Bitcoin & Co stehen unter Beobachtung

Der Wert des Bitcoin steigt und steigt - und damit auch die Aufmerksamkeit, die der ältesten Kryptowährung weltweit geschenkt wird. Der Coin, mit dem man eigentlich nichts bezahlen kann, wird vor allem von Notenbanken zunehmend kritisch gesehen.

Münzen populärer Kryptowährungen wie Ripple, Bitcoin und Ethereum | Foto: picture alliance / Daniel Kalker | Daniel Kalker

Er ist die Revolution der Geldpolitik, sagen die Einen. Oder der Vorzeigebeispiel einer perfekten Blase, die Anderen - am Aufstieg des Bitcoin scheiden sich die Geister.

Die älteste und bekannteste Kryptowährung ist im vergangenen Jahr zeitweise um über 750 Prozent im Plus gewesen - ihr Kurs schwankte aber auch immer wieder stark.

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Wie kontrovers die Zukunft des Bitcoin und anderer Digitalwährungen derzeit diskutiert wird, zeigt sich auch daran, wie verschiedene Zentralbanken sich zum Thema Kryptowährungen allgemein und dem Bitcoin-Hype im besonderen positionieren.

"Kryptowährungen wie der Bitcoin werden zur Zeit fast ausschließlich als Anlageobjekt genutzt" sagt Johannes Blassl im Gespräch mit FinanzBusiness. Der Jurist beschäftigt sich bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY intensiv mit Digital Assets.

Die Regulierung hat sich hier weltweit verschieden entwickelt. Letztlich wird sie aktuell auf ein Niveau gehoben, das mit der Regulierung bei herkömmlichen Anlageobjekten, wie etwa Aktien, vergleichbar ist.

Johannes Blassl, Jurist für Digital Assets bei Ernst&Young

"Die Regulierung hat sich hier weltweit verschieden entwickelt. Letztlich wird sie aktuell auf ein Niveau gehoben, das mit der Regulierung bei herkömmlichen Anlageobjekten, wie etwa Aktien, vergleichbar ist."

So plant die Bundesregierung etwa, dass Krypto-Zahlungen ab einem Wert von 1000 Euro künftig meldepflichtig werden sollen. Die Gefahr: Wallet-Anbieter und Verwahrer könnten angesichts der strenger werdenden Regeln ins Ausland abwandern. Dort allerdings ist die Regulierung auch nicht immer angenehm.

Regierung plant Offenlegungspflicht für Kryptowährungen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan | Foto: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan | Foto: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan

Besonders radikal ist beispielsweise die Türkei in der vergangenen Woche vorgegangen und hat kurzerhand ein Verbot erlassen. Wegen "signifikanter Risiken" werden Zahlungen mit Kryptowährungen ab Ende April untersagt, das Halten der digitalen Währungen bleibt wohl erlaubt.

Marktbeobachter vermuten, dass die Regierung um Präsident Recep Tayyip Erdogan die schwächelnde nationale Währung Lira vor weiterem Verfall schützen will. Das Land leidet unter einer großen Menge an Fremdwährungskrediten. Im Februar dieses Jahres lag die Inflationsrate in der Türkei laut türkischem Statistikamt bei 15,6 Prozent.

Als Reaktion hatte Notenbankchef Naci Agbal den Leitzins um zwei Prozentpunkte auf 19 Prozent angehoben. Daraufhin wurde er von Erdogan entlassen.

Die Testseite des E-Yuan auf einem Smartphone | Foto: Die Testseite des E-Yuan auf einem Smartphone
Die Testseite des E-Yuan auf einem Smartphone | Foto: Die Testseite des E-Yuan auf einem Smartphone

Ein Kehrtwende legte auch die Volksrepublik China hin - allerdings in die andere Richtung. Bitcoin und Stablecoins seien eine "Investment-Alternative", hieß es in dieser Woche vom Vize-Gouverneuer der People's Bank of China (PBOC), Li Bo. Bislang stand man den Krypos dort skeptisch gegenüber. Initial Coin Offerings (ICO) und heimische Kryptobörsen sind dort verboten. Ein Zahlungsmittel sei der Bitcoin aber nicht, ergänzte Bo.

"Grundsätzlich ist dies sicher eine positive Entwicklung", sagt EY-Partner Blassl zu der chinesischen Kehrtwende. "Jedoch muss man die Entwicklung abwarten und insbesondere auch beobachten, welche politische Agenda die chinesische Regierung hier genau verfolgt."

Denn China treibt die Entwicklung einer von der Zentralbank ausgegebenen eigenen Digitalwährung massiv voran. Der E-Yuan soll bereits zu den Olympischen Winterspielen 2022 für einen ersten Testlauf bereitstehen.

FED-Chef Jerome Powell | Foto: FED-Chef Jerome Powell
FED-Chef Jerome Powell | Foto: FED-Chef Jerome Powell

Auch der Präsident der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed), Jerome Powell, sieht den Bitcoin kritisch: Er sei eher ein Ersatz für Gold als für den Dollar. Kryptowährungen will er lieber als "Krypto-Assets" bezeichnen, da ihre große Volatilität ihre Fähigkeit zur Wertaufbewahrung untergrabe. Die sei aber eine der Grundfunktionen einer Währung.

Krypto-Anlagen sind hoch volatil - siehe Bitcoin - und daher nicht wirklich nützlich als Wertaufbewahrung.

Jerome Powell, Präsident der amerikanischen Notenbank Federal Reserve

"Krypto-Anlagen sind hoch volatil - siehe Bitcoin - und daher nicht wirklich nützlich als Wertaufbewahrung", so der Fed-Chef bei einer Konferenz im März 2021. Zudem plant das US-Finanzministerium, verstärkt gegen die Verwendung von Kryptowährungen für Geldwäsche vorzugehen.

EZB setzt auf Regulierung statt Verbote

In Europa geht die Tendenz eher in Richtung Regulierung, insbesondere, wenn es um die sogenannten Stablecoins geht, also Kryptogeld, das an Währungen oder Vermögenswerte wie Gold oder Aktien angelehnt ist und so eine geringere Volatilität hat als etwa der Bitcoin. Der Vorteil: Mit ihnen könnte man an der Ladenkasse tatsächlich bezahlen. 

"Bezüglich der Einführung von Kryptowährungen, die zum Bezahlen genutzt werden sollen - den sogenannten Stablecoins - sind die Regierungen weltweit deutlich kritischer", erklärt Blassl. "Hier ist insbesondere in den USA und in der Europäische Union mit einer massiven Regulierungswelle zu rechnen."

Gebäude der EZB in Frankfurt am Main | Foto: Gebäude der EZB in Frankfurt am Main
Gebäude der EZB in Frankfurt am Main | Foto: Gebäude der EZB in Frankfurt am Main

Erst vor kurzem hat die Europäische Zentralbank (EZB) ein Einspruchsrecht gefordert, wenn im Euroraum über die Einführung von Kryptowährungen entschieden wird. Die Bewertung der Risiken für die Geldpolitik oder für den Zahlungsverkehr durch solche Digitalwährungen solle allein ihr obliegen.

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Derweil lässt sich die EZB mit einer klaren Positionierung zu einer eigenen Digitalwährung Zeit. Derzeit wird noch geprüft, ob man ab Sommer über die Einführung eines Digitalen Euros nachdenken will.

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"Die EU und die EZB sind leider im weltweiten Vergleich deutlich zurück, insbesondere was die Entwicklung eines Digitalen Euros betrifft", meint Blassl.

Großbritannien auf dem Vormarsch

Der Entscheidungsprozess über so eine Einführung könnte laut EZB-Direktor Fabio Panetta noch Jahre dauern. Im Sommer 2020 soll der EZB-Rat entscheiden, ob eine formelle Untersuchungsphase zum Digitalen Euro überhaupt eingeleitet wird. Erst nach dieser Untersuchung soll dann die eigentliche Entscheidung für oder gegen den E-Euro und über seine Ausgestaltung getroffen werden.

EU zögert beim digitalen Euro

"Wünschenswerter wäre es, wenn die EZB mit einem konkreten Testprojekt startet. Selbst mit sofortigem Start eines solchen Testballons werden wohl mindestens noch fünf Jahre vergehen, bis wir in Europa einen Digitalen Euro haben. Dabei wäre dieser geradezu Effizienzgewinnen bei Finanztransaktionen innerhalb der EU sehr wichtig. Auch damit man hier nicht weltweit den Anschluss verliert", sagt Blassl.

Ihr Großbritannien gedeihen dagegen bereits Pläne, die EZB links zu überholen: Das Finanzministerium lässt die Möglichkeiten für ein digitales Pfund in einer Arbeitsgruppe ausloten. Eine Entscheidung für oder gegen den "Britcoin" ist damit aber noch nicht gefallen.