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Großbanken wird in Basel der Rücken gestärkt

Einige Institute können sich als Gewinner der Regeländerung der globalen Bankenaufsicht fühlen. Diese vereinheitlicht die Risikoberechnung für die europäische Bankenunion.

Hauptsitz der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). | Foto: picture alliance/KEYSTONE | GEORGIOS KEFALAS

BNP Paribas, Unicredit und die ING Group dürften zu Gewinnern einer Regeländerung der globalen Bankenaufsicht werden, die die Risikoberechnung für die europäische Bankenunion - im wesentlichen deckungsgleich mit der Eurozone - vereinheitlicht. Für den Frankfurter Platzhirsch Deutsche Bank ergibt sich eine geringere Änderung. Bei den systemrelevanten Großbanken mit Hauptsitz in der Bankenunion würden den Änderungen zufolge Engagements, die innerhalb der Union grenzüberschreitend sind - etwa in Italien vergebene Kredite einer französischen Bank - wie inländische Risiken behandelt, wie aus Dokumenten des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht hervorgeht, die Bloomberg vorliegen. Daraus ergibt sich für die Zwecke der Kapitalberechnung ein geringeres Risiko.

Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hält sich bedeckt

BNP würde am meisten profitieren, da das Unternehmen den höchsten Kapitalaufschlag aller systemrelevanten Banken in der Eurozone hat und die Änderungen wahrscheinlich eine Reduzierung des Aufschlags bewirken würden. Die Änderungen, die schon heute verkündet werden könnten, würden auch grenzüberschreitende Übernahmen erleichtern, da diese nicht mehr unbedingt von strengeren Kapitalanforderungen begleitet werden würden.

Die Entscheidung ist ein Erfolg für die Banken, die seit langem argumentieren, dass Aufsichtsbehörden und Investoren den Euroraum als einen einheitlichen Markt betrachten sollten, da er wie die USA eine gemeinsame Währung hat und über eine gemeinsame Zentralbank, eine Bankenaufsicht und einen Abwicklungsrahmen verfügt.

Sprecher der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, die für die Kommunikation des Basler Ausschusses zuständig ist, und der Europäischen Zentralbank, die die größten Banken der Eurozone beaufsichtigt, lehnten eine Stellungnahme ab. Eine Sprecherin von BNP Paribas wollte sich ebenfalls nicht äußern. Auch die EZB hatte argumentiert, dass sich die Bankenunion in geringeren Kapitalaufschlägen für die sogenannten global systemrelevanten Banken niederschlagen sollten. Die Einigung im Basler Ausschuss erlaubt es, die Aufschläge für Banken aus der Union um maximal eine Stufe zu senken. Die Einstufung der Banken als systemrelevant wird davon nicht berührt.

Für die Deutsche Bank ändert sich nichts

Für die BNP würde der geforderte Puffer um 50 Basispunkte sinken, während die Deutsche Bank nach vertraulichen Berechnungen der EZB, die auf Daten von Ende 2020 basieren, in der derzeitigen Kategorie für die Kapitalanforderungen verbleiben würde. UniCredit und ING sind in der Analyse der EZB als Nutznießer aufgeführt; sie müssten mit der neuen Methode wohl weniger Sorge haben, durch Zukäufe in eine höhere Kategorie zu rutschen.

Die Liste der weltweit systemrelevanten Banken wird einmal im Jahr vom Financial Stability Board auf der Grundlage der Daten vom Ende des Vorjahres veröffentlicht. Derzeit umfasst sie 30 Kreditgeber. Eine Sprecherin des FSB lehnte eine Stellungnahme ab.

JP Morgan Chase ist die systemrelevanteste Bank der Welt

Im Basler Ausschuss, der globale Standards für die Bankenaufsicht festlegt, sind die EZB, die Federal Reserve, die
Bank of England und andere Institutionen vertreten.

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