurückgezogen. Seine beiden Partner, ein 23-Jähriger aus Kleve und ein 30-Jähriger aus dem Landkreis Esslingen, leiteten dann ab April das Geld, das auf ihrer Plattform für die meist illegalen Geschäfte überwiesen wurde, in die eigenen Taschen um. Rund 8,6 Mio. Euro kamen so zusammen.

Offenbar bereiteten sich die beiden darauf vor, den Marktplatz zu schließen und mit dem Geld der Händler zu verschwinden. Dieser Betrugstrick ist bei Darknet-Betreibern bekannt und wird in der Szene als "Exit-Scam" bezeichnet.

Täter wähnten sich in trügerischer Sicherheit

Zu diesem Zeitpunkt waren die Ermittler aber bereits auf die Plattform-Betreiber aufmerksam geworden.

Die Angeklagten wähnten sich zu diesem Zietpunkt scheinbar auch in Sicherheit, weil sie davon ausgingen, dass Transaktionen mit Bitcoins aus den Drogengeschäften nicht nachzuvollziehen wären. Zudem nutzen sie unzureichend gesicherte VPN-Verbindungen.

Weil die drei sich kooperativ zeigten und unter anderem Zugangsdaten zu den sichergestellten Datenträgern und Kryptowallets preisgaben, wurden sie zwischenzeitlich aus der Untersuchungshaft entlassen. Wann der Prozess gegen sie beginnt, steht noch nicht fest.

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