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Wirecard entpuppt sich als Räuberpistole

Der Bilanzskandal und die darauf folgende Insolvenz des ehemaligen Dax-Konzerns beherrschten die Wirtschaftsberichterstattung 2020. Auch 2021 sieht es danach aus, dass Wirecard noch für Schlagzeilen sorgen wird - hoffentlich mit mehr Aufklärungs- als Skandalcharakter.

2021 wird der Wirecard-Skandal noch genauer unter die Lupe genommen. | Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto | Fleig / Eibner-Pressefoto

"Glaubt denn hier niemand mehr an Comebacks?", fragt Gordon Gekko gegen Ende des Films "Wall Street: Geld schläft nicht". Im Fall Wirecard dürfte die Antwort auf die Frage mit geradezu 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit "nein" lauten - auch wenn der Aktienkurs gestern zeitweise um mehr als 260 Prozent zulegte und damit erstmals seit September wieder über der Marke von einem Euro lag.

In diesem Jahr wird die Aufklärung des Skandals weitergehen - oder sollte man besser sagen, erst richtig beginnen? Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, sowie die Aufarbeitung der politischen Dimension des Skandals durch den Bundestag-Untersuchungsausschuss werden wohl dazu beitragen, dass mehr Details zu Versäumnissen und Täuschungsmanövern ans Licht kommen.

Denn die Liste der zu klärenden Fragen ist nach wie vor lang:

  • Wie war es möglich, dass Milliarden beiseite geschafft und Konten erfunden wurden?
  • Wie viele und wer wusste im Konzern von dem Betrug?
  • Wer trägt die Verantwortung auf der politischen Bühne?
  • Hat die Aufsicht richtig gehandelt?
  • Wieso schauten die Kreditgeber nicht in den neunseitigen Zusatzbericht der Wirtschaftsprüfer von EY, in dem Auffälligkeiten schon 2018 beschrieben sind?
  • Und nicht zuletzt: Wo hält sich Jan Marsalek auf?

    Fahndungsaufruf nach Jan Marsalek | Foto: dpa / Daniel Bockwoldt
    Fahndungsaufruf nach Jan Marsalek | Foto: dpa / Daniel Bockwoldt

Bankchefs vor dem Untersuchungssausschuss im Januar

Den Aufschlag macht gleich zu Beginn des neuen Jahres der Untersuchungsausschuss mit seiner Sitzung am 14. Januar. Dann geht es um die Frage, wieso auch die größten europäischen Banken nichts gemerkt haben und stattdessen ihre Kreditzusagen 2018 nochmal verlängerten.

In den Zeugenstand geladen sind nach Information von FinanzBusiness Christian Sewing, als Deutsche-Bank-Chef, und Martin Zielke, der bis Ende Dezember CEO der Commerzbank war. Sowie Marcus Chromik und Marcus Kramer als Chief Risk Officer von Commerzbank und BayernLB sowie Vertreter der Bank Goldman Sachs und der KfW Ipex Bank.

Top-Politiker 2021 vor dem Untersuchungsausschuss

Es folgen weitere Sitzungen, in denen das Who-is-Who der deutschen Politik befragt werden soll. Allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel, aber auch Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier werden wohl in den Zeugenstand treten.

Sowie wegen des Firmensitzes in Aschheim bei München und der entsprechenden Zuständigkeit der Behörden und des Landeskriminalamts Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und der Chef der bayerischen Staatskanzlei Florian Herrmann.

Bundeskanzleramt-Beamte warnten vor Merkels China-Reise vor Wirecard 

Und auch BaFin-Präsident Felix Hufeld wird wohl noch Rede und Antwort stehen müssen.

Neues Gesetz auf dem Weg

Außerdem hat die Bundesregierung ein neues Gesetz auf den Weg gebracht, welches komplexe Firmenkonstrukte besser kontrollieren soll. Eine erste direkte Konsequenz aus dem Skandal also, die gesetzlichen Einzelheiten sind jedoch noch offen. Denn die Opposition bemängelt Lücken. Die genaue Ausgestaltung ist in den ersten Monaten 2021 zu erwarten.

Bringt der Kronzeuge Licht ins Dunkel?

Nicht so öffentlich, aber dafür wohl umso ertragsreicher könnte die Ermittlungsarbeit der Staatsanwaltschaft München I ausfallen. Der inhaftierte Oliver B., seinerseits ehemaliger Chef der Wirecard-Tochter aus Dubai, gilt als Kronzeuge. Er hat sich entschlossen "vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft zu kooperieren", wie aus internem Schriftverkehr, in den FinanzBusiness Einsicht hatte, hervorgeht.

Aber auch Markus Braun selbst, will als Ex-CEO mit der Staatsanwaltschaft sprechen. So begründete er zumindest sein Schweigen vor dem Untersuchungssausschuss im November.

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