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Hoffnungswerte schmälern die Bilanzen der Dax-30-Unternehmen

Eine 317-Mrd.-Euro-Blase soll sich laut einem Bericht des Handelsblatts in Deutschlands Top-Konzernen gebildet haben.

Blase in der Bilanz (Symbolbild) | Foto: colourbox.com

Durch überteuerte Zukäufe haben die 30 Dax-Unternehmen nach Berechnungen des Handelsblatts rund 316,6 Mrd. Euro an sogenanntem Goodwill angehäuft. Das sind Hoffnungswerte aus zu teuren Firmenkäufen, die keinen materiellen Gegenwert haben.

Das seien fast 30 Mrd. Euro mehr als ein Jahr zuvor, so viel wie noch nie in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 hatten die Dax-Konzerne "nur" 120 Mrd. Euro solcher Hoffnungswerte in ihren Bilanzen stehen.

Veränderte Abschreibungspraxis

Bis dahin durften deutsche Unternehmen ihre überhöhten Firmenwerte noch innerhalb von zehn Jahren abschreiben.

Die Regelung wurde dann abgeschafft, was heute dazu führt, dass Unternehmen so gut wie nichts mehr abschreiben: Seit 2005 waren es nach Berechnungen der Bilanzexperten des Vermögensverwalters Flossbach von Storch bei den 30 Dax-Konzernen im Durchschnitt 3,5 Mrd. Euro pro Jahr.

In der Krise würden die Belastungen zum Milliardenrisiko, weil durch die Abschreibungen die Verluste der Unternehmen steigen.

Niedrige Finanzierungskosten treiben den Goodwill

Der Goodwill-Bilanzposten wuchs bei vielen Unternehmen, weil Übernahmen das Geschäft stärken, wenn die hinzugekauften Firmen die Umsätze und Gewinne steigern. "Ein Treiber dieser Entwicklung sind die niedrigen Finanzierungskosten", sagte Commerzbank-Analyst Markus Wallner dem Handelsblatt.

Ein Treiber dieser Entwicklung sind die niedrigen Finanzierungskosten.

Markus Wallner, Commerzbank-Analyst im Handelsblatt

Dadurch erschienen auch relativ teure Übernahmen mit hohen Prämien noch rentabel. Zahlten Unternehmen noch in der Krise 2008 Zinssätze von 6 bis 10 Prozent, finanzierten sich die Konzerne in den vergangenen fünf Jahren zu Zinssätzen von weniger als 2 oder sogar für 0 Prozent.

Mahnung aus der Versicherungsbranche

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hält die Abschreibungspraxis für gefährlich: Weil nach internationalen Bilanzierungsregeln seit 2005 keine planmäßigen Abschreibungen von Goodwill-Positionen mehr zugelassen seien, bestehe bei konjunkturellen Abschwüngen die Gefahr prozyklischer Effekte.

Die milliardenschwere Goodwill-Blase werde dann zu einem Brandbeschleuniger. Deshalb fordert der GDV, planmäßige Abschreibungen wieder einzuführen.

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