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EZB-Chefvolkswirt für weitere Zinserhöhungen, aber in "gleichförmigem Tempo"

Die Inflation wird nach Auffassung von Philip Lane auch kurzfristig weiter hoch bleiben. Wie stark der nächste Zinsschritt ausfallen wird, ließ er bei einem Banken-Treffen in Barcelona offen.

Philip Lane | Foto: EZB

EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hat sich für ein stetiges Voranschreiten auf dem eingeschlagenen Kurs der Zinserhöhungen ausgesprochen. ”Eine gleichförmiges Tempo – das weder zu langsam noch zu schnell ist – ist beim Schließen der Lücke hin zur Zins-Endrate aus mehreren Gründen wichtig”, sagte Lane laut Redetext auf einem Banken-Treffen in Barcelona. ”Ein Anpassungspfad in multiplen Schritten in Richtung der Endrate erleichtert es auch, Korrekturen während des Kurses vorzunehmen, wenn sich die Umstände ändern,” erklärte er. Wie stark die nächste Zinserhöhung der EZB auf der Sitzung im September ausfallen sollte, sagte Lane nicht.

Ein Anpassungspfad in multiplen Schritten in Richtung der Endrate erleichtert es auch, Korrekturen während des Kurses vorzunehmen, wenn sich die Umstände ändern.

EZB-Chefvolkswirt Philip Lane

Am Wochenende hatten sich mehrere EZB-Währungshüter auf dem Geldpolitik-Symposium der US-Notenbank in Jackson Hole für einen erneuten großen Zinsschritt im September stark gemacht. Die EZB hatte im Juli im Kampf gegen die Inflation die Zinswende eingeleitet und dabei die Schlüsselsätze, anders als vorher in Aussicht gestellt, um kräftige 0,50 Prozentpunkte erhöht. Der Leitzins liegt damit aktuell bei 0,50 Prozent. Es war die erste Zinsanhebung seit elf Jahren. Die nächste geldpolitische Sitzung der EZB ist am 8. September. Am Geldmarkt wird inzwischen auch auf eine sehr große Zinserhöhung um 0,75 Prozentpunkte spekuliert - eine Anhebung um 0,50 Punkte ist bereits fest in den Kursen eingerechnet.

Große Herausforderungen für die Geldpolitik

In seinem Betrag wies Lane darauf hin, dass zu erwarten sei, dass die Inflation auch kurzfristig weiter hoch bleiben werde. Zu den treibenden Faktoren zählte er insbesondere den starken Preisdruck bei Gas und Energie sowie Lebensmitteln. Auf der anderen Seite würden unter anderem ein Rückgang der Lieferengpässe und der Abschluss der Wiedereröffnungsphase der Wirtschaft nach der Pandemie mit der Zeit dazu beitragen, dass die Inflation wieder sinkt. Die Herausforderung für die Geldpolitik sei, die Stärke und Hartnäckigkeit der Dynamiken hinter den hohen Inflationsraten zu bewerten.

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