Banken sehen keinen erheblichen Nachfragerückgang bei privater Baufinanzierung

Anfragen für Stundungen halten sich in Grenzen. Alle befragten Banken behandeln Neu- wie Bestandskunden als Kreditnehmer gleich. In regionaler Hinsicht sind unterschiedliche Trends erkennbar.

Baustelle für Wohnungsbau in Münster | Foto: picture alliance / Sven Simon

Ist der private Bauboom durch die Corona-Krise ausgebremst? – FinanzBusiness hat sich bei verschiedenen Banken und einer Bausparkasse in Deutschland umgehört, wie das Geschäft in der privaten Baufinanzierung durch die Pandemie beeinflusst wird.

Keine Änderungen bei Kreditvergabe

Die Hypothekennehmer zeigen sich in den verschiedenen Regionen unterschiedlich gut aufgestellt, aber die Nachfrage nach Baufinanzierungskrediten ist trotzdem nicht signifikant eingebrochen. Auch die Kriterien für die Kreditvergabe haben die Institute und Banken nicht verändert. Neu- wie Bestandskunden werden als Kreditnehmer bei allen Befragten gleichbehandelt.

Nachfrage in Düsseldorf leicht gestiegen

„Bisher können wir nicht feststellen, dass Kunden ein geringeres Interesse zeigen, eine Wohnimmobilienfinanzierung nachzufragen“, erklärt Gerd Meyer, Stabsstelle PR/Interne Kommunikation der Stadtsparkasse Düsseldorf. Die Nachfrage nach Baufinanzierungskrediten sei sogar leicht gestiegen. Die ausgezahlten Kredite liegen nach Unternehmensangaben knapp über dem hohen Vorjahresergebnis.

Allerdings zeigen sich erste dunkle Wolken am Horizont: Stundungsanfragen seien bereits vorhanden. „Die Gesamtzahl bewegt sich aber in engen Grenzen“, erklärt Meyer. Gleichwohl geht er im Vergleich zum Vorjahr von erhöhten Kreditausfällen aus.

In der Tendenz rechnen wir mit einem höheren Wertberichtigungsbedarf als in den vergangenen Jahren.

Gerd Meyer, Stabsstelle PR/Interne Kommunikation der Stadtsparkasse Düsseldorf

„In der Tendenz rechnen wir mit einem höheren Wertberichtigungsbedarf als in den vergangenen Jahren.“ Aktuell sei es aber noch zu früh, um eine Größenordnung zu benennen.

„Hier wird es darauf ankommen, wie schnell die Beschränkungen aufgehoben werden, die Wirtschaft sich wieder "fängt" und das Verbrauchervertrauen sich wieder stabilisiert“, sagt er und verweist auf die Wirtschaftsprognosen von Bundesregierung und Wirtschaftsforschungsinstitute.

Diese gehen für 2020 von der heftigsten Rezession nach dem Zweiten Weltkrieg aus, die in 2021 von einem deutlichen Aufschwung abgelöst werde. Laut Frühjahrsprognose soll das Bruttoinlandsprodukt 2020 um 6,3 Prozent zurückgehen und 2021 auf 5,2 Prozent steigen. 2022 soll dann das Vor-Corona-Wirtschaftsniveau wieder erreicht werden.

Bausparkasse sieht langfristige Orientierung

Für die Bausparkasse Wüstenrot & Württembergische AG mit Sitz in Ludwigsburg denken Häuslebauer nicht in Konjunkturzyklen.

„Bausparer sind langfristig orientiert und planen für viele Jahre im Voraus“, erklärt Immo Dehnert, Leiter Kommunikation. Zwar sei derzeit wie überall auch im Bausparmarkt eine gewisse Zurückhaltung der Verbraucher zu spüren, was auf die teilweise unsicheren Einkommens- und Jobperspektiven zurückzuführen sei. 

Wir rechnen damit, dass bei einer gesamtwirtschaftlichen Aufhellung wieder mit einer deutlichen Belebung der Nachfrage und eventuell Nachholeffekten zu rechnen ist.

Immo Dehnert, Leiter Kommunikation Bausparkasse Wüstenrot & Württembergische AG

„Wir rechnen damit, dass bei einer gesamtwirtschaftlichen Aufhellung wieder mit einer deutlichen Belebung der Nachfrage und eventuell Nachholeffekten zu rechnen ist“, meint er.

Die grundsätzlichen Motive für das Bausparen blieben bestehen einen langfristigen, zinssicheren Vermögensaufbau für Bau oder Erwerb einer Immobilie oder einen Kapitalstock für energetische Modernisierungen zu bilden.

„An den Rahmenbedingungen des Wohnungsmarktes mit partiellen Knappheiten, preislichen Übertreibungen und Nachfrageüberhängen in gewissen Regionen [hat sich] nichts geändert“, so Meyer.

„Kunden sind bereit, für das eigene Heim auf viel zu verzichten, so hat es die Vergangenheit gezeigt“, erklärt Johanna Volk, Abteilungsleiterin Kommunikation der Berliner Volksbank eG. Aktuell rechne die Bank im Privatkundenbereich nicht mit erhöhten Ausfällen. Volk räumt aber ein, dass es aktuell eine hohe Nachfrage nach Stundungen gebe.

Inwiefern sich Kurzarbeit und Furcht um den Arbeitsplatz auswirken, könnte erst zum Ende des Jahres beantwortet werden, wenn nach der Stundung die reguläre Tilgung wieder starte.

“Gegebenenfalls erwachsen zu einem späteren Zeitpunkt Nachfragen zu Veränderungen der bestehenden Finanzierungsstruktur zum Beispiel Tilgungssatzwechsel“, so Volk.

Insgesamt seien die Anfragen an Baufinanzierungen anfangs leicht gesunken, doch jetzt sei wieder das alte Niveau erreicht.

Der Immobilienmarkt in Berlin und Brandenburg sei recht eng. Daher sei mit einem Einbruch der Nachfrage nicht zu rechnen.

Maßnahmen gegen Kreditausfälle

Erste Liquiditätsengpässe zeigen sich bei Kunden der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig. Rund 800 Privatkunden haben bis Ende April bei bestehenden Finanzierungen einen Antrag auf Ratenaussetzung für ihre Darlehen- und Verbraucherkredite beantragt. Dies beziehe sich nicht ausschließlich auf die Bau- und Immobilienfinanzierung.

Die Kontaktbeschränkungen hätten sich auf die Immobilienvermittlung ausgewirkt, da Besichtigungen nur eingeschränkt möglich sind.

„Das hemmt den Verkauf von Bestandsimmobilien und wirkt sich perspektivisch auch auf die Nachfrage von Finanzierungen aus“, so Barbara Bauer von der Abteilung Kommunikation.

Im Ergebnis läge das Kreditvolumen im Neugeschäft derzeit leicht unter dem durchschnittlichen Wochendurchschnitt.

Neubaugebiet in Niedersachsen | Foto: picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa
Neubaugebiet in Niedersachsen | Foto: picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa

Die Frankfurter Volksbank berichtet von einer leicht gesunken Nachfrage, die sich aber insgesamt im normalen Schwankungsbereich bewegt. Pressesprecherin Beate Schumacher führt dies darauf zurück, dass der Erwerb einer eigenen Wohnimmobilie auch vor der aktuellen Corona-Situation eine sehr wichtige und wegweisende Entscheidung für viele ihrer Kunden gewesen sei.

„Es ist daher umso verständlicher, dass viele Menschen im Augenblick vorsichtig sind und die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie zunächst abwarten möchten, bevor sie sich wieder intensivere und abschließend oder auch ganz neu mit dieser Thematik beschäftigen“, meint sie.

Bei bereits bestehenden Baufinanzierungen hat die Bank die Erfahrung gemacht, dass „uns unsere Kunden natürlich auch auf eine mögliche Stundung von Kreditraten an[sprechen]“.

Insgesamt rechnet Schumacher für die Region Frankfurt/Rhein-Main aufgrund der weiterhin vorhandenen Nachfrage nach Wohnraum mit einem weiterhin relativ stabilen Markt für Wohnimmobilien.

Nachfrage im Großraum Stuttgart leicht rückläufig

Ähnlich sieht es im Großraum Stuttgart bei der Nachfrage nach neuer Wohnbaufinanzierung aus.

„Das Niveau ist leicht rückläufig nach einer sehr hohen Nachfrage Anfang des Jahres“, erklärt Miriam Höhn, Pressesprecherin der Kreissparkasse Böblingen. Bei den Stundungen gibt es aktuell „eine überschaubare Anzahl von Anfragen“.

Die Kreissparkasse Böblingen rechnet deshalb im Vergleich zu 2019 im Bereich der Baufinanzierungen nicht mit größeren Ausfällen.

Auch in der von hohen Baupreisen und knappem Angebot geprägten Stadt München macht sich die Corona-Krise bei der Nachfrage nach Wohnimmobilienkrediten bemerkbar.

„Nachdem zum aktuellen Zeitpunkt noch niemand einschätzen kann wohin die Reise geht, haben viele Kunden ihre Entscheidung zunächst einmal zurückgestellt“, erklärt Sebastian Sippel, Pressereferent der Stadtsparkasse München. Nach einem hervorragenden Jahresstart mit sehr hoher Nachfrage sei das Niveau aufgrund des Shutdowns des öffentlichen Lebens gesunken. Aber: Es zeichne sich schon wieder eine lebhaftere Nachfrage ab.

„Von wirtschaftlichen Auswirkungen nicht betroffene Kundengruppen fragen weiterhin rege an", sagt er.

Sippel traut sich aber nicht zu prognostizierten, wann der Immobilienmarkt wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht. "Das wäre unseriös“, sagt er.

Münchner fragen für Baukredite kaum nach Stundung

Bei der Nachfrage nach Stundung von Baufinanzierungskrediten seit der Corona-Pandemie sieht es aktuell so aus: „Das ist nach unseren bisherigen Beobachtungen zu vernachlässigen und geringer als befürchtet“, so Sippel. Allerdings könne sich diese Entwicklung in der kommenden Zeit noch verändern.

Wie es deshalb mit erhöhtem Kreditausfällen im Vergleich zum Vorjahr aussehen wird, sei derzeit nicht zu beziffern: „Wir denken schon, dass es mehr Kreditausfälle geben wird, aber eine genaue Quote können wir leider nicht vorhersagen“.

Die Sparkasse-Immobilien-Vermittlungs GmbH sieht es ähnlich wie aus ihrem jüngst vorgelegten Marktspiegel für den Wohnimmobilienmarkt in Bayern hervorgeht. Ob und wie stark sich die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie in den nächsten Monaten auf Nachfrage und Anzahl der Verkäufe und Preise bei Häusern und Wohnungen auswirken werden, sei nicht einzuschätzen.

„Grundsätzlich reagiert der Wohnimmobilienmarkt jedoch deutlich weniger dynamisch auf wirtschaftliche Einflüsse wie beispielsweise der Aktienmarkt“, heißt es.