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Deutsche Bank kommt bei der Integration der Postbank-IT nur langsam voran

Die Verzögerung soll 70 Millionen Euro kosten und den Plan von Vorstandschef Christian Sewing verzögern, 300 Millionen Euro einzusparen.

Postbank-Filiale | Foto: picture alliance/dpa | Horst Galuschka

Bei der Deutschen Bank gibt es Verzögerungen und Kostenüberschreitungen bei der Integration der IT-Systeme der Postbank. Das berichtet die ”Financial Times” (FT). Durch das langsame Vorankommen soll auch der Sanierungsplan von Vorstandschef Christian Sewing in Verzug geraten.

Die geplante Integration der Postbank-IT soll nun Monate länger dauern, was die Deutsche Bank laut dem Zeitungsbericht 70 Mio. Euro kosten wird. Damit rückt auch das Ziel, im laufenden Jahr 300 Mio. Euro einzusparen, in die Ferne.

Die seit langem geplante vollständige Migration der IT-Infrastruktur der Postbank war bereits auf 2023 verschoben worden, weil das Projekt unter dem Codenamen ”Unity” sich als weitaus komplexer erwiesen hat. Laut dem Bericht der FT liegt das auch daran, dass die Manager bei der Übertragung sensibler Kundendaten keinen Pfusch riskieren wollen.

Aufgrund anhaltender Probleme bei der Migration von Kundendaten habe die Bank im Mai dieses Jahres beschlossen, die Frist mindestens bis Mitte 2023 zu verlängern. Zu diesem Zeitpunkt sei es der Bank nur gelungen, 4 Mio. Postbank-Kunden, die relativ einfache Sparprodukte nutzen, zu migrieren, schreibt die Zeitung.

Schwierige Kunden-Migration

Die Migration der verbleibenden 8 Mio. Postbank-Kunden - darunter solche, die Girokonten, Kreditkarten oder Brokerage-Dienste nutzen - wurde auf das zweite Quartal 2023 verschoben.

Externe IT-Dienstleister, denen mitgeteilt wurde, dass ihre Verträge nicht über das Jahr 2022 hinaus verlängert werden sollten, wurden nun gebeten, ihre Arbeit zu verlängern - auch das wird teurer für die Bank.

Die Deutsche Bank bestätigte die Verzögerungen gegenüber der FT, sagte aber, dass die ”Dauer des Projekts” um nur drei Monate verlängert worden sei, und fügte hinzu, dass es ”immer noch für 2023 geplant” sei. Einer der Gründe für die Verzögerung soll laut der Bank die Umsetzung des BGH-Urteils zu den AGB der Banken aus dem Jahr 2021 sein.

Geplante Milliarden-Einsparungen bei der Privatkundenbank

Bislang hatte die Deutsche Bank stets berichtet, mit dem Integrationsprojekt auf einem guten Weg zu sein. ”Wir sind da, wo wir hinwollen”, sagte Sewing im Januar und betonte, dass die Bank ihre Versprechen an die Investoren trotz des schwierigen Umfelds eingehalten habe. Die Verschlankung des schwächelnden Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank ist ein wichtiger Bestandteil von Sewings Restrukturierungsprogramm ”Compete to Win”.

Die Deutsche Bank hatte angekündigt, dass die Privatkundenbank bis 2022 Kosten in Höhe von 1,4 Mrd. Euro einsparen würde, wobei 300 Mio. Euro auf die Abschaltung der IT-Infrastruktur der Postbank entfallen sollten. Bislang hat die Bank 900 Mio. Euro realisiert, und sie geht davon aus, dass die vollen 300 Mio. Euro an Postbank-bezogenen Synergien erst im Jahr 2025 erzielt werden können.

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