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Politik beugt sich in zweitägiger Sondersitzung über die Causa Wirecard

Finanzausschuss tagt Ende August. Linken-Politiker Fabio De Masi bekräftigt Forderungen nach Rücktritt von Bafin-Chef Hufeld. Zahl der Geldwäsche-Verdachtsmeldungen steigt.

Wirecard wird jetzt genau unter die Lupe genommen. Foto: picture alliance / SvenSimon

Der Bilanzskandal bei der insolventen Wirecard AG hat das politische Berlin fest im Griff. Am 31. August und 1. September ist eine zweitägige Sondersitzung des Finanzausschusses im Bundestag anberaumt. Das meldet die Nachrichtenagentur Dpa.

"Schon die lange Liste der Gäste und der Themen zeigt, warum wir einen Untersuchungsausschuss brauchen", sagte der FDP-Obmann im Finanzausschuss, Florian Toncar laut Dpa. "Der Wirecard-Skandal kennt viele Akteure und der Aufklärungsbedarf ist hoch." Im Kern gehe es um die Frage, ob Wirecard als vermeintliches Vorzeigeunternehmen bevorzugt behandelt worden sei.

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Forderung nach Rücktritt von Hufeld

Der Linken-Politiker Fabio De Masi bekräftigte derweil die Forderung nach einem Rücktritt von BaFin-Chef Felix Hufeld. "Entweder Herr Hufeld weiß nicht, was in seiner eigenen Behörde los ist, oder er sagt die Unwahrheit. In beiden Fällen ist er nicht mehr tragbar. Der Finanzminister muss endlich handeln und an der Spitze der Finanzaufsicht durchgreifen", so de Masi in einer schriftlichen Stellungnahme unter anderem an FinanzBusiness.

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Entweder Herr Hufeld weiß nicht, was in seiner eigenen Behörde los ist, oder er sagt die Unwahrheit. In beiden Fällen ist er nicht mehr tragbar. Der Finanzminister muss endlich handeln und an der Spitze der Finanzaufsicht durchgreifen.

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Unterdessen prüft die BaFin selbst die Wirecard-Bilanzen der Jahre 2017 bis 2019, berichtet das Handelsblatt. "Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) habe mit einem Schreiben vom 20. Juli 2020 berichtet, dass die Wirecard AG die Mitwirkung an der Prüfung verweigert habe oder mit den Prüfungsergebnissen nicht einverstanden gewesen sei", hieß es in einer im Bundesanzeiger am Dienstag veröffentlichten Mitteilung.

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Die BaFin kann die Bilanzprüfungen an sich ziehen, wenn ein Unternehmen die Zusammenarbeit mit der als "Bilanzpolizei" bekannten DPR verweigert oder Befunde nicht akzeptiert.

Mehr Verdachtsmeldungen wegen Geldwäsche

Zusätzliche Arbeit mit Wirecard hat auch die Financial Intelligence Unit (FIU), die Geldwäsche bekämpfen soll. Zunächst hieß es, der FIU lägen 72 Hinweise vor, die sich gegen Wirecard richten, schreibt das Handelsblatt. Nun habe sich die Zahl auf 97 erhöht. Bis zum 28. Juli 2020 habe man "insgesamt 97 Verdachtsmeldungen identifiziert, die in möglichem Zusammenhang mit den derzeit erhobenen Vorwürfen stehen könnten", teilte die FIU laut dem Bericht mit.

Die FIU ist eine Einheit des Zolls und dem Bundesfinanzministerium unterstellt. Dabei ermittelt die Einheit nicht selbst, sondern sichtet Verdachtsmeldungen zu Geldwäsche und reicht sie dann an die Strafverfolgungsbehörden weiter.

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