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Düstere Konkunkturerwartungen verheißen nichts Gutes für die Kreditwirtschaft

Die Hoffnungen, dass die Wirtschaft den Folgen der Corona-Pandemie schnell wieder entwächst, werden sich wohl nicht erfüllen.

Das größte Schiff der deutschen Marine, das Versorgungsschiff "Bonn" im Hamburger Hafen (Symbolbild). | Foto: picture alliance/Fotostand

Ein steiler Corona-Absturz, aber danach ein rascher Wirtschaftsaufschwung: Das war noch im Frühjahr die Erwartung vieler Ökonomen. Inzwischen aber gehen Spitzenverbände davon aus, dass die Krise länger andauert und die deutsche Wirtschaft trotz der Lockerungen in der Corona-Krise noch lange nicht über den Berg ist.

"Der Einbruch ist tief, der Weg heraus führt nicht so steil wieder nach oben, wie viele im Frühjahr gehofft haben", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer am Montag (20. Juli) laut der Nachrichtenagentur dpa.

Der Einbruch ist tief, der Weg heraus führt nicht so steil wieder nach oben.

Eric Schweitzer, DIHK-Präsident

"Das zweite Quartal war schlicht eine Katastrophe. Laut unseren Umfragen glaubt die Hälfte der Betriebe, dass sich ihre Geschäftslage erst 2021 oder sogar noch später wieder spürbar bessert", so Schweitzer.

Exportgeschäft als Dreh- und Angelpunkt

Deswegen sei der DIHK mit einer Prognose von minus zehn Prozent beim Bruttoinlandsprodukt in Deutschland in diesem Jahr pessimistischer als die Bundesregierung.

Die wirtschaftliche Erholung in Deutschland sei außerdem sehr stark an die Entwicklung beim Export gekoppelt, sagte Schweitzer. "In der Industrie hängt jeder zweite Arbeitsplatz am Export. Es gibt aber viele Unsicherheiten." Schweitzer nannte die schwierige Lage in den USA sowie den Handelskonflikt zwischen den USA und China.

Europäische Zahlungsbilanz verschlechtert sich

Dies unterstreicht auch die monatliche Zahlungsbilanz der Eurozone, dessen größte Volkswirtschaft Deutschland ist. Im Mai 2020 wies die Leistungsbilanz des Euro-Währungsgebiets einen Überschuss von 8 Mrd. Euro auf - einen Monat zuvor waren es noch 14 Mrd. Euro, so die Europäische Zentralbank (EZB).

In den zwölf Monaten bis Mai 2020 wurde laut EZB in der Leistungsbilanz ein Überschuss von 264 Mrd. Euro erzielt, was 2,2 Prozent der Wirtschaftsleistung des Euroraums entspricht. Im Vergleichszeitraum ein Jahr zuvor lag der Überschuss noch bei 318 Mrd. Euro und somit 2,7 der Eurozonen-Wirtschaftsleistung.

Überbrückungshilfen müssen verlängert werden

Bei vielen Unternehmen schmelze das Eigenkapital. "Wir befürchten im Herbst eine Insolvenzwelle dramatischen Ausmaßes", sagte Schweitzer. Deswegen müssten die staatlichen Überbrückungshilfen, die bis Ende August laufen, verlängert werden.

Wir befürchten im Herbst eine Insolvenzwelle dramatischen Ausmaßes.

Eric Schweitzer, DIHK-Präsident

"Dann bekommen viele Unternehmen noch einmal drei, vier Monate Luft, um sich zu stabilisieren, bis die Geschäfte eventuell auch wieder ein Stück stärker anziehen."

Für die Überbrückungshilfen - Zuschüsse an Firmen - hat der Bund bisher 25 Mrd. Euro eingeplant. "Es ist in jedem Fall sinnvoller, eigentlich gesunde Unternehmen bei der Überbrückung einer schwierigen Lage mit Zuschüssen zu unterstützen als ihre Verschuldung mit Krediten weiter zu erhöhen", sagte der DIHK-Präsident.

"Wenn die Wirtschaft wieder ins Laufen kommt, profitiert auch der Staat davon über steigende Steuereinnahmen. Die Alternative ist, dass Unternehmen in Insolvenz gehen und Arbeitsplätze wegfallen."

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